1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Herford
  6. >
  7. Wieder Sorge um Altenheime

  8. >

Corona-Zahlen steigen – aber auch positive Nachrichten in OWL

Wieder Sorge um Altenheime

Bad Essen/Bünde/Bielefeld/Gütersloh/Detmold (WB/in/stl/rebo/epd). Bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie rückt die Sorge um das Personal und die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen auch regional wieder stärker in den Fokus. Anlass war am Wochenende der Tod einer 85-jährigen Frau im Seniorenheim Vitalis-Wohnpark im niedersächsischen Bad Essen. Der Ort grenzt direkt an die ostwestfälischen Landkreise Minden-Lübbecke und Herford.

Symbolbild. Foto: dpa

Über den Todesfall hinaus wurden weitere 29 Bewohner und 13 Mitarbeiter des Seniorenheims positiv auf das Virus getestet. Eine besondere Herausforderung für den zuständigen Gesundheitsdienst ist die hohe Zahl von 200 Besuchern, die im Wohnpark waren und deshalb als Kontaktpersonen in Frage kommen. Sie wurden am Wochenende einzeln telefonisch über die Situation und die Möglichkeit von Tests informiert. Diese wurden am Sonntag von Johannitern kostenfrei in einer Schule in Bad Essen durchgeführt.

Vitalis betreibt einen weiteren Wohnpark in Preußisch Oldendorf im Kreis Minden-Lübbecke. Diese Einrichtung sei nicht betroffen, betonte Rebecca Jung, Sprecherin der Dr.-Becker-Klinikgruppe in Köln, die Eigentümerin der Häuser ist. Es gebe keinerlei Austausch von Personal, das sei schon aufgrund des Infektionsschutzgesetzes nicht möglich. Außerdem arbeite das Haus wirtschaftlich eigenständig. Man sei jetzt unter anderem in Preußisch Oldendorf dringend auf der Suche nach Mitarbeitern, die in Bad Essen einspringen könnten.

Lage in OWL

In Bünde im Kreis Herford hat sich die Betreuerin des dortigen Jacobi-Hauses mit dem Corona-Virus infiziert. 26 Bewohner des Altenheimes müssen deshalb vorsorglich in Quarantäne.

Außerdem haben sich im Kreis Herford Schülerinnen und Schüler in mehren Schulen in Herford, Bünde und Hiddenhausen mit dem Virus infiziert.

In Lippe lassen sich mittlerweile mehr als 50 Coronafälle einer Bibelschule in Brake bei Lemgo zuordnen. Am Wochenende wurden weitere Kontaktpersonen ermittelt und Tests organisiert.

In Bielefeld hat das Ordnungsamt am Freitag und Samstag 26 private Feiern kontrolliert, darunter Hochzeiten, Geburtstage und eine Verlobungsfeier. Es wurden nur zwei kleinere Verstöße festgestellt. Zuvor hatten die privaten Veranstaltungen nicht zuletzt in den sozialen Netzwerken heftige Diskussionen ausgelöst.

In Gütersloh ging am Sonntag die traditionelle Michaeliskirmes nach elf Tagen auf dem Marktplatz zu Ende. Manuel Schneider, der sich gemeinsam mit seinem Vater August Schneider als Kirmes-Chef dafür eingesetzt hatte, dass die Michaeliskirmes trotz Corona-Pandemie überhaupt stattfinden konnte, zeigte sich zufrieden. Natürlich seien die Voraussetzungen diesmal besonders gewesen. Insgesamt durften 53 Besitzer von Fahrgeschäften und Verkaufswagen mitmachen. Unter strengen Hygieneregeln lief der Betrieb in einem umzäunten Bereich. „Mitarbeiter des Ordnungsamts haben regelmäßig kontrolliert, ob alle Vorgaben eingehalten werden“, sagt Schneider. Es habe keine Beanstandungen gegeben.

Indessen hat die Gesellschaft für Risikoberatung in Detmold mit Fachleuten ein Corona-Fehlermeldesystem entwickelt. „Covid-19 Special“ soll Kliniken, Pflegeheime und Arztpraxen helfen, aus Fehlern im Umgang mit Infizierten oder Verdachtsfällen zu lernen, um diese künftig zu vermeiden, erläuterte Geschäftsführer Peter Gausmann. Jeder Arzt oder Pfleger, aber auch jeder Patient und jeder Bürger könne in dem Online-Portal kritische Ereignisse, Versäumnisse, Sicherheitslücken und Fehler melden und sich informieren. „Wir stellen das als Akt der Solidarität allen Einrichtungen kostenlos zur Verfügung“, sagte Gausmann. Es gehe nicht darum, Menschen zu denunzieren oder Kliniken an den Pranger zu stellen. Das System setze auf die Mitarbeit und das Risikobewusstsein der Mediziner und Pflegeexperten.

Startseite