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Zwei Gymnasien hatten den Schauspieler Raimund Groß eingeladen

 „Woyzeck“ als Ein-Personen-Stück im Herforder Stadttheater

Herford

Eine besondere Aufführung haben Schülerinnen und Schüler im Herforder Stadttheater erlebt: „Woyzeck“, das Jahrhundert-Stück von Georg Büchner, als Ein-Personen-Performance. Und auch für den  Schauspieler Raimund Groß war es ein denkwürdiger Auftritt: „Ich spiele das Stück zum ersten Mal in einem richtigen Theater.“ 

Von Hartmut Horstmann

Raimund Groß als Woyzeck: Der Schauspieler schlüpfte auf der Bühne in verschiedene Rollen. Und er griff zur Gitarre. Im Publikum saßen Schülerinnen und Schüler von zwei Herforder Gymnasien.  Foto: Hartmut Horstmann

Im Publikum saßen mehr als 300 Schüler vom Friedrichs- und vom Ravensberger Gymnasium. Die Schulen waren auch die Veranstalter.  Wie es dazu kam, erläutert Carolin Meier-Sawatzki, Leiterin der Fachschaft Deutsch am RGH. Die Theateragentur Niekamp  habe sich an die Schule gewandt, ob Interesse am „Woyzeck“ bestehe.

Dieses Interesse war da, allein, es mangelte am Raum. „Wir haben ja keine Aula“, sagt Meier-Sawatzki. So entstand die Idee, gemeinsam mit dem Friedrichs-Gymnasium ins Herforder Stadttheater zu gehen. 

Das Stück von Georg Büchner ist für die Schüler der beiden oberen Jahrgänge interessant, weil es Abiturthema sein kann.  Fürs Abi 2024 sei es sogar obligatorisch, so Meier-Sawatzki.

Auch wenn das Stück von der Sprache her nicht so schwer zugänglich wie zum Beispiel „Nathan der Weise“ ist, hilft eine Theateraufführung mit ihrer ganzen Präsenz beim Verständnis des Stoffes. Ansonsten greife man im Unterricht oft auch auf Filmsequenzen zurück, erklärt die Lehrerin.

Raimund Groß hat  mit seiner Produktion im Dezember  Premiere gehabt. Seit 2006 betreibt der Mann, der auf einem Bauernhof im Havelland lebt, ein Ein-Mann-Theater mit dem vielversprechenden Namen „Literaturbrauerei“. Er hat sich spezialisiert auf  literarische Texte, die Abiturthema sind oder sein können.  Daher tritt Groß auch häufig in Schulaulen oder Turnhallen auf. 

An   Theaterstücke habe er sich bisher nicht gewagt, bekennt er: „Denn sie sind ja für mehrere Personen geschrieben. “  Und so agierte Raimund Groß als Woyzeck, als seine Geliebte, als Freund und noch viel mehr. Eine wichtige Rolle spielt ein schwarzer Vorhang - gewissermaßen ein Ort der Verwandlung. Als Woyzeck tritt der Schauspieler hinter den Vorhang, als Marie mit einer Armhaltung, als trage sie ein Baby, kommt er/sie  wieder hervor.

Eine andere Stelle: „Was ein Mann!“, frohlockt er in einer Frauenrolle  - und wechselt danach den Standort, um mit leicht veränderter Stimme zu sagen:„ Was ein Weib!“  So wurde es ein Ritt durch die verschiedenen Theaterrollen.  Zum Glück kam der Schauspieler nicht auf die Idee,  bei Frauenrollen eine weibliche Stimme imitieren zu wollen. Ein solcher Versuch wirkt meist unfreiwillig komisch. 

Keine Frage, der Schauspieler liebt und lebt  seinen Büchner-Text auf der Bühne. Dennoch  wäre es schwierig gewesen, dem Verlauf des Stationendramas ohne vorherige Textkenntnis zu folgen. Doch die Schülerinnen und Schüler waren vorbereitet. Nach der Aufführung bestand die Möglichkeit, Fragen zu stellen - was einige Zuschauer auch taten. 

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