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OWL-Forum: Bürgermeister Kähler reagiert auf CDU-Kritik und spricht von großer Chance

„Wir werden die Kosten genau prüfen“

Herford (WB). Eigentlich sollte das Interview ein Ausblick auf das Jahr 2020 werden. Doch die aktuelle Debatte über das OWL-Forum führte zu einem intensiven Gespräch mit Tim Kähler über Betriebskosten, die Standortfrage und die Chancen und Risiken, die sich aus dem Projekt ergeben. HK-Redaktionsleiter Ralf Meistes sprach mit Herfords Bürgermeister auch über die Kritiker des Vorhabens.

Der Sanierungsstau im Stadttheater ist groß, betont Bürgermeister Kähler. Auch für das Orchester der NWD muss perspektivisch die Raumfrage geklärt werden. Foto: Meyer

Herr Kähler, die CDU sagt, ein 100-Millionen-Projekt wie das OWL-Forum kann sich die Stadt Herford nicht leisten. Die Betriebskosten würden die Finanzmöglichkeiten der Stadt überfordern. Was sagen Sie dazu?

Kähler: Zunächst einmal bin ich dankbar, dass sowohl der Deutsche Bundestag als auch der Landtag von NRW der Meinung sind, dass ein solches Projekt in Herford förderwürdig ist. Wir erhalten aus Berlin und Düsseldorf fast 65 Millionen Euro, das ist auch eine Auszeichnung für den Standort Herford. Ob und wie wir das Ganze finanzieren werden, müssen die Prüfungen jetzt noch zeigen. Sollte sich bei den weiteren Untersuchungen zeigen, dass wir das Projekt nicht stemmen können, dann lassen wir es sein. Ich bin aber der Meinung, wir sollten es zunächst einmal ernsthaft prüfen. Und außerdem: Ganz gleich ob man für oder gegen das OWL-Forum ist, wir müssen für das Stadttheater und den Stadtpark Schützenhof eine Lösung finden. Wir sind doch heute zum Handeln gezwungen, weil in der Vergangenheit im Raum stehende Fragen nicht beantwortet worden sind. Im Übrigen vor meiner Zeit als Bürgermeister.

Was meinen Sie?

Kähler: In der Stadt Herford wurde im Jahr 2007 über die Finanzierung des breiten Kulturangebots diskutiert. Es gab das Gutachten von Prof. Dieter Haselbach vom Zentrum für Kulturforschung. Damals hieß es, wenn die Stadt alle Spielstätten, in denen Kultur präsentiert wird, erhalten will, dann wird das Geld kosten. Alternativ stand der Vorschlag im Raum, eine Einrichtung zu schließen. Damals hat der Stadtrat die Entscheidung getroffen, alle Einrichtungen zu erhalten. Nur die notwendigen Investitionen sind in den Folgejahren nicht getätigt worden. Heute haben wir einen Investitionsstau sowohl beim Theater als auch beim Schützenhof. Deshalb habe ich die Idee entwickelt, beide Einrichtungen an einem Standort zu vereinen.

Sie behaupten, für die Sanierung der beiden bestehenden Häuser müsse die Stadt genauso viel Geld aufbringen wie für den Neubau.

Kähler: Das haben unsere Berechnungen, und die habe ich ja nicht alleine angestellt, so ergeben – ja. Dank der Fördersummen von Bund und Land müssten wir für einen Neubau noch 32,3 Millionen Euro aufbringen. Ich bin der Auffassung, dass es sinnvoller ist, das Geld in einen Neubau zu investieren, als die gleiche Summe in den Erhalt von zwei Altbauten zu stecken. Die Sanierung des Theaters würde in etwa 16 Millionen Euro kosten, die des Schützenhofes sogar 17 Millionen Euro. Für das eine Projekt erhalten wir Fördergelder, für das andere nicht. Das bedeutet, die 33 Millionen Euro für die Sanierung beider Häuser müssten wir auch gegenfinanzieren.

„Muss mich auf Fachleute verlassen“

Was sagen Sie denen, die Ihnen vorwerfen, die Kosten für die Sanierung von Theater und Schützenhof zu hoch angesetzt zu haben?

Kähler: Ich muss mich auch auf das verlassen, was die Fachleute mir sagen. Ich bin sehr für die Klarheit der Zahlen. Deshalb haben wir bei den Betriebskosten für das OWL-Forum auch eine Rücklage mit eingerechnet. Das macht jeder so, der ein Haus baut. Schließlich kann mal etwas kaputt gehen. Auch das wurde in unserer Stadt nicht immer so gehandhabt.

Sie spielen auf das Marta an, für das keine Rücklagen gebildet worden sind.

Kähler: So ist es.

Warum ist der Güterbahnhof aus Ihrer Sicht der beste Standort?

Kähler: Es hat im Vorfeld Untersuchungen für einen geeigneten Standort gegeben. Die sind noch nicht abgeschlossen. Denjenigen, die sagen, dass etliche Fragen noch zu klären sind, gebe ich ausdrücklich recht. Aber wir wollten mit der Machbarkeitsstudie zunächst einmal erreichen, dass wir Fördergelder beantragen können. Das ist uns, übrigens auch Dank der guten Arbeit von Andreas Kornacki, gelungen. Wir haben ein Grundstück gesucht, das der Stadt Herford gehört, die passende Größe hat und das gut zu erreichen ist. Alle drei Punkte treffen für den Güterbahnhof zu. Das OWL-Forum steht da auch nur als ein wichtiges Puzzleteil für eine Gesamtentwicklung.

Was haben Sie dort vor?

Kähler: Das Güterbahnhofs-Gelände an der Bünder Straße liegt zentral und ist dennoch eine Brache. Wir wollen dort Flächen für Dienstleistungen anbieten, aber auch Wohnbebauung realisieren. Es soll ein Durchgang durch den Bahnhof von der Bahnhofsstraße zur Bünder Straße geschaffen werden. Das OWL-Forum soll zum Zentrum dieses Quartiers werden.

„Eher konservative Berechnungen“

Sie erhoffen sich von dem Standort auch eine besondere Werbewirkung für die Stadt.

Kähler: Wir liegen an der Hauptbahnverbindung vom Rheinland über das Ruhrgebiet, Hannover und Berlin. Wenn wir an dieser Stelle ein Gebäude mit ansprechender Architektur errichten, dass Theater, Konzertsaal für die Nordwestdeutsche Philharmonie, aber auch für andere Formate sowie Veranstaltungsstätte vereint, dann wird das nicht nur Werbung für die Stadt Herford sein, sondern für die gesamte Region OWL. Wer mit dem Zug in den Herforder Bahnhof einfährt, soll auf das Forum gucken können. Der Blick auf das Marta ist ja leider durch ein Parkhaus verstellt.

Die FDP, auf deren Stimmen Sie ja angewiesen sein werden, sprach von einer 6f-Lösung. Für die Liberalen, so sagte es der Fraktionsvorsitzende Günther Klempnauer, sei ein OWL-Forum auf dem Güterbahnhofsgelände nicht vorstellbar. Die FDP möchte das Forum am Janup errichten.

Kähler: Auch diese Variante wird noch einmal geprüft. Ich gebe nur zu bedenken, dass rund um den Gänsemarkt eher eine kleinteilige historische Bebauung steht. Da passt aus meiner Sicht so eine städtebauliche Dominante wie das OWL-Forum nicht hin. Dennoch werden wir es noch einmal prüfen.

Kritiker sagen, Sie werden bei den Baukosten mit den prognostizierten 97 Millionen Euro nicht auskommen.

Kähler: Niemand kann zum heutigen Zeitpunkt verlässlich sagen, was der Bau des Forums am Ende kosten wird. Wir sind bei unseren Berechnungen aber eher konservativ herangegangen. Aber wir nehmen jetzt noch einmal Geld in die Hand, um auch hier weitere Untersuchungen anzustellen. Mein Wunsch wäre es, das Ganze in die Hände eines Generalunternehmers zu geben. Außerdem benötigen wir einen Projektleiter, der dafür sorgt, dass nichts aus dem Ruder läuft. Als ich vor sechs Jahren in Herford als Bürgermeisterkandidat angetreten bin, habe ich gesagt, man muss ins Gelingen verliebt sein und sollte sich nicht so sehr mit dem Scheitern beschäftigen. Das gilt auch für dieses Projekt.

Neben den Investitionskosten bereiten etlichen Beobachtern die Betriebskosten für ein solches Gebäude Sorgen. Immerhin muss die Stadt auch jährlich 2,4 Millionen Euro für den Betrieb des Marta aufbringen.

Kähler: Kosten für den Betrieb von Theater und Schützenhof haben wir ja heute auch. Aber selbstverständlich werden wir jetzt auch diesen Bereich noch einmal genauer beleuchten. Wir müssen als Stadt die Chancen sehen, die im Bau des OWL-Forums liegen. Wir haben heute die Situation, dass Konzerte in anderen Städten stattfinden, obwohl sie von Herford aus organisiert werden. Ich will aber, dass sie in Herford stattfinden. Wir werden durch das OWL-Forum mehr Menschen in unsere Stadt locken, die Attraktivität Herfords noch einmal steigern. Das ist eine große Chance für die Stadt, die wir nutzen sollten.

Geht es nach den Vorstellungen von Tim Kähler, dann wird das komplette Areal hinter der Bahn neu gestaltet. Das OWL-Forum soll lediglich ein wichtiges Puzzleteil sein. Zudem wünscht sich Herfords Bürgermeister die Ansiedlung von Dienstleistungsbetrieben. Darüber hinaus kann er sich zusätzliche Wohnbebauung an dem Standort vorstellen. Foto: Moritz Winde
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