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Kurz vor dem Herforder Hoekerfest: Food-Truck nicht fertig – Gastronom springt ab

Wer kocht auf dem Neuen Markt?

Herford (WB). So etwas hat es wohl in 45 Jahren Hoekerfest noch nicht gegeben: Eine Woche vor der Eröffnung der Stadt-Party ist unklar, wer das Catering auf dem Neuen Markt übernimmt. Der Stand sei nicht fertig gebaut, der Gastronom abgesprungen, sagte Pro-Herford-Chef Frank Hölscher bei der Programmvorstellung.

Der Neue Markt gehört beim Hoekerfest zu den beliebtesten Plätzen. Bleiben die Teller in diesem Jahr leer? Noch zumindest ist kein neuer Gastronom gefunden. Foto: Moritz Winde

Fertigstellung sollte im April sein

Wer kocht auf einem der Top-Plätze, wenn sich an fünf Tagen geschätzt bis zu 150.000 Besucher in der Innenstadt drängen? Frank Hölscher hatte gestern Mühe, seinen Ärger über diese unbeantwortete Frage runterzuschlucken. »Bei der Planung eines solchen Festes gibt es viele Unwägbarkeiten. Aber mit so etwas habe ich nicht gerechnet. Es ist sehr schade und unglücklich gelaufen.«

Kommentar

Klar: Hinterher ist man immer schlauer. Die Pro Herford muss sich aber fragen lassen, ob sie nicht zu blauäugig an die Sache herangegangen ist. Immerhin geht es nicht um einen kleinen Kindergeburtstag, sondern um das größte Fest im Kreis.

Da wirkt es doch recht unprofessionell, wenn eine Woche vor der Eröffnung nicht feststeht, wer auf einem der wichtigsten Plätze die Gäste verköstigt. Wie kann eine Koch-Station fest eingeplant werden, die nur auf dem Papier existiert? Bereits im April stand ja offenbar fest, dass es Verzögerungen beim Bau des Wagens gibt. Spätestens da hätten sich Hölscher und Co. Gedanken über einen Plan B machen müssen.

Im Programmheft wird der Neue Markt mit »kulinarischen Leckerbissen« beworben. Bleibt zu hoffen, dass dieses Versprechen doch noch wahr wird.

Wie konnte es dazu kommen? Hölscher sagte, der Bau einer Koch-Station in Form einer Fabrik sei nicht rechtzeitig fertig gestellt worden, obwohl dies von einem heimischen Schausteller versprochen worden sei.

Eigentlich hätte der hochmoderne Imbiss-Wagen bereits im April ausgeliefert werden sollen. Der Food-Truck sollte mit allem ausgestattet werden, was Koch-Herzen höher schlagen lässt – von Kühlmöglichkeiten, über Herde bis zu Fernsehern an den Wänden.

Gastronom: »Tut mir echt leid«

Doch das ausführende Unternehmen aus Leipzig schiebt diese Sonderanfertigung offenbar auf die lange Bank. »Das ist eine Katastrophe und tut mir echt leid. Weil die Infrastruktur nun nicht mehr vorhanden ist, kann ich diese Aufgabe nicht übernehmen. So kurzfristig habe ich keine Chance zu reagieren. Ich kann mich schließlich nicht mit einem Zelt auf den Neuen Markt stellen. Und mein Restaurant muss auch weiter laufen«, sagt der Gastronom, der namentlich nicht genannt werden möchte. Gemeinsam mit dem Schausteller wollte er die Fest-Besucher verköstigen.

Ob und wer für diesen spontanen Ausfall haftbar gemacht werden kann, dazu wollte sich Frank Hölscher nicht konkret äußern. Nur so viel: »Wir werden natürlich prüfen, inwieweit Verträge nicht eingehalten worden sind. Das hat aber nicht Priorität und hilft uns akut überhaupt nicht weiter.«

Jetzt will die Stadtmarketing-Gesellschaft zunächst alles daran setzen, diese kulinarische Lücke zu schließen – und zwar mit einer Gastronomie, die »unseren Ansprüchen genügt«, wie Hölscher betont. Das heißt: Bratwurst und Pommes soll es auf dem Neuen Markt nicht geben, stattdessen haute Cuisine.

Fest kostet 160.000 Euro

Das Problem: Die Zeit drängt. So kurz vor dem Fest sei es natürlich sehr schwierig, passenden Ersatz zu finden. Hölscher: »Die Gespräche laufen. Noch ist aber nichts spruchreif.« Zur Not bestehe die Möglichkeit, Caterer von anderen Plätzen zu einem Umzug auf den Neuen Markt zu bewegen.

Seit langem versuchen die Party-Macher den Platz zwischen Lübberstraße und Höckerstraße kulinarisch aufzuwerten und ihm damit ein Alleinstellungsmerkmal zu verleihen. Frank Hölscher hatte in der Vergangenheit des Öfteren von entsprechenden Überlegungen gesprochen.

Jetzt muss sich der Geschäftsführer der Stadtmarketing-Gesellschaft darum kümmern, dass dort überhaupt etwas auf den Teller kommt. »Das kostet uns zusätzlich Zeit, Nerven und Geld.« Nach Hölschers Angaben investieren die Pro-Herford-Mitarbeiter 1000 Arbeitsstunden in das 160.000 Euro teure Fest.

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