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Botanikerin Anna Brennemann betreut das Naturschutzgebiet Füllenbruch

Wertvolles Biotop mit feuchten Wiesen

Hiddenhausen (WB). Auf 138 Hektar erstreckt sich das Naturschutzgebiet Füllenbruch entlang des Düsedieksbachs von Oetinghausen bis Sundern. Wo einst Bruchwald der Landwirtschaft weitestgehend weichen musste, hat sich ein Biotop entwickelt, das vor allem Vögeln und Insekten attraktiven Lebensraum bietet.

Daniela Dembert

Vom Bruchwald zum Wiesental: Anna Brennemann betreut als wissenschaftliche Mitarbeiterin das Naturschutzgebiet Füllenbruch. Foto: Daniela Dembert

Die etwa einen Kilometer breite und drei Kilometer lange Senke bietet ideale Voraussetzungen für eine Reihe feuchtliebender Kräuter, weiß Botanikerin Anna Brennemann. Seit einem Jahr betreut sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Biologischen Station Ravensberg das Naturschutzgebiet. Zwar sei der Düsedieksbach – ein Nebenarm der Werre – im Zuge der landwirtschaftlichen Nutzung einst begradigt worden, trotzdem sei das Biotop zwischen Herford und Hiddenhausen durch die nach wie vor sehr feuchten Wiesen besonders.

Rohrweihe und Kiebitz haben hier gebrütet

Wiesenvögel, Bodenbrüter und Greifvögel finden hier Nahrung. »In diesem Jahr hat die Rohrweihe hier gebrütet, aber auch drei Kiebitzpaare haben im Füllenbruch genistet, und drei Junge sind flügge. Die Gelege haben wir erstmalig mit einem kleinen Zaun vor Räubern geschützt«, erzählt Brennemann. Nachtigall, Kuckuck, Falke, Grau-und Silberreiher fühlen sich ebenfalls heimisch.

Das Offenlandgebiet ist durchsetzt von Schilfbereichen, die Vögeln wie dem Sumpfrohrsänger und der Sumpfmeise ein Habitat bieten. Schmale Busch- und Baumreihen sind Deckungsbereiche für Niederwild. Fuchs und Hase sagen sich hier gute Nacht.

Von Kuckuckslichtnelke bis Mädesüß

Die im Zuge der extensiv betriebenen Landwirtschaft nur selten gemähten Wiesen sind reich an Kräutern wie der Sumpfdotterblume, Kuckuckslichtnelke, Mädesüß, Jakobsgreiskraut, Sumpfvergissmeinnicht, die von Schmetterlingen und anderen Insekten bevölkert werden. »Im Sommer ein farbenfroher Hingucker, in dem es auch ordentlich summt.« Im Frühjahr und Sommer ist Brennemann vor allem mit der möglichst genauen Kartierung der Vegetation beschäftigt. Diese ist wichtig, um die Entwicklung der Naturschutzgebiete zu dokumentieren und etwaige Maßnahmen zu eruieren.

Gehölz von Kopfweiden dominiert

Das wenige Gehölz ist von Kopfweiden dominiert. Waren diese Bäume einst als Nutzpflanzen zur Gewinnung von Weidenruten für die Korbflechterei von Bedeutung, sind sie heute als Lebensraum von Vögeln, Insekten, Pilzen und Pflanzen interessant. »Die Weiden sind von sehr hohem ökologischen Wert. Im Totholz der Köpfe siedeln sich Insekten an, die den Vögeln in den Kronen als Nahrung dienen. Auch Pilze gedeihen im Totholz und manchmal wachsen dort aus Samen auch neue Pflanzen – zum Beispiel eine Himbeere«, erklärt Brennemann.

Obstbäume werden gepflanzt

Damit die Weiden unter dem Gewicht ihrer Köpfe nicht brechen, müssen sie alle vier bis sechs Jahre beschnitten werden. Das führt die Biologische Station von Oktober bis Februar mit Hilfe Freiwilliger durch. Hinzu kommt in Herbst und Winter die Beseitigung ungeliebter Pflanzen. »Herkulespflanzen werden ausgegraben und Staudenknöterich regelmäßig gemäht«, sagt Brennemann. Auch seien die Schilfinseln des Füllenbruchs in den vergangenen zwei Sommern trocken gefallen, was zu einem vermehrten Weidenbewuchs geführt hat, den es einzudämmen gilt.

Bei Gebietsbegehungen wird zudem auf Müllablagerungen und die Verkehrssicherheit der Gehölze geachtet. Mit jungen Leuten im Bundesfreiwilligendienst pflanzt die Biologische Station Obstbäume und stellt Storchennester auf.

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