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Bluttat im Herforder Orthweg: Prozessbeginn im April – Ist der 47-Jährige voll schuldfähig?

Versuchter Mord: Familienvater angeklagt

Herford (WB). Wollte er tatsächlich seine Ehefrau umbringen? Ab dem 15. April wird einem Familienvater aus Herford vor dem Landgericht Bielefeld der Prozess gemacht.

Moritz Winde

Am 20. Oktober kam es in einem Mehrfamilienhaus im Orthweg zu einer blutigen Gewalttat. Die Mordkommission hatte die Eingangstür mit einem Siegel versperrt. Foto: Moritz Winde

„Ich habe ihn wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt“, sagt Staatsanwalt Christoph Mackel. Er geht von Heimtücke als Mordmerkmal aus.

Die Tragödie im Orthweg in Herringhausen ereignete sich am 20. Oktober vergangenen Jahres. Der 47-Jährige, der einen türkischen Imbiss in der Herforder Innenstadt betreibt, soll an jenem Abend in den eigenen vier Wänden ein Blutbad angerichtet haben. Laut Anklage soll er mit einem Messer und einem spitzen Metallspieß mehrmals auf seine Frau eingestochen haben – und zwar vollkommen unvermittelt. Sie soll keine Chance gehabt haben, sich des Angriffs zu erwehren.

Die 47-Jährige erlitt damals lebensgefährliche Schnittverletzungen. Als sich die Tochter ihrem Vater in den Weg stellte, soll dieser auch die 21-Jährige attackiert haben. Die junge Frau wurde ebenfalls erheblich verletzt. Mutter und Tochter schafften es, ihrem Widersacher zu entfliehen. Blutüberströmt schleppten sie sich auf die andere Straßenseite zu Nachbarn. Ein älteres Ehepaar gewährte ihnen Zuflucht und verständigte den Notruf.

Dauerstreit mit der Ehefrau

Der mutmaßliche Täter ließ sich wenig später widerstandslos festnehmen. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft – und schweigt zu den Vorwürfen . Ob er sich während der Verhandlung einlässt, ist offen. Sein Verteidiger, Dr. Holger Rostek aus Bielefeld, hat zunächst einmal die Einholung eines Sachverständigengutachtens beantragt. Staatsanwalt und Gericht haben dem Antrag stattgegeben.

Rostek sagt, er sei überzeugt davon, dass der Beschuldigte zur Tatzeit erheblich vermindert schuldfähig war. Er habe sich in einer Ausnahmesituation befunden. „Mein Mandant litt unter einer tief greifenden Bewusstseinsstörung. Er hatte Probleme mit Alkohol, außerdem ist er an Diabetes erkrankt. Und dann kam erschwerend der Dauerstreit mit der Ehefrau hinzu.“ Zum Motiv wollte sich der Rechtsanwalt nicht weiter äußern.

In diesen Tagen soll der 47-Jährige von einem Psychiater im Gefängnis untersucht werden. Der Mediziner soll klären, ob der Angeklagte wusste, was er an jenem Oktoberabend mutmaßlich getan hat. War er Herr seiner Sinne? Zumindest Alkohol scheint keine Rolle gespielt zu haben. Bei ihm wurden nur sehr wenig Promille nachgewiesen.

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