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Der Sammler Terry Haydon hat am Neuen Markt ein Geschäft eröffnet

Wo Comic-Fans auf Gleichgesinnte treffen

Herford (WB). Der Comic-Fan Terry Haydon macht sein Hobby zum Beruf. Seit Januar führt der 32-Jährige am Neuen Markt einen Laden, in dem sich alles um Superhelden wie Spiderman dreht.

Hartmut Horstmann

Terry Haydon in seinem Laden am Neuen Markt: Vor ihm liegen zwei seiner Lieblings-Comics. Viele der Hefte, die der 32-Jährige anbietet, stammen aus seiner eigenen Sammlung. Auch bietet er zwei- bis dreimal in der Woche Spieletreffs an. Foto: Hartmut Horstmann

Derzeit präsentiert sich der Neue Markt vor allem als Baustelle. Doch Haydon empfindet dies nach eigener Aussage nicht als besonders störend, sondern freut sich darauf, »wenn alles fertig ist«. Die vergleichsweise kleine Ladenfläche an einem zentralen Platz sei für den Anfang perfekt.

Der Herforder, der unter anderem eine kaufmännische Ausbildung absolviert hat, hat nicht das Gefühl, mit der ersten Selbstständigkeit ins kalte Wasser gesprungen zu sein. Denn er weiß um einen potenziell großen Kreis von Comic-Liebhabern, wie er selbst einer ist. Haydon bezeichnet sich selbst als »passionierten Sammler«, der in 20 Jahren knapp 3500 Hefte zusammengetragen hat.

Die Hälfte dieser Sammlung bietet er in dem Laden namens Comic-Kontur an. Über den Preis entscheidet der Sammlerwert – wobei der Verkäufer hier das Internet-Portal Comic Guide zu Rate zieht. Anders sieht es aus bei neuen Comics, die der Geschäftsinhaber vor allem auf Kundenbestellung anfordert.

Das Haptische gehört dazu

Hier gilt die Buchpreisbindung – und wenn der Bestellende einverstanden ist, liegt das Buch im Laden so lange zur Ansicht aus, bis es abgeholt wird. »Jede Bestellung trägt so dazu bei, dass mein Laden wächst«, sagt Haydon. Im großen Stil Bücher oder Spiele zu ordern und auf Kunden zu warten, ist ihm derzeit ein zu großes unternehmerisches Risiko.

Dabei geht der 32-Jährige davon aus, dass er sich auf seine Kunden verlassen kann: »Das ist anders als bei Amazon. Wer bei mir bestellt, erwartet nicht, dass die Hefte am nächsten Tag da sind.« Das Haptische gehört dazu – ein echter Laden, in dem sich Gleichgesinnte treffen und austauschen können.

Aus dem gesamten Kreis Herford bezieht Terry Haydon seine Kundschaft – aber auch aus Bielefeld. So hätten ihn auch schon Zeichner und Autoren aus dem dortigen Splitter-Verlag besucht.

Freude an der Geselligkeit

Der Fan-Gedanke gehört dazu, um ein solches Geschäft mit Überzeugung führen zu können. Und die Freude an der Geselligkeit: In einem Hinterzimmer bietet der Herforder zwei- bis dreimal in der Woche Spieletreffs an. Einen besonderen Boom erleben gerade die Magic-Kartenspiele, hinzu kommt eine Pen-und-Paper-Runde, bei der ein Spielmeister die beteiligten Charaktere in eine Fantasywelt entlässt. Vor allem über die sozialen Medien lädt Haydon die Mitspieler ein.

Wer mit Superman-Heften oder Magic-Karten nichts am Hut hat, mag die Stirn runzeln. Doch Fan Haydon steht auf dem Standpunkt, dass die herkömmliche Literatur und die Comics gleichberechtigt zu betrachten sind: »Das Faszinierende an einem Comic ist, dass die Bilder es schaffen, einen Film loszudrehen.«

Zu seinen Lieblingscomics zählt er Batman und die Serie Black Hammer. Während ersterer ein klassischer Superheld ist, lebt »Hammer« von der melancholischen Nachbetrachtung auf das Heldentum. Ansonsten gilt: Die Welt der Comics ist weit und bunt. Das Spektrum reicht vom Klassiker Asterix bis zum Indieheft, in dem es zum Beispiel um Musiker wie Nick Cave geht.

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