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Warum die Zahl der Standorte stetig sinkt, aber immer mehr Beschäftigte dort arbeiten

Weniger Apotheken, mehr Personal

Herford (WB). Es klingt paradox, letztlich ist es aber erklärbar: Die Zahl der Apotheken im Kreis Herford sinkt seit Jahren, die Zahl der dort Beschäftigten ist jedoch deutlich gestiegen.

Bernd Bexte

In weniger Apotheken arbeiten mehr Menschen. Foto:

Gab es im Jahr 2008 im Wittekindsland noch 71 Apotheken, so waren es zehn Jahre später nur 54 – ein Rückgang um fast ein Viertel. Die Zahl 54 ist auch im Jahr 2020 noch aktuell. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der in den Apotheken Beschäftigten allerdings um 13,5 Prozent – von 379 auf 430. Das belegen am Dienstag veröffentliche Daten des Statistischen Landesamtes.

Jens Kosmiky hat eine Erklärung: „Das liegt unter anderem an einer höheren Teilzeitquote“, sagt der Apotheker aus Enger. Dort hat er zwei Niederlassungen, hinzu kommen jeweils Standorte in Herford (Berliner Straße) und in Oetinghausen (Wittekind-Apotheke). Neuerdings ist er auch Öffentlichkeitsbeauftragter seiner Zunft im Kreis Herford.

Mehr Verwaltungsarbeit

„Die Beschäftigten in den Apotheken sind zum großen Teil Frauen und viele wiederum möchten verstärkt in Teilzeit tätig sein“, sagt der Chef von etwa 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Somit habe sich die Zahl der Köpfe spürbar erhöht, die der Stellen aber längst nicht im gleichen Maße. „Bei den Älteren ist es häufig so, dass sie etwas kürzer treten möchten, bei den Jüngeren spielt die sogenannte Work-Life-Balance eine immer größere Rolle, also der Ausgleichen zwischen Beruf und Freizeit“, sagt Kosmiky. Aber das sei es nicht allein. „Die Verwaltungsarbeit nimmt immer mehr Raum ein, dafür braucht man schon mehr Personal.“

Nachwuchssorgen

So sieht man es auch bei der Apothekerkammer Westfalen-Lippe. „Die Arbeit wird immer komplexer“, sagt Sprecher Sebastian Sokolowski. In einer insgesamt alternden Gesellschaft nähmen immer mehr Menschen immer mehr Medikamente. „Und dadurch erhöht sich der Beratungsbedarf bezüglich möglicher Wechselwirkungen.“ Aber auch allgemein steigende Verwaltungsaufgaben führten zu Mehrarbeit. Die Branche selbst kämpfe um Nachwuchs. „Da haben wir ähnlich wie bei den Hausärzten ein Problem.“ Kammer und Apothekerverband fordern unter anderem einen weiteren Standort für eine Pharmazie-Fakultät, etwa in Bielefeld.

Mit der allgemeinen Entwicklung liegt der Kreis Herford übrigens im Landestrend. NRW-weit machte seit 2008 fast jede fünfte Apotheke dicht, die Zahl der Beschäftigten stieg um 13 Prozent.

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