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Wäschehaus Carl Schoneweg: Sammler Polschinski gibt Nachlass an Archiv

Vom Aufstieg bis zur Firmenpleite

Herford (WB). Wer um 1920 in Herford heiraten wollte, kam an Carl Schoneweg kaum vorbei. Bis 1939 bestand sein Wäschehaus in der Bäckerstraße – den Nachlass hat der Sammler Michael Polschinski jetzt dem Archiv übergeben.

Hartmut Horstmann

Eine Besonderheit sind Aufnahmen, die das Innere der Geschäfte zeigen. Im Jahr 1912 ließ sich der Spezialist für »vollständige Brautausstattungen« in der Bäckerstraße nieder. Foto: Kommunalarchiv

Mehrere hundert Dokumente

Fotos, Kassenbücher mit Kundendaten, Kontoauszüge: Mehrere hundert Dokumente umfasst der Nachlass, von dem zur Zeit noch nicht gesagt werden kann, ob er vollständig ist. Nur: Dass Überliefertes von normalen Geschäften überhaupt im Archiv lande, sei eine Besonderheit, sagt Stadtarchivar Christoph Laue. In den meisten Fällen verschwänden die Unterlagen mit den Firmenpleiten. Oder der Nachlass werde in alle Winde verstreut.

Unterlagen aufbewahrt

Warum es beim Wäsche- und Ausstattungshaus Carl Schoneweg anders war, darüber kann der Experte nur spekulieren: Vielleicht habe eine Tochter des Chefs die Unterlagen aufbewahrt. Vergleichsweise wenig ist bisher über das Wäschehaus bekannt. Von 1912 bis 1939 besaß Carl Schoneweg (1884 – 1972) das Geschäft und Haus in der Bäckerstraße 10. Auch vor 1912 wurde an der Adresse offenbar eine vergleichbare Produktpalette angeboten, so Laue. Zwei Geschwister hätten es unter dem Namen Virgine geführt. Heute befindet sich dort ein Optikergeschäft.

Scheidung Grund für Schließung?

Als Spezialität gibt Carl Schoneweg für seinen Laden »vollständige Brautausstattungen« an. Bei den Gründen für die Schließung im Jahr 1939 sind sowohl Schenker Polschinski als auch Beschenkter Laue derzeit auf Mutmaßungen angewiesen. Möglicherweise hänge es mit der Scheidung Schonewegs zusammen, meint Michael Polschinski. Einige Zeit hat er in die Durchsicht der Dokumente investiert und den Eindruck gewonnen, dass es sich bei dem Firmenchef um einen streitbaren Charakter handelte.

Fan der Herforder Geschichte

Um verstehen zu können, was den 53-Jährigen an solchen Nachlässen fasziniert, muss man wohl selbst ein Herz für Lokalgeschichte haben. Doch immerhin wurde ihm ein bisschen Historie in die Wiege gelegt, denn die Mutter Polschinskis besaß ein Antiquitätengeschäft am Janup. Als der Sohn vor drei Jahren alte Fotos für ein Erinnerungsbuch suchte, wurde er zum Herford-Geschichtsfan.

Arbeit im Besucherbergwerk

Ganz fremd war ihm der Blick zurück auch vorher nicht – so arbeitet Polschinski im Besucherbergwerk Kleinenbremen beziehungsweise dem dortigen Museum für Erdgeschichte. Doch was Herford angeht, so interessieren ihn keine Dinosaurier, sondern Spuren des alten Stadtbildes. Im Internet sucht der Stadtgeschichts-Entflammte nach Postkarten und Ansichten, seine Devise lautet: »Wer wissen will, wo wir hingehen, der muss auch wissen, wo wir herkommen.«

Austausch mit anderen Sammlern gewünscht

Von einem Auktionshaus in Hamburg erfuhr Michael Polschinski von der Existenz des Schoneweg-Nachlasses – und schlug zu. Über die Höhe des Kaufpreises schweigt er. Der Sammler interessiert sich besonders für alte Briefe und historische Rechnungen. Einen kleinen Teil des Nachlasses behält er, stellt die Dokumente als Kopien zur Verfügung. Den größten Teil jedoch schenkt er dem Archiv. Der 53-Jährige würde sich gerne mit anderen Herford-Sammlern austauschen. Er kann per E-Mail an mpolschinski@t-online.de oder übers Besucherbergwerk kontaktiert werden.

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