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Herforder Timo Hinkelmann hat die Corona-Krise hart getroffen – Familie gibt Halt – Drei-Gänge-Menü zu gewinnen

TV-Koch bangt um sein Restaurant

Herford (WB)

Seine Karrierekurve kannte bislang nur eine Richtung: steil nach oben. Doch die Corona-Krise hat auch TV-Koch Timo Hinkelmann hart getroffen.

Moritz Winde

Timo Hinkelmann in seinem Restaurant. Zum Valentinstag will er WB-Lesern eine Freude machen. „Ich koche ein Drei-Gänge-Menü und bringe es mit dem Rad persönlich vorbei.“ Wer an der Verlosung teilnehmen möchte, muss am Wochenende eine Mail (Stichwort „Timo“) schreiben an: herford@westfalen-blatt.de Foto: Moritz Winde

Mittlerweile sei die wirtschaftliche Not so groß, dass der bekannte Gastronom sogar einer Mitarbeiterin habe kündigen müssen. „Es ist ja fast nichts mehr zu tun“, bedauert Timo Hinkelmann, der sich bei der Sat.1-Sendung „The Taste“ auf Platz 3 gekocht hatte.

An der Regierung lässt er kein gutes Haar. Von den versprochenen Überbrückungshilfen für die Wirte habe er bis jetzt nur eine kleine Abschlagszahlung erhalten. „Seit November gab es nicht einen einzigen Cent mehr. Ich fühle mich im Stich gelassen.“

Trotz der nicht enden wollenden Pandemie will der Herforder alles daran setzen, sein Restaurant am Gänsemarkt zu halten. Gerüchten, nach denen er den Laden verkaufen wolle, widerspricht er vehement: „Die Lounge ist mein Baby – und Babys gibt man nicht einfach aus der Hand – zumindest nicht, ohne um sie zu kämpfen.“

Doch seit Beginn der Krise, die nun schon fast ein Jahr dauert, habe der Laden nichts mehr abgeworfen. „Meine Frau und ich verzichten auf Einkommen.“ Die Familie versuche alles, um an anderen Stellen Geld zu verdienen. So kocht der 38-Jährige mittlerweile jeden Samstag auf dem Wochenmarkt.

Seit einiger Zeit kümmert sich Timo Hinkelmann wieder verstärkt um sein Restaurant, wo er regelmäßig am Herd steht. Das habe er vor der Krise vernachlässigt, gibt er zu. Genau das hatten ihm Kritiker vorgeworfen.

Die Hoffnung auf eine baldige Wiedereröffnung aber hat sich der Mann mit den vielen Tätowierungen längst abgeschminkt. „Selbst wenn wir unter Hygieneauflagen und Abstandsregeln aufmachen dürften, hätte es für uns wirtschaftlich keinen Sinn.“ Gerade einmal acht von sonst 35 Gästen dürften in dem kleinen Lokal bewirtet werden, dessen Konzept ja auf eine familiäre, kuschelige Atmosphäre ausgelegt ist.

Die Schotten in der Quartier Lounge sind dicht, und das wird sich wohl auch nicht bald ändern. Foto: Moritz Winde

Etwas Geld verdient Timo Hinkelmann momentan auch mit Lieferdienst und Abholservice. Freitags bis sonntags bietet er diesen Service an. Mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein sei das Angebot aber nicht. „Es ist vielmehr ein Zeichen – nach dem Motto: Wir leben noch.“

Eine seiner wichtigsten Einnahmequellen – die TV-Engagements – tendieren seit Monaten gen Null. „Es ist natürlich nicht möglich, für Galileo auf der Suche nach neuen Gerichten durch die Welt zu reisen.“ Und auch sonst zeige das Fernsehen lieber Wiederholungen, statt neu zu produzieren. Zudem fehlen Einnahmen aus Messen, Catering und anderen Veranstaltungen.

Ohne seine Werbedeals – Timo Hinkelmann ist Markenbotschafter für unter anderem Marktkauf und Wiesenhof – sei er wohl schon längst pleite. „Die retten mir echt den Hintern.“

Bei all den vielen Sorgen ums wirtschaftliche Überleben, kann der 38-Jährige der Corona-Krise auch etwas Positives abgewinnen. Er habe nach turbulenten Jahren, in denen er seine Liebsten oft enttäuscht habe, nun gemerkt, was wirklich im Leben zähle. „Wir sind als Familie wieder näher zusammengerückt. Ohne sie wäre ich wahrscheinlich schon längst durchgedreht.“

Timo Hinkelmann findet Halt in der Familie: Das Selfie zeigt ihn mit Tochter Leni und Frau Alex. Foto:
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