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Landtagswahl: Die Kandidaten im Wahlkreis 90 im Check

Verkehrswende ja, aber wie?

Herford

In den Ratssitzungen im Kreis Herford fällt immer häufiger das Wort Verkehrswende. Verkehrskonzepte eines Ballungsraumes lassen sich allerdings nicht auf den ländlichen Raum übertragen. Der Ausbau der Radwege im Wittekindkreis geht voran, beim ÖPNV sehen viele noch Verbesserungsbedarf. Im Kreisgebiet sind viele Menschen täglich auf das Auto angewiesen. So bewerten die Landtagskandidaten das Thema.

Wie stehen die Kandidaten zur Verkehrswende? Foto: dpa

Philip Kleineberg (CDU): Gerade hier im ländlichen Raum werden viele Menschen noch auf das eigene Auto angewiesen sein. Entscheidend ist der Ausbau des ÖPNV dort, wo es kosteneffizient und sinnvoll ist. Die Nutzung neuer Möglichkeiten wie On-Demand-Verkehr und zukünftig selbstfahrende Busse kann ein Teil der Lösung sein. Ein Ausspielen einzelner Verkehrsträger gegeneinander (wie Fahrrad gegen Auto oder Bahn gegen Flugzeug) lehne ich entschieden ab, da es an der Lebensrealität der meisten Menschen im Kreis Herford vorbei geht.

CDU-Kandidat Philip Kleineberg ist 35 Jahre alt, verheiratet, von Beruf Betriebswirt und er wohnt in Enger. Foto:

Christian Dahm (SPD): Die Mobilität muss in NRW verlässlich, ökologisch und vor allem bezahlbar sein. Um noch mehr Stau zu vermeiden, müssen wir den Güterverkehr auf die Schienen verlagern. Wir wollen die Elektrifizierung und Reaktivierung von Bahnstrecken weiter vorantreiben, das vorhandene Streckennetz ausweiten sowie eine vermehrte Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene. Der Ausbau der E-Mobilität wird ebenfalls die Verkehrswende fördern. Wir werden ein kostenfreies Ticket für jedes Schulkind im ÖPNV einführen.

SPD-Kandidat Christian Dahm ist 58 Jahre alt, verheiratet, seit 2010 Landtagsabgeordneter, von Beruf Polizeibeamter und er wohnt in Vlotho. Foto: SYSTEM

Céline Joswig (FDP): Der Verkehr muss zu den Menschen passen, nicht andersherum. Jeder Bürger im Kreis Herford sollte sich grundsätzlich so fortbewegen können, wie er es möchte – dies jedoch so klimafreundlich wie möglich. Wir brauchen einen flexibleren ÖPNV, denn auch auf dem Land sollte man einfacher von A nach B kommen können. Die Autos können wir im ländlichen Raum jedoch nicht ersatzlos verbannen. Hier wollen wir die Mobilität mit Bussen auf Abruf weiter ausbauen.

Céline Joswig studiert Rechtswissenschaft. Die 24-jährige FDP-Politikerin ist ledig und wohnt in Enger. Foto: privat

Marvin Reschinsky (Bündnis 90/Die Grünen): Im ländlichen Bereich werden wir auch morgen noch Autos haben. Wir setzen deshalb auf die Chancen des Elektroantriebs. In den kommenden fünf Jahren schaffen wir flächendeckende Lademöglichkeiten im privaten und öffentlichen Raum. Unternehmen wollen wir bei den Steuern und Abgaben entlasten, wenn sie Lademöglichkeiten bereitstellen. Wir streben dazu eine ÖPNV-Mobilitätsgarantie an, mit der alle Menschen von 5.30 bis 22.30 Uhr mindestens im Stundentakt mit einer verlässlichen Verbindung vorankommen.

Marvin Reschinsky ist Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen. Er ist 29 Jahre alt, ledig, wohnt in Herford und ist Gewerkschaftssekretär. Foto:

Roland Sprenger (AfD): Als Wohnort sollte, auf jeden Fall wenn man sowieso umzieht, die Stadt bzw. Gemeinde des Arbeitsplatzes gewählt werden. Ich bin nach Herford gezogen, weil dort mein Arbeitsplatz war. Der Pendelweg zur Arbeitsstelle ist in den letzten Jahrzehnten immer länger geworden, weil Autos immer leistbarer geworden und die Straßen immer besser ausgebaut worden sind. Dadurch wurde die Nähe zum Arbeitsplatz den Menschen immer unwichtiger. Dies ist den Menschen bewusst zu machen und für eine Verhaltensänderung zu werben.

Der AfD-Kandidat Roland Sprenger ist 73 Jahre alt. Der Lehrer im Ruhestand ist geschieden und wohnt in Herford. Foto: privat

Julia Drewitz (Die Partei): Die Verkehrspolitik der letzten Jahre macht den Sack zu und lässt sich sehr gute Lösungen einfallen.

Julia Drewitz Die Partei Foto: privat

Claudia Schmidt (Freie Wähler): Die Mobilität der Zukunft erfordert intelligente Verkehrskonzepte für die persönliche Mobilität und für den Güterverkehr. Dafür sind emissionsarme Antriebe nötig. Neben der Elektromobilität ist vor allem die Wasserstofftechnologie ein Schlüssel zu klimaschonenden Antrieben. Hier muss die Forschung und Entwicklung dringend gefördert werden, um eine breite Nutzung schnell zu erreichen.

Für die Freien Wähler in NRW tritt Claudia Schmidt an. Die 61-jährige Diplom-Kauffrau ist verheiratet und wohnt in Hiddenhausen. Foto: privat

Selina Sarneckis (Die Basis): Erstens: eine weit fassende Aufklärung der Menschen über die Probleme bezüglich des Klimawandels. Zweitens: eine vernünftige und realistische Motivation der Bevölkerung dafür, dass sie ihr Auto zum Umweltschutz und zur Förderung der eigenen Gesundheit häufiger stehen lassen. Drittens: Entwicklung von wirklich realisierbaren Maßnahmen, damit das Auto zuhause bleiben kann, z.B. durch einen Ausbau von Radwegen und Schnellstraßen. Viertens: Vermeidung von Autostaus durch vernünftige Ampelschaltungen.

Selina Sarneckis tritt für die Partei Die Basis an. Die 25-jährige Studentin ist ledig und wohnt in Enger. Foto: privat

Der Kandidaten-Check zur Wahl

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