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Polizei findet keine Einbruchsspuren – Stadt Herford stellt Strafanzeige gegen Randalierer

Wie kam die Antifa ins HudL?

Herford (WB). Krisensitzung im HudL: Am Tag nach den turbulenten Ausschreitungen vor der AfD-Versammlung stellt sich die Frage, wie die 32 Demonstranten der Antifa ins Haus gekommen sind.

Bärbel Hillebrenner und Moritz Winde

Mitglieder der Antifa hatten sich aus Protest gegen die AfD an das eiserne Treppengeländer im Bürgerzentrum gekettet. Sie wehrten sich heftig gegen die Räumungsaktion der Polizei. Drei Beamte wurden dabei leicht verletzt. Foto:

Mittwochmorgen, 8.30 Uhr: Das Bürgerzentrum öffnet wie jeden Tag. Der erste Blick: Nichts ist kaputt gegangen, nur einzelne Gegenstände etwas verrückt worden. Fast sieht es im HudL so aus, als hätte es die lautstarken Proteste der Linksautonomen gegen die AfD-Versammlung und die heftigen Widerstände gegen den Polizeieinsatz nicht gegeben. Und doch ist die Aktion Gesprächsthema Nummer eins!

Alle Türen waren verschlossen

»Keiner hat doch damit gerechnet, dass sich die jungen Leute hier im Treppenhaus anketten würden. Wie sind die nur reingekommen?«, fragt Birgit Dohte, die Leiterin des HudL-Cafés. Obwohl das Café bis 17.30 Uhr geöffnet hat, habe sie am Dienstag bereits eine halbe Stunde früher abgesperrt. »Alle Türen waren verschlossen. Ich habe alles kontrolliert, vom Dach bis zum Keller. Selbst hinter das Klavier habe ich geschaut«, sagt Birgit Dohte.

Einbruchsspuren wurden an dem Abend der Protestaktion nicht entdeckt, das hatte die Polizei überprüft. Allerdings: Jede Gruppe des Bürgerzentrums hat Schlüssel. »Die gibt aber doch niemand raus«, ist sich die Café-Leiterin sicher. Die Polizei vermutet, dass sich die Randalierer vorher organisiert und im Haus gut versteckt hätten. Die Stadt gab keinen Kommentar dazu ab, ob und wie man den Zutritt der Antifa untersuchen will.

Aggressionen nehmen zu

Herfords Wachleiter Rainer Koch leitete den abendlichen Einsatz. Am Morgen danach sprach der 60-Jährige von einer brenzligen Situation, mit der die Polizei nicht gerechnet habe. »Wir waren überrascht. Es waren viele professionelle Antifa aus dem Ruhrgebiet dabei. Die haben uns betrampelt, beleidigt und verletzt. Ich denke, wir müssen uns bei zukünftigen politischen Auseinandersetzungen auf eine höhere Stufe der Aggression einstellen.«

Koch sagte, dass man wiederholt versucht habe, die 32 Demonstranten zur Räumung des Treppenhauses zu bewegen. Doch weder auf die Worte von Vertretern der Stadt, noch der Linken-Bundestagsabgeordneten Inge Höger oder der Polizei habe die Antifa reagiert. »Wir haben Langmut bewiesen. Zum Schluss mussten wir das Hausrecht durchsetzen«, sagt Rainer Koch.

Verfahrensvergabe wird geprüft

Herfords Bürgermeister Tim Kähler verurteilt die Aktion linksautonomer Akteure. »Die Krawallmacher von Dienstagabend sind Straftäter. Sie müssen mit Strafverfahren wegen Hausfriedensbruch, Nötigung und Widerstands gegen Polizeibeamte rechnen.« Das Maß eines friedlichen Protestes gegen politisch Andersdenkende sei weit überschritten worden.

Die Stadt Herford hatte der AfD die Räume des Bürgerzentrums zur Verfügung gestellt und darauf verwiesen, dass es keine juristische Handhabe gibt, der AfD als einer demokratisch gewählten Partei diesen Zugang zu verwehren. »Mit dem Anketten der linksautonomen Akteuren im Haus konnte niemand im Vorfeld rechnen«, sagt Kähler. »Solche massiven Störungen hat es bei vergleichbaren Veranstaltungen nicht gegeben.« Für zukünftige Veranstaltungen wird die Verwaltung die Verfahrensvergabe erneut prüfen.

Grünen-Ratsherr Herbert Even stand am Dienstagabend in der ersten Reihe der Demonstranten vor dem HudL. »Es war eine gute, gewaltfreie Aktion gegen eine Partei, die sich gegen die Offenheit und Vielfalt der Gesellschaft stellt und nicht klar gegen neonazistische Positionen abgrenzt.« Die Blockade der Antifa im Gebäude konnte er nachvollziehen. »Es macht die Dringlichkeit des Anliegens deutlich.« Niemand habe jedoch aktiv Gewalt angewendet.

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