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Hans-Joachim Kleimann ist Spezialist für Pflanzen-Importe aus Japan

Wenn Bäume in Quarantäne kommen

Herford (WB). Die japanische Gartengestaltung hat es Hans-Joachim Kleimann angetan. Deshalb ist sein Betrieb auf Bonsai und Formgehölze spezialisiert. Allerdings ist so ein Import mit strengen Auflagen verbunden.

Sophie Hoffmeier

Zügig müssen die Pflanzen aus dem kühlen Container in die Halle umgeladen werden. Foto: Sophie Hoffmeier

Ein großer Container steht vor dem Gelände von Kleimann Gartengestaltung am Wullbrinkholzweg 120 in Herford. Er kommt aus Japan und enthält für die Familie Kleimann eine kostbare Fracht: 24 Pflanzen und zwei Steinlaternen.

Das Ausladen muss schnell gehen, denn die Temperaturen sind ungewöhnlich hoch für diesen Frühling. Die Pflanzen wurden im japanischen Winter auf die Reise geschickt, waren vier Wochen unterwegs. Sie kommen nun direkt aus der Kühlung und sind an eine Temperatur von fünf Grad gewöhnt.

Jede Pflanze hat ein Gesundheitszeugnis aus fälschungssicherem Papier

Bis zu fünf Container kommen im Jahr an, alle ausschließlich zwischen November und März. Dann befinden sie sich die Pflanzen in der so genannten Vegetationsruhe und können langfristig gelagert werden. Nach dem Ausladen bringt das Team sie direkt die große Halle, damit sie nicht zu lange der Sonne ausgesetzt sind.

Manfred Buren vom Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer NRW ist bereits auf dem Weg dort hin. Er muss Bodenproben entnehmen, um zu gewährleisten, dass keine Krankheiten mitgebracht wurden. »Sonst müssten die Pflanzen verbrannt werden«, erklärt Kerstin Kleimann das Protokoll. Zum Glück sei das noch nie vorgekommen, die Folge wäre ein großer finanzieller Verlust.

Bis zu ihrer Freigabe dürfen die Importe keinen direkten Kontakt zu deutschem Boden haben. Der Gartenbetrieb ist genehmigt als amtlicher Kontrollort im Binnenland. Dafür verfügt er über ein spezielles Quarantänehaus, das jede Woche kontrolliert wird. Jede Pflanze hat ihre eigenen Auflage und jedes Exemplar verfügt über ein eigenes Gesundheitszeugnis aus fälschungssicherem Papier. Eine entsprechende Nummer wird jeweils an einem Ast befestigt.

»Japaner ziehen die Pflanzen ganz anders.«

Nach den ersten Kontrollen durch Manfred Buren brauchen die japanischen Exporte viel Feingefühl und die richtige Pflege. »Ob alles funktioniert hat, wird sich erst in einem halben Jahr zeigen«, erklärt Hans-Joachim Kleimann.

Seine Japan-Passion entwickelte sich 2001 bei seinem ersten Aufenthalt dort. »Ich war von der Pflege der Gärten so fasziniert, dass ich mich mehr damit beschäftigen wollte. Japaner ziehen die Pflanzen ganz anders.«

Der Gärtnermeister hat Japanisch in Wort und Schrift gelernt, um Verhandlungen führen zu können. »Kaufen könnte ich die Pflanzen wohl noch auf Englisch aber bei Reklamationen, da würde es anders nicht gehen.«

Im Sommer 2012 hat er sich von dem elterlichen Betrieb, der Baumschule Kleimann in Bad Salzuflen, losgelöst. Seitdem vertreibt er die japanischen Importe nach ganz Deutschland und in die Nachbarländer, wo sie meist als Dekoration für Koi-Teiche dienen. Bis die Exemplare aus dem neuen Container einen Garten schmücken, dauert es noch eine Weile. Die kleinen Kiefern und Wacholder müssen noch bis zu drei Monate in Quarantäne bleiben.

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