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Weil die Tiere den natürlichen Weg nicht mehr schaffen, hilft der Herforder Angelsportverein nach

Wie der Aal ins Hücker Moor kommt

Spenge (WB). Wer hierzulande einen Aal angeln möchte, wird nur noch dann Erfolg haben, wenn er vorher etwas nachhilft. Genau deshalb hat der Angelsportverein Herford in diesen Tagen gut 400 junge Exemplare dieses beliebten Speisefisches im Hücker Moor ausgesetzt. In gut ein bis zwei Jahren sollen sie groß genug sein, um einen guten Fang abzugeben.

Peter Monke

Glitschige Angelegenheit: 400 junge Aale hat der Herforder Angelsportverein im Hücker Moor ausgesetzt. Die Tiere wurden in großen Tüten angeliefert und dann von Vereinsmitgliedern vorsichtig ausgewildert. In ein bis zwei Jahren sind sie groß genug, um geangelt zu werden. Foto: Peter Monke

Die Aktion ist aber auch ein wichtiger Beitrag zur Gewässerpflege und zum Artenschutz. „Der Angelsportverein kümmert sich seit Jahren darum, dass der Fischbesatz im Hücker Moor möglichst ausgewogen ist“, erklärt der Vorsitzende Udo Vorfeld. Angestrebt werde ein Gleichgewicht von Weißfisch und Raubfisch. Das erfordere eine sehr weitsichtige und vorausschauende Planung – die auch ins Geld geht: Etwa 2000 Euro investiert der Angelsportverein pro Jahr für den Fischbesatz.

Turbinen als tödliche Hürden

Der Aal ist dabei ein besonders wichtiges Projekt. Denn ohne Hilfe käme er höchstwahrscheinlich gar nicht mehr im Hücker Moor vor. „Die Laichgebiete der Aale liegen im Atlantik, genauer gesagt in der Sargassosee nahe der Bahamas“, erzählt Vorfeld. Drei Jahre bräuchten die Larven um die gut 6000 Kilometer von dort bis zu den europäischen Flussmündungen zurückzulegen.

„Als so genannte Glasaale werden sie dann dort in Massen abgefischt und gehen in den Export – vor allem nach Asien“, sagt Vorfeld. Ein Teil lande aber auch in Fischfarmen, um dort aufgepäppelt zu werden – gefördert mit staatlichen Geldern.

Und genau solche Exemplare werden dann im Hücker Moor ausgesetzt. Die natürliche Wanderung der Fische durch die Flüsse gibt es dagegen fast gar nicht mehr: Umweltverschmutzung und Gewässerverbauung machen den Tieren schon lange das Leben schwer. Vor allem die Turbinen von Wasserkraftwerken stellen tödliche Hürden dar.

Aale sind nachtaktiv

Die künftigen Bewohner des Hücker Moores hatten mehr Glück: In großen Tüten werden die Farmaale angeliefert und dann ganz vorsichtig in ihre neue Heimat ausgewildert. Die kleinsten Exemplare bringen um die 50 Gramm auf die Waage, die größten wiegen bereits gut 200 Gramm.

„Das sind richtig kräftige, gesunde Tiere“, lobt Vorfeld. Eine Weile sind sie noch zu sehen, dann verkriechen sie sich im Schlamm. Nur die Köpfe schauen noch heraus. „Aale sind vor allem nachtaktiv. Mit der Dämmerung fangen sie an, auf die Jagd zu gehen“, erklärt Vorfeld.

Wer einen Aal angeln will, muss übrigens nicht unbedingt Mitglied im Herforder Angelsportverein sein, dessen Vereinsgewässer das Hücker Moor ist. Wer einen Fischereischein hat, kann auch online eine Angelkarte erwerben (www.hejfish.com).

Für jeden Angler gilt jedoch folgende Regel: Hat der Fisch nicht ein bestimmtes Mindestmaß, muss er zurück ins Wasser gesetzt werden. Das Mindestmaß beim Aal liegt bei 50 Zentimetern.

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