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Pandemie fordert zum Umdenken: TV Elverdissen plant eine E-Sport-Abteilung – drei Spieler erreichen offiziellen DFB-Wettbewerb

Vom Rasen vor den Bildschirm

Herford (WB)

Fußballer des TV Elverdissen haben während der Corona-Pandemie ihr virtuelles Talent entdeckt, gewinnen nicht nur Preise, sondern auch ihren Verein als Fürsprecher.

Lars Sundermann

TVE-Vorsitzende Claudia Kampe und E-Sport-Teamchef Pascal Fleer werben für den E-Sport. Foto: Lars Sundermann

„Als der Kreissportbund vor etwas mehr als einem Jahr Vereine bezüglich möglicher E-Sport-Abteilungen und damit einhergehenden Fördermitteln anfragte, haben wir als TV Elverdissen abgesagt“, gesteht die 2. Vorsitzende, Claudia Kampe.

Doch inzwischen sieht die (Sport-)Welt ganz anders aus. Der TVE möchte in naher Zukunft eine E-Sport-Abteilung gründen. „Wir sind immer offen für neue Ideen – und die Bindung der Mitglieder an die Gemeinschaft im TV Elverdissen steht im Vordergrund“, sagt Kampe. Im Verein werde jeder gebraucht. So hätten ältere oder verletzte Mitglieder die Möglichkeit, weiterhin aktiv am Vereinsleben teilzunehmen.

Dass sich Sportvereine generell dem Digitalen nicht verschließen dürfen, ist Claudia Kampe bewusst: „Wir werden in Kürze ein Video-Analyse-System am Fußballplatz installieren. So können wir junge Sportler besser ausbilden.“

Pascal Fleer, Spieler der 2. Fußballmannschaft, ist Initiator für E-Sport im 110 Jahre alten TVE. „Aufgrund der Pandemie war Fußballspielen mit Freunden nicht mehr möglich. Bei uns in der Mannschaft spielen einige FIFA auf der Konsole und dann haben wir uns einfach mal bei Online-Turnieren in der Umgebung angemeldet.“ Prompt gewann Mitspieler Tobias Schröder eine regionale Europameisterschaft auf der Playstation in Minden und kurz danach übten bis zu sieben TVE-Fußballer regelmäßig das virtuelle Spiel.

„Aktuell treffen wir uns nur digital. Jeder bei sich Zuhause“, sagt Fleer. Dass Heimtraining erfolgreich sein kann, bewies er kürzlich zusammen mit Christoph Kampe und Patrick Rosenhäger. Als Drittplatzierte bei einem Turnier des Fußball- und Leichtathletik-Verbands Westfalen (FLVW) qualifizierten sie sich für den offiziellen E-Pokal des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Mittlerweile sind sie unter den besten 32 XBOX-Teams Deutschlands. „Ab jetzt kommen die Profivereine mit ihren Spielern dazu. Ich bin gespannt, wie wir uns schlagen werden“, sagt Teamchef Fleer.

Im DFB-E-Pokal treten immer zwei Spieler im Wechsel im Best-of-Three-Modus gegeneinander an. Es winken bis zu 25.000 Euro Preisgeld und Plätze im erweiterten Kader der deutschen Nationalmannschaft.

Diese Erfolge ermutigen das TVE-Vorstandsteam, eine eigene E-Sport-Abteilung zu gründen. Die größeren Fußballvereine der Region haben laut Pascal Fleer so etwas noch nicht. Arminia Bielefeld hatte sogar sein E-Sport-Team nach einjähriger Testphase 2020 aufgelöst. „Leider melden sich immer mehr Kinder aus Sportvereinen ab. Am Ende können wir durch digitale Angebote profitieren“, meint Fleer. Die Mischung aus Sport an der frischen Luft – derzeit aus bekannten Gründen nicht möglich – und vor dem Fernseher mache gerade den Reiz aus.

Jugendtrainer Christoph Kampe möchte den E-Fußball in Zukunft mit seiner Mannschaft angehen. Digitale Teamabende und gemeinsame Erfolge sind das Ziel. Ein kleiner Lichtblick in Pandemiezeiten.

Einen Corona-Mitgliederschwund kann Claudia Kampe beim TV Elverdissen nicht erkennen: „Wir gehen mit der Zeit und haben in den vergangenen Jahren viele neue Sportarten mit ins Programm aufgenommen. Investitionen lohnen sich!“ Vereinsmitglied sein, gemeinsam Höhen und Tiefen erleben und das in Zeiten des aktuellen Amateursportverbots – der TV Elverdissen freue sich auf zahlreiche Anmeldungen. Diese dann aber ganz klassisch mit Stift und Papier.

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