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Herforder Dealer-Trio packt aus – gefälschte Kundenbewertungen im Netz gekauft

Wie eine Altstadtwohnung zum Drogenbunker wurde

Herford (WB)

Sie haben kiloweise Heroin, Kokain und so ziemlich alle anderen gängigen Drogen im Darknet verkauft. Zentraler Umschlagplatz war eine Wohnung in der Straße Mausefalle zwischen Münsterkirche und Alter Markt.

Bernd Bexte

In einer Wohnung in der Straße Mausefalle wurden von August 2019 bis Februar 2020 kiloweise harte Drogen gelagert und von dort versandt. Um sich gegen einen befürchteten Diebstahl zu wappnen, lag ein Revolver griffbereit im Kleiderschrank. Foto: Bernd Bexte

Wie die Geschäfte abgewickelt und getarnt wurden, warum die Wohnung kameraüberwacht war und ein Revolver griffbereit im Schlafzimmerschrank lag – das erläuterten der „Kopf“ der Bande und sein Komplize vor dem Landgericht Bielefeld.

Der dritte Angeklagte (28), offenbar ein Mitläufer, der nur Beihilfe leistete, will am nächsten Verhandlungstag ein Geständnis ablegen. Dafür können alle Drei mit einem Strafrabatt rechnen.

Der 31 Jahre alte Drahtzieher war selbst Drogenkonsument. Seinen „Stoff“ bezog er von einem Mann aus Holland, der ihm vorschlug, selbst als Dealer über das Darknet tätig zu werden, „so wie einer von Tausenden“, erklärte der 31 Jahre alte Herforder vor Gericht. Der Holländer, der unter dem Pseudonym „Butter“ agierte und gegen den in seiner Heimat ein Verfahren läuft, belieferte ihn auf Kommission. „Ich habe ihn nur einmal getroffen. Wir haben uns aber regelmäßig über Chats ausgetauscht. Er hat mir auch Fotos von seinen Kindern geschickt oder wie er seinen Garten umgestaltete.“

Der Herforder baute sich im Darknet einen Kundenstamm auf – über seine selbst erstellte Plattform Combi.org. Zunächst machte er dies vom heimischen Keller aus, später mietete er einen Lagerraum. Als das Geschäft zu florieren begann, engagierte er einen Bekannten. Dessen Wohnung an der Schobeke wurde Drogenbunker und Versandstation. Gegen diesen Komplizen läuft ein gesondertes Verfahren.

Als er mit dessen Arbeit nicht mehr zufrieden war, tauschte er ihn gegen den jetzt mitangeklagten Herforder (30) aus, der seine Wohnung an der Mausefalle für die Dealerei zur Verfügung stellte. „Er hatte noch Drogen-Schulden bei mir, so konnte er sie abarbeiten.“

Und weil Einbrecher zwischenzeitlich sein Drogenlager geplündert hatten, „habe ich mir einen Revolver besorgt“. Den gab er seinem Komplizen, der ihn griffbereit im Kleiderschrank lagerte. Denn über Kontakte in der Szene habe er erfahren, „dass ich noch mal bestohlen werden sollte“.

Die kiloweisen Drogenlieferungen aus Holland – „wir bekamen immer mehr, als wir verkaufen konnten“ – nahm er aber immer selbst in Empfang und brachte sie zur Mausefalle. „Denn in den Paketen war meine Bezahlung in Bargeld.“ Anfangs seien es monatlich 5000 Euro gewesen, später dann doppelt so viel. Die Drogengeschäfte selbst wurden mit Bitcoin abgewickelt, die Einnahmen nach Holland transferiert.

Bei größeren Drogenbestellungen wurden die Sendungen getarnt, etwa in Wasserkochern oder Bauchtaschen, und mit Absenderadressen namhafter Hersteller versehen. „Außerdem kann man Pakete besser nachverfolgen. Da kann niemand sagen, er habe seine Bestellung nicht erhalten.“

Um seine Plattform in der Szene bekannt zu machen, habe er anfangs 1000 gefälschte positive Kundenbewertungen im Netz gekauft. Die Wohnung seines Kompagnons, der dort alleine wohnte, habe er mit einer Kamera überwacht. „Er hatte Umgang mit Leuten, die mir nicht gefielen, da wollte ich auf Nummer sicher gehen.“ Sein Komplize habe von der Kamera gewusst.

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