1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Herford
  6. >
  7. Was soll da noch schiefgehen?

  8. >

Schornsteinfeger gratulieren zur Geburt – 192 Lebenslichter strahlen in Herford

Was soll da noch schiefgehen?

Herford (WB). Die Aktion ist nicht neu, berührt aber immer wieder die Herzen: 192 Kinder sind in der Adventszeit in Herford geboren worden. Ihnen zu Ehren erstrahlt am Baum der Ravensberger Himmelspforte ein Stern. Am Sonntag sind die neuen Erdenbürger persönlich begrüßt worden – und zwar von ganz besonderen Glücksbringern.

Moritz Winde

Familienfoto an der Himmelspforte: Steffi Knips (28) und Daniel Brünger (26) mit Baby Lina sowie ihren anderen Kindern Finn (9) und Mia (7). In der Adventszeit kamen in Herford 95 Mädchen und 97 Jungen zur Welt. Foto: Moritz Winde

Eigentlich kann in dem Leben dieser Babys ja nichts mehr schiefgehen. Die Lebenslichter – 95 Mädchen und 97 Jungen – wurden sozusagen mit Glück überhäuft. Zwei Dutzend Schornsteinfeger hießen die Wonneproppen und deren Eltern und Geschwister auf dem Alten Markt willkommen. Zu ihnen zählte Steffi Knips mit ihrem Freund Daniel Brünger sowie Baby Lina. „Eigentlich wollten die Ärzte die Kleine schon im November holen. Doch ich wollte unbedingt, dass für sie ein Stern leuchtet“, sagt die 28-Jährige.

Nach kurzer Überlegung mit den Medizinern war klar: Der geplante Kaiserschnitt wird verschoben. So erblickte Lina am 2. Dezember um 8.19 Uhr das Licht der Welt. Wenig später ertönte auf dem Alten Markt und im Marktkauf – der Supermarkt gehört neben der Sparkasse zu den Sponsoren – eine Fanfare und ein roter Stern begann zu leuchten.

Gynäkologin Dr. Claudia Gerlach, Oberärztin im Mathilden-Hospital, sagt: „Eine Geburt ist immer etwas sehr Besonderes, gerade zu Weihnachten. Die Familien können es meist kaum erwarten, auf den Knopf zu drücken und ein Lebenslicht zu entzünden.“ Per ausgeklügelter Technik ist es seit 2013 möglich, aus den beiden Herforder Kliniken die frohe Botschaft in die Innenstadt zu senden – und die Weihnachtsmarktbesucher können sich mitfreuen.

Die Idee dazu hatte Schausteller Björn Laffontien. Obwohl die Aktion mit hohen Kosten und viel Aufwand verbunden sei, soll sie auch 2020 stattfinden. Es sei jedes Jahr aufs Neue eine große Freude. Tanja Feg von der Pro Herford sieht’s genau so und keinen Grund, etwas an dem wohl deutschlandweit einmaligen Konzept zu ändern: „Gerade weil es so emotional ist, funktioniert es. Es wird nicht langweilig.“

Glücksbringerin und Trösterin

Langweilig wird es auch Kira Stork nicht in ihrem Berufsleben. Sie ist eine lebendige Glücksbringerin zum Anfassen. „Berührungsängste darf man in unserem Job nicht haben“, stellt die 22-Jäghrige klar, während ihr erneut ein Wildfremder den Arm tätschelt. Die Faszination vom Glück bringenden Schornsteinfeger ist nach wie vor ungebrochen, wie viele Situationen in der Innenstadt am verkaufsoffenen Sonntag zeigten.

Vor allem ältere Menschen scheinen tatsächlich daran zu glauben, dass die Frauen und Männer in Schwarz das eigene Schicksal positiv beeinflussen. Und nicht nur das: „Manche schütten mir regelrecht ihr Herz aus. Ein Kunde erzählte mir neulich unter Tränen vom Tod seiner Ehefrau. Ich bin also auch so etwas wie eine Trösterin“, sagt Kira Stork.

Ein Problem mit der Popularität hat die Hiddenhauserin nicht – im Gegenteil: Es sei doch toll, dass sich die Leute so freuen. „Welcher Beruf kann das schon für sich in Anspruch nehmen?“ Denn schließlich gibt’s auch von Schornsteinfegern eine Rechnung.

Die Schornsteinfeger-Familie: Michael Avramopoulos mit Frau Iris Endryk und deren Bruder Christian sowie Niko, Lotta und Fenja. Foto: Moritz Winde
Startseite