1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Herford
  6. >
  7. Tim Kähler (SPD) gewinnt haushoch

  8. >

CDU mit Verlusten – Grüne legen deutlich zu – geringe Wahlbeteiligung

Tim Kähler (SPD) gewinnt haushoch

Herford (WB). Haushoher Sieg für Herfords amtierenden Bürgermeister Tim Kähler (SPD), Verluste für die CDU und deutliche Gewinne für Bündnis90/Die Grünen: Das Ergebnis bei der Kommunalwahl in Herford war eindeutig.

Ralf Meistes

Bereits um 20.50 Uhr waren die Stimmen soweit ausgezählt, dass CDU-Herausforderin Anke Theisen Bürgermeister Tim Kähler zur Wiederwahl gratulieren konnte. Kähler landete mit 52,95 Prozent deutlich vor der CDU-Kandidatin (29,21 Prozent). Foto: Bernd Bexte

Tim Kähler erzielte bei der Bürgermeisterwahl 52,95 Prozent der Stimmen und somit die absolute Mehrheit. CDU-Herausforderin Anke Theisen kam lediglich auf 29,21 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 48 Prozent. Dem neuen Stadtrat werden acht Parteien und Gruppierungen angehören. Eine Mehrheitsfindung wird dadurch nicht leichter.

Klares Votum

Angesichts des klaren Votums präsentierte sich Kähler gestern Abend im Rathaus bestens gelaunt. „Ich möchte mich zunächst bei meiner Frau für die Unterstützung bedanken. Zugleich bedanke ich mich bei den Herforderinnen und Herfordern für das ausgesprochene Vertrauen. Ich will das Fortführen, was wir vor sechs Jahren in dieser Stadt begonnen haben“, erklärte Kähler.

Auch die Mitglieder seiner Partei sowie die Unterstützung der FDP, die sich im Vorfeld auch für Kähler als Bürgermeister ausgesprochen hatte, hätten zu dem „tollen Erfolg“ beigetragen. Kritisch sah Kähler die Wahlbeteiligung. „Wir versuchen als Stadt viel, um die Bürger an den Prozessen zu beteiligen. Dass so vielen die Wahl offenbar gleichgültig ist, finde ich sehr schade.“

Theisen ist enttäuscht

Enttäuscht vom Ergebnis zeigte sich Anke Theisen (CDU). „Ich hatte schon erwartet, dass es zumindest für eine Stichwahl reicht“, sagte die 51-Jährige. Warum die CDU in Herford so schlecht abgeschnitten hat, vermochte sie am Sonntagabend noch nicht zu sagen. Sie wolle es aber nicht auf den Wahlkampf in Corona-Zeiten schieben. „Das wäre zu leicht. Das müssen wir jetzt in Ruhe analysieren“, so Theisen. Zugleich gratulierte sie Tim Kähler mit den Worten: „Wer bei sieben Kandidaten die absolute Mehrheit erzielt, der fährt wohl den richtigen Kurs.“

Von den übrigen fünf Bürgermeisterkandidaten landet Herbert Even (Bündnis90/Die Grünen) auf Platz drei. Er erzielte 9 Prozent. Even verwies auf mehr Einzelbewerber bei den Bürgermeisterkandidaten, deshalb habe er diesmal etwas schlechter abgeschnitten als 2014. Inez Déjà (Die Linke) kam auf 2,43 Prozent, Jürgen Josting (Parteilos) auf 1,48 Prozent, Richard Adriaans (Liste 2004) 2 Prozent und Stefan Kannegießer (Die Partei) 2,84 Prozent.

Niederlage wiegt schwer

Während die SPD in der Gaststätte „Die Knolle“ nicht nur die Wiederwahl Kählers, sondern auch das gute Abschneiden der Partei feierte, herrschte bei der CDU teilweise Fassungslosigkeit angesichts des schlechten Abschneidens. Die Niederlage wog um so schwerer, da die CDU landesweit deutlich besser abgeschnitten hat.

Im neu gewählten Stadtrat reicht es indes nach der gestrigen Auszählung nicht für eine Rot-Grüne-Mehrheit. Die SPD kommt auf 32,07 Prozent und ist somit mit 14 Sitzen im neuen Rat vertreten. Deutlich zulegen konnten die Grünen. Sie werden statt mit fünf künftig mit sieben Männern und Frauen im Kommunalparlament vertreten sein. Vor allem der Zuspruch bei jungen Wählern dürfte zu dem Zuwachs auf 16,47 Prozent (2014 waren es 11 Prozent) beigetragen haben.

BfH mit zwei Mandaten

Verloren haben die Bürger für Herford (BfH). Vor sechs Jahren erzielte die Unabhängige Wählergemeinschaft noch 4,8 Prozent der Stimmen. Diesmal sind es noch 3,9 Prozent. Es bleibt allerdings bei zwei Ratsmandaten für die BfH.

Die Linke behält ebenfalls ihren Fraktionsstatus. Mit 4,6 Prozent schnitt die Partei ebenfalls schlechter ab als noch 2014 (5,1 Prozent). Auch die Linke wird mit zwei Sitzen dem neuen Rat angehören. Ebenfalls zwei Sitze erzielte die FDP mit 4,35 Prozent der Stimmen. Noch etwas bunter wird der Rat durch den Einzug der Gruppe Herforder Bürger Bündnis. Sie kam auf 1,8 Prozent, was ein Mandat bedeutet. Die Freien Wähler Liste 2004 erhielten 3,3 Prozent, also ein Ratsmandat.

Kommentar

Tim Kähler hatte damit gerechnet, dass er am 27. September in die Stichwahl gegen CDU-Herausforderin Anke Theisen muss. Selten wird sich Herfords Bürgermeister so gerne geirrt haben. Der 52-jährige SPD-Politiker hat die Bürgermeisterwahl haushoch gewonnen.

Für die Herforder CDU war es ein schwarzer Tag. Sie ist zwar weiterhin stärkste Fraktion im Rat, bleibt aber hinter den eigenen Erwartungen weit zurück. Für eine Rot-Grüne-Mehrheit reicht es nicht ganz. Kähler hat im Wahlkampf ins Schaufenster gestellt, was unter seiner Rathaus-Führung alles umgesetzt worden ist: Markthalle, Ausbau der Fußgängerzone, Bildungscampus. Sein Image als Macher kam an.

Für Anke Theisen war es fraglos eine Last, gegen einen umtriebigen Amtsinhaber antreten zu müssen, und einen Wahlkampf zu führen, der aufgrund der Corona-Schutzbestimmungen nur einen begrenzten Kontakt mit dem Wahlvolk ermöglichte.

Doch das war nicht die einzige Hürde für die 51-Jährige. Die CDU wird intern aufar-beiten müssen, warum einige CDU-Ratskandidaten sich für die Polizistin ins Zeug gelegt haben, während andere sich bei Terminen mit ihrer Kandidatin nicht blicken ließen.Ralf Meistes

Startseite
ANZEIGE