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Obsthof Otte im Winter: Richtiger Schnitt soll effiziente Ernte ermöglichen

Wenn Apfelbäume unter Krebspilz leiden

Hiddenhausen (WB).

„Wenn wir nicht ernten, dann beschneiden wir.“ Auch außerhalb der Erntesaison ist auf dem Hiddenhauser Obsthof von Karsten Otte viel zu tun.

Daniela Dembert

Foto:

Zwei- bis dreimal pro Jahr werden die etwa 70.000 Obstbäume beschnitten – unter unterschiedlichen Aspekten. Beim Wuchs- oder Erziehungsschnitt werden die Gehölze in die gewünschte Form gebracht, mit dem Hygieneschnitt wird für die Gesundheit gesorgt.

„Schlanke Spindel“ nenne sich die Form, die in seinen Apfelplantagen angestrebt werde, erklärt Otte. Um die Ernte effizient durchführen zu können, sollten die Bäume nicht höher als etwa 3,50 Meter werden. Zudem wird darauf geachtet, dass die Pflanzen nicht zu sehr in die Breite gehen. Ein zu dichter Bewuchs begünstigt zum einen Pilzbefall, zum anderen „ist Licht der kostengünstigste Produktionsfaktor“, wie der Obstbauer erklärt. Denn der Lichteinfall sei nicht nur für das Reifen von Früchten wichtig, er sei maßgebend für die Blütenbildung.

Neben viel Licht ist ausreichende Belüftung wichtig, damit Mehltau und Schorf keine Chance haben. Das gilt übrigens auch in privaten Obstgärten und geht nicht immer mit der Vorstellung des Hobbygärtners vom massiven, hängemattentauglichen Obstbaum mit mächtiger, naturbelassener Schattenspenderkrone mit reichem Fruchtbehang konform. Der Winterschnitt kann auch bei Kälte bedenkenlos durchgeführt werden. Otte: „Kritisch wird es unter minus fünf Grad. Frische Schnittstellen können dann verfrieren.“

Um das Wachstum eines Apfelbaumes anzuregen ist jetzt ein guter Zeitpunkt. Je weiter man das Schneiden gen Frühjahr schiebt, desto weniger stark wird der Wuchs gefördert. Interessant ist diese Tatsache nicht zuletzt bei Bäumen, die sich in der Alternanz, also in einem Jahr mit weniger Ertrag befinden. Je nach Wunsch kann in diesen Jahren der Fokus auf das Wachstum gelegt oder durch einen späten Schnitt die Blütenbildung unterstützt werden.

Eine weitere wichtige Behandlung ist der Hygieneschnitt, bei dem es darum geht, von Krebspilz und/oder Mehltau befallene, kranke Stellen an Rinde und Ästen zu beseitigen. Infizierte Zweige werden abgeschnitten, schadhafte Stellen heraus gefräst. „Man sollte darauf achten, den Krebsschnitt nicht zeitgleich mit dem Erziehungsschnitt durchzuführen, um den Pilz nicht mit dem Werkzeug weiterzutragen und gesunde Bäume zu infizieren“, mahnt Otte.

Im Anfangsstadium ist der Obstbaumkrebs für den Laien nicht immer leicht zu erkennen. Erfahrung hat Karsten Ottes Auge geschult – und nach wie vor legt der Obstbauer beim Schnitt gern persönlich Hand an. Schneidet man die Geschwüre sorgfältig und vollständig aus Rinde und Holzgewebe heraus, ist der Pilz recht gut zu behandeln. Um auf Nummer Sicher zu gehen, setzt Karsten Otte Kupfer „in homöopathischen Mengen“ ein, um das Infektionsrisiko zu verringern. „Das ist sowohl im konventionellen wie im Ökoanbau erlaubt.“ Prognose für das Apfeljahr 2021? „Das ist ein Blick in die Glaskugel!“

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