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Modellversuch wird unter anderem in Justizvollzugsanstalten in Bielefeld und Herford durchgeführt

Telemedizin hinter Gittern

Düsseldorf/Bielefeld/Herford (dpa). Nordrhein-Westfalen hat ein Pilotprojekt für Telemedizin im Justizvollzug auf den Weg gebracht. Telemedizin könne gerade in Zeiten der Corona-Pandemie gefahrlos die Distanz zwischen Arzt und Gefangenen überbrücken, erklärte NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) in Düsseldorf.

Die JVA in Herford nimmt an dem Modellversuch teil. Foto: Oliver Schwabe

Aber auch danach solle die Technik den Justizvollzug spürbar entlasten. Gleichzeitig werde die Sicherheit der Bevölkerung erhöht, wenn weniger kranke Gefangene ausgeführt werden müssten.

Den Zuschlag für das Projekt hat nach europaweiter Ausschreibung der Telemedizin-Dienstleister Videoclinic aus Hamburg erhalten. Sieben der 36 Justizvollzugsanstalten in NRW nehmen an dem Modellversuch teil: Aachen, Attendorn, Bielefeld-Senne, Herford, Werl, Hamm und Duisburg-Hamborn. Sollte sich das Projekt als erfolgreich erweisen, soll Telemedizin flächendeckend im Strafvollzug Nordrhein-Westfalens eingesetzt werden.

Telemedizin soll Zeit sparen

Dank digitaler Technik könnten Gefangene mit Liveübetragungen rund um die Uhr Zugang zu einer hochwertigen ärztlichen Versorgung außerhalb der Sprechzeiten und innerhalb der Gefängnismauern erhalten, erläuterte Biesenbach. Auch die Bediensteten profitierten, wenn sie in Krisensituationen schnell auf qualifizierten ärztlichen Rat zurückgreifen und die Gefangenen schnell versorgen könnten. Generell spare Telemedizin Zeit und schone Personalressourcen.

Eine besondere Belastungsprobe sei der Umgang mit der zunehmenden Zahl psychisch Kranker, sagte der Minister. Hier könne Telepsychiatrie helfen, die Gefangenen vor Ort zu erreichen.

Die Pilotphase ist zunächst auf 18 Monate angelegt, kann aber verlängert werden. Der Geschäftsführer der Videoclinic, Peter Merschitz, und der aus Hamburg zugeschaltete Ärztliche Leiter und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin, Martin Scherer, demonstrierten bei der Vorstellung des Modellvorhabens die praktischen Vorteile der Telemedizin.

Die mit einem Dermatoskop aus Düsseldorf digital nach Hamburg übertragenen Videobilder des Hautbilds des Geschäftsführers kamen beim Arzt Hunderte Kilometer weiter in extrem hoher Auflösung an. „Das Hautbild ist besser zu sehen als mit bloßem Auge“, so Scherer.

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