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Herforder Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Unterschlagung

Werkstatt dicht: Rentner kommt nicht an seine Reifen

Herford (WB). Weil die Kfz-Werkstatt »Autoteile Herford« an der Ahmser Straße plötzlich über Nacht dicht war, kommen mehrere Kunden nicht mehr an ihre Sommerreifen. Die Kripo ermittelt wegen des Verdachts der Unterschlagung.

Moritz Winde

Leopold Kuck steht vor der geschlossenen Werkstatt »Autoteile Herford« an der Ahmser Straße. Hier lagern seine Sommerreifen samt Alufelgen. Deshalb muss der Rentner mit seinem Mitsubishi nach wie vor auf Winter-Pneus fahren – bei 32 Grad Celsius. Foto: Moritz Winde

»Ich will mein Eigentum wieder haben«

Leopold Kuck ist stinksauer. Zunächst hielt er das Ganze für einen Scherz. Inzwischen ist dem Herforder das Lachen jedoch vergangen. Als er Anfang Mai seine Reifen umstecken lassen wollte, stand er vor verschlossenen Türen. »Am Eingang hing ein Zettel. Darauf stand, die Leute können sich bei Fragen zu Ersatzteilen an die Filiale in Bad Salzuflen wenden«, sagt der Rentner.

Hilfreich war diese Botschaft für den 72-Jährigen nicht. Denn seine Sommerreifen samt hochwertiger Alufelgen sind in der Herforder Werkstatt eingelagert, für die sich nun offenbar niemand mehr verantwortlich fühlt. »Vier Wochen habe ich mir die Finger Wund telefoniert. Doch keiner kann oder will mir helfen. Immer wurde ich vertröstet. Ich weiß nicht, was da abgelaufen ist. Es ist mir auch egal. Ich will nur endlich mein Eigentum wieder haben.«

So wie Leopold Kuck ist es mehreren Kunden ergangen. Polizeisprecher Steven Haydon sagt, in diesem Fall seien inzwischen sechs Anzeigen eingegangen. Auf den Stand der Ermittlungen will er nicht näher eingehen.

Wer hat einen Schlüssel?

Der ehemalige Kfz-Meister hat mittlerweile gemeinsam mit dem Ex-Geschäftsführer in Herford einen Betrieb in Eigenregie eröffnet. Bei »Autoteile Herford« waren sie lediglich Angestellte. Er bezieht im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT zu den Vorwürfen Stellung: »Ich kann den Ärger der Kunden nachvollziehen. Aber: Wir haben fristgerecht gekündigt. Selbst wenn wir einen Schlüssel hätten, dürften wir die Reifen nicht herausgeben.« Als Grund für die Kündigungen nannte er Differenzen mit dem Gesellschafter. Der habe alle Veränderungen abgelehnt. »Irgendwann hatten wir keine Lust mehr, uns herumkommandieren zu lassen«, sagt der Kfz-Meister. Gerüchten zufolge, wonach der im Jahr 2015 gegründete Betrieb pleite gewesen sein soll, widerspricht er entschieden: »Wir hatten immer reichlich zu tun.« Er schätzt, dass in der Werkstatt noch bis zu 20 Reifensätze von Kunden lagern.

Der Gesellschafter will sich mit Hinblick auf »ein laufendes Verfahren« nicht konkret äußern. Er sagt nur so viel: »Die Situation ist für alle Beteiligte unbefriedigend. Fakt ist, dass die Schlüsselfrage nicht geklärt ist.«

Leopold Kuck muss trotz Hochsommers also weiter mit Winterreifen herumfahren. »Wenn sich bis Ende der Woche nichts tut, schalte ich einen Anwalt ein.«

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