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Stadt Herford legt nur bereinigte Daten vor – Elternwille bleibt verborgen

Streit um Anmeldezahlen an Schulen

Herford (HK). Es klang fast wie ein Appell, den Wolfgang Rußkamp (CDU) in seiner letzten Schulausschuss-Sitzung an die jüngeren Ausschussmitglieder richtete. „Wenn Sie wissen wollen, wie der Elternwille ist, dann benötigen Sie die Anmeldezahlen an den Schulen nach dem ersten Durchgang“, erklärte Rußkamp bei seinem Abschied. Er tritt nach mehr als 20 Jahren im Schulausschuss bei der Kommunalwahl im September nicht erneut an.

Ralf Meistes

Über die Anmeldezahlen wird intensiv diskutiert. Die Gesamtschule Friedenstal hat für 2020/21 bisher 70 Anmeldungen. Foto: Moritz Winde

Was den CDU-Politiker sichtlich verärgerte, war das Vorgehen der Schulverwaltung. Diese nennt seit geraumer Zeit nicht mehr die ursprünglichen Anmeldezahlen, sondern veröffentlicht jene, die nach Beratungsgesprächen und Wahlverfahren feststehen. So erfuhren die Ausschussmitglieder beispielsweise nur auf Nachfrage, dass das Ravensberger Gymnasium für das Schuljahr 2020/2021 elf Bewerber ablehnen musste.

Rußkamp unterstellte der Schulverwaltung indirekt, die Zahlen der Erstanmeldung bewusst unter dem Deckel zu halten, damit nicht deutlich wird, dass die Gesamtschule Friedenstal gerade mal noch zwei Klassen zusammenbekommt.

Keine zweite Gesamtschule

Ein Vorwurf, den die Schulverwaltung zurückwies. Rußkamps Rechnung: Nach dem ersten Anmeldeverfahren gab es mit 32 Eltern, die ihr Kind an einem der drei Gymnasien angemeldet hatten, Beratungsgespräche. Gespräche deshalb, weil die betreffenden Schülerinnen und Schüler von ihrer Grundschule keine Gymnasialempfehlung erhalten hatten. Von den 32 Eltern haben sich 19 nach dem Gespräch für eine andere Schule entschieden. Rußkamp vermutet, dass diese Schüler anschließend bei der Gesamtschule gelandet sind. Das würde bedeuten, dass sich nicht 70, sondern nur 51 Schülerinnen und Schüler im ersten Durchgang für die Gesamtschule entschieden hätten.

Rußkamp: „Von Bürgermeister Tim Kähler ist ja mal der Vorschlag gekommen, in Herford eine zweite Gesamtschule zu errichten. Nimmt man den Elternwillen und die Zahlen der vergangenen Jahre, dann haben wir Probleme, genügend Schüler für die bestehende Gesamtschule zu bekommen.“

Datenschutz?

Diesen Schluss könne man nicht ziehen, hieß es von Seiten der Schulverwaltung. Nach einem Beratungsgespräch könnten Eltern beispielsweise auch entscheiden, ihr Kind an einer Schule außerhalb Herfords anzumelden. Pahmeyer bestätigte, dass einige Schulen Schülerinnen und Schüler abweisen mussten, während beispielsweise die Gesamtschule Friedenstal und das Königin-Mathilde-Gymnasium noch Plätze anbieten konnten.

Warum nicht die Zahlen nach dem ersten Anmeldedurchgang veröffentlicht werden, konnte in der jüngsten Schulausschuss-Sitzung nicht eindeutig geklärt werden. Beigeordnete Birgit Froese-Kindermann führte Datenschutzgründe an. Rußkamp empörte sich: „Das kann nicht Ihr ernst sein.“ Er verwies auf die Praxis vergangener Jahre und auf andere Städte, in denen die Schulämter ebenfalls die Zahlen nach dem ersten Durchgang nennen. „Daran lässt sich der Elternwille ablesen und das ist für eine Beurteilung i Schulausschuss wichtig“, betonte Rußkamp.

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