Verwaltung lässt Bürgerantrag prüfen – Bürgermeister will Gebäude für Parkhaus abreißen

Wird die Zentrale der Sparkasse Herford zum Denkmal?

Herford (WB)

Was passiert mit der Sparkassen-Zentrale? Geht es nach Tim Kähler, soll sie Platz für ein Parkhaus machen. Doch die Abrisspläne des Bürgermeisters könnten scheitern, sollte das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt werden.

Moritz Winde

Wird dieser mächtige Beton-Klotz mit den roten Verstrebungen in bester Innenstadtlage unter Denkmalschutz gestellt? Die Sparkassen-Zentrale Auf der Freiheit wurde 1978 eröffnet. Derzeit arbeiten hier 220 Angestellte. Foto: Moritz Winde/Montage: Patrick Sönel

Bauamtschef Dr. Peter Böhm bestätigte Informationen dieser Zeitung, dass der Verwaltung ein entsprechender Bürgerantrag vorliege. „Wir lassen derzeit unter Hinzuziehung von externen Experten prüfen, ob das Gebäude erhaltenswert ist.“ Welche Aussichten auf Erfolg die Forderung des Herforders hat, vermag Böhm nicht zu sagen.

Auf der Denkmalschutzliste stehen nicht nur bau- und kunsthistorisch besonders bedeutende Kirchen oder herrschaftliche Villen. Es geht ganz allgemein um Zeugnisse der Geschichte der über 1200 Jahre alten Hansestadt. „Zeugen der Geschichte und damit schützenswertes Kulturgut sind zum Beispiel auch gewachsene Stadtbereiche oder geplante Siedlungen, aber auch Wohn-, Wirtschafts- und Geschäftsgebäude unterschiedlicher Zeitstellungen“, heißt es auf der Internetseite der Unteren Denkmalbehörde.

Ob der Antragsteller tatsächlich den Sparkassen-Hauptsitz als erhaltenswert ansieht oder lediglich das Abbruch-Vorhaben von Tim Kähler durchkreuzen will, ist unklar. Klar ist wiederum, dass es nicht nur Befürworter der Parkhaus-Idee gibt – Stichwort autofreie Innenstadt.

Mit der Zukunft des Sparkassen-Hauptsitzes ist die Zukunft des Rathausplatzes verbunden. Der soll bekanntermaßen bald umgestaltet werden. Falls es die Corona-Lage zulässt, soll es zu diesem Thema im Sommer einen Bürger-Workshop geben, bei dem jeder seine Wünsche äußern kann. Ein Architekten-Wettbewerb – ähnlich wie bei der Sanierung des Neuen Marktes – soll Ende des Jahres starten.

Tim Kähler zumindest möchte das Areal unter seinem Dienstzimmer inmitten des historischen Gebäude-Ensembles – hier soll auch das Frieda-Nadig-Denkmal aufgestellt werden – nur noch für Fußgänger freigeben. Der motorisierte Verkehr soll im dann neuen Parkhaus gegenüber abgestellt werden. Ob die CDU als Koalitionspartner die Bürgermeister-Pläne mittragen wird, bleibt abzuwarten.

Die Sparkassen-Zentrale Auf der Freiheit – hier arbeiten 220 Frauen und Männer – wurde 1978 eröffnet und umfasst eine Fläche von 16.400 Quadratmetern. Das Kreditinstitut lässt nach Angaben von Sprecherin Marion Vaal derzeit die Möglichkeiten einer Erweiterung des Dienstleistungszentrums prüfen. „Hier arbeiten 280 Kolleginnen und Kollegen, freie Flächen stehen nicht zur Verfügung.“ Die Immobilie an der Engerstraße wurde 1997 fertig gestellt und ist 8.000 Quadratmeter groß.

Mehrfach hatte Vorstandschef Peter Becker erklärt, eine Konzentration an der Engerstraße mache Sinn – auch vor dem Hintergrund nach Corona verstärkt Home-Office praktizieren zu wollen. Marion Vaal: „Schon jetzt haben wir mit rund 380 Mitarbeiter/innen Home-Office-Vereinbarungen getroffen.“ Die Bank hatte im vergangenen Jahr das Gebäude an der Berliner Straße aufgegeben und an den Kreis verkauft. Hier ist jetzt auch die Verbraucherzentrale untergebracht.

Die Sparkasse will sich aber nicht komplett aus der City zurückziehen. Eine Filiale soll auf jeden Fall erhalten bleiben – vielleicht ja an gleicher Stelle im Erdgeschoss eines Parkhauses.

Startseite