1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Herford
  6. >
  7. Wenn die Afrikanische Schweinepest kommt

  8. >

Krisenstab übt Ernstfall in Herford – gravierende Auswirkungen

Wenn die Afrikanische Schweinepest kommt

Herford (WB). Das Szenario: Spaziergänger haben am Vlothoer Winterberg ein an der Afrikanischen Schweinepest verendetes Wildschwein gefunden. Was das für den Kreis Herford bedeuten würde, spielte gestern ein Krisenstab durch.

Bernd Bexte

Die Afrikanische Schweinepest – für Menschen ist sie ungefährlich – verläuft bei den Tieren im Regelfall tödlich. Foto: dpa

Die Gefahr ist realistisch und die Folgen wären gravierend: »Es ist wahrscheinlich, dass die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland kommt«, sagt Kreisveterinär Dr. Reinhard Zwingelberg. In Osteuropa und zuletzt auch erstmals in Belgien grassiere das für Menschen ungefährliche Virus, gegen das es keine Impfung gibt. »Allein seit Jahresbeginn hat sich europaweit die Zahl der Neuinfektionen auf etwa 200 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verdoppelt.« Die A2 als wichtige Ost-West-Verbindung erhöht das Risiko für den Kreis Herford. Schon ein weggeworfenes Butterbrot eines Fernfahrers – das Virus hält sich in Rohwurst – könnte für eine Übertragung der Schweinepest auf Wildschweine sorgen.

Gefahr für 120.000 Hausschweine

Unter Leitung von Zwingelberg übten gestern – wie übrigens in ganz OWL – Mitarbeiter der Kreisverwaltung mit Vertretern der Land- und Forstwirtschaft, der Jäger, Naturschützer und der Feuerwehr den Ernstfall in einem eigens eingerichteten Krisenstabsraum in einem Sitzungssaal des Kreishauses. Zentral ist das Bemühen, eine Übertragung des Virus auf Hausschweine zu verhindern. Denn die wirtschaftlichen Folgen einer Einschleppung wären für die Schweinehalter verheerend: Immerhin 120.000 Tiere stehen in den Ställen im Kreis Herford.

Im Krisenfall würde eine sogenannte Restriktionszone mit einem Zehn-Kilometer-Radius rund um die Fundstelle eingerichtet. »Dies ist aber kein kreisrundes Gebiet. Wir berücksichtigen die Zugwege der Wildschweinrotten, etwaige Futterplätze oder trennende Verkehrswege«, erläutert Kreisdezernent Norbert Burmann. Viehtransporte in und aus der Zone würden zunächst eingeschränkt, Jogger, Hundehalter und Pilzsammler müssten die Zone meiden. »Es könnte sogar sein, dass wir das Gebiet einzäunen, damit weitere infizierte Tiere das Virus nicht weitertragen können«, erklärt Zwingelberg.

200 Kilometer Zaun

Das Land hat dazu mit Landwirtschaft und Jagdverband im Januar die Wildtierseuchenvorsorgesellschaft gegründet. »Die könnte uns im Ernstfall mit Material und Personal unterstützen.« Bis zu 200 Kilometer Elektrodrahtzaun (1,50 Meter hoch) stünden zur Verfügung. Die Wildschweine in dem eingezäunten Gebiet würden dann bejagt.

Doch wie den Zugang zu einer Restriktionszone überwachen? »Das wissen wir auch noch nicht genau. Im Zweifel müssten wir Leute an die Zufahrtsstraße stellen«, sagt Burmann. Auch um solche Fragen zu klären, diene die Übung. Wer ein totes Wildschwein findet, sollte es umgehend dem Landesumweltamt melden, Tel. 0201/714488.

Startseite