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Arbeitgeber im Kreis Herford halten Regelung für „überzogen und nicht sachgerecht“

Verband kritisiert Homeoffice-Verordnung

Herford (HK).

„Die Arbeitgeber im Kreis Herford empfinden die Entscheidung der Bundesregierung zur gesetzlichen Verordnung eines verpflichtenden Homeoffice für überzogen und nicht sachgerecht“, sagt Uwe Kreidel, Vorstandsvorsitzender des Arbeitgeberverbandes Herford.

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Auch im Kreis Herford sind noch unzureichende Internetverbindungen und fehlender Breitbandausbau ein limitierender Faktor für Homeoffice, sagt der Arbeitgeberverband Herford. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Mobiles Arbeiten gehöre in den Unternehmen im Kreis zur betrieblichen Realität und werde umfassend genutzt, heißt es in einer Stellungnahme des Arbeitgeberverbandes. „Seit Beginn der Pandemie haben viele Betriebe ihre Anstrengungen zur Sicherstellung ihrer Prozesse noch einmal massiv erhöht, um ihren Mitarbeitern das Arbeiten etwa im Homeoffice zu ermöglichen“, betont Kreidel.

Insofern werde nun politisch etwas per Verordnung vorgeschrieben, was betrieblich längst funktioniere. Daher seien Behauptungen, Unternehmen würden ihren Mitarbeitern das Homeoffice verweigern, für die Mitgliedsbetriebe des Arbeitgeberverbandes Herford völlig aus der Luft gegriffen.

„Klar sein muss jedoch, dass sich viele Arbeitsaufgaben in Industrie, Handwerk und Dienstleistungen nicht mobil, sondern nur vor Ort erledigen lassen – sei es in der industriellen Produktion, in vielen Bereichen des Handwerks, an der Kasse im Supermarkt, wie auch bei zahlreichen Tätigkeiten im Büro“, wirbt Uwe Kreidel für eine differenzierte Betrachtungsweise.

Leider müsse der Arbeitgeberverband feststellen, dass auch im Kreis Herford immer noch unzureichende Internetverbindungen und fehlender Breitbandausbau ein limitierender Faktor sind, den man nun massiv zu spüren bekomme. Falsch sei die Vorstellung, Homeoffice wäre eine Patentlösung für die Herausforderungen in der Bekämpfung der Coronakrise. „So kann eine Familie schnell an Grenzen stoßen, wenn alle zu Hause gleichzeitig im Homeoffice und im Distanzunterricht sind“, gibt der Vorstandsvorsitzende zu bedenken.

Außerdem würden nicht alle Arbeitnehmer Homeoffice als Lösung empfinden, sondern lieber weiter mit den Kollegen im Betrieb ihre Arbeit verrichten wollen. Unabhängig davon zeige sich bei den Unternehmen im Kreis, dass der Arbeitsplatz kein Hotspot für Ansteckungen ist. Dazu beigetragen hätten die ohnehin schon umfassenden Arbeitsschutzstandards und – seit Ausbruch der Pandemie – die penibel umgesetzten Hygieneregeln.

„Die Wirtschaftsunternehmen tun alles dafür, dass Infektionen so weit wie möglich vermieden werden können. Wir sehen, dass wir dort, wo produziert wird, ebenso wenig ein nennenswertes Infektionsgeschehen haben wie in den Geschäften des Einzelhandels, die zur Deckung des täglichen Bedarfs der Bevölkerung geöffnet sind“, so Kreidel. Eine zusätzliche gesetzliche Verpflichtung zum Homeoffice sei deshalb verfehlt.

Arbeitgeber aus dem Kreis Herford blickten mit Besorgnis auf die Tatsache, dass sich die Situation für Schüler und Auszubildende im Homeschooling nach dem ersten Lockdown kaum verbessert habe. Es bestehe die begründete Befürchtung, „dass hier eine neue Generation heranwächst, die aufgrund der systembedingten Defizite im Rahmen der schulischen Ausbildung nicht genügend Unterstützung bekommen“, heißt es in der Stellungnahme.

Damit würden für die Zukunft weitere Erschwernisse auf die Arbeitgeber zukommen, weil zukünftige Bewerber und Auszubildende nicht über die erforderlichen Qualifikationen und Skills verfügten. Diese müssten dann durch die Unternehmen nachgeschult werden. Staat und Kommunen müssten ihre Anstrengungen zur Verbesserung der Lern- und Infrastruktur in den Schulen intensivieren, damit die Bildung der jungen Menschen nicht auf der Strecke bleibe. Es bestehe ansonsten die Gefahr, die wichtigste Ressource zur erfolgreichen Weiterentwicklung der Betriebe für die Zukunft zu verlieren.

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