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Nach fast 44 Jahren geht SWK-Bereichsleiter Uwe Friedrich aus Herford in den Ruhestand

Zum Abschied ein Hupkonzert

Herford (WB)

Wie beliebt Uwe Friedrich bei der Herforder SWK ist, zeigt diese Aktion: Die Mitarbeiter haben ihm am Freitag einen ohrenbetäubenden Abschied beschert. Fast die gesamte Fahrzeug-Flotte rollte am Mittag hupend auf den Betriebshof und drehte eine Ehrenrunde.

Moritz Winde

Dann macht‘s mal gut: Doch so ganz geht Uwe Friedrich ja nicht. Das Gesicht der SWK bleibt dem Bauhof aushilfsweise erhalten. Foto: Moritz Winde

An den Müll- und Reinigungswagen prangte zudem großformatig das Konterfei des dienstältesten Angestellten. Darunter ein weiteres Zeichen der Anerkennung: „Schade – der Graue geht“ war auf den Plakaten zu lesen. „Der Uwe passt einfach in die Welt. Wenn‘s hart auf hart kam, war er zur Stelle. Auf ihn war immer Verlass“, sagt Müllwerker Guido Vasse.

Das Büro des 63-Jährigen war mit Luftschlangen und Ballons geschmückt, zur letzten offiziellen Begrüßung gab‘s von den Chefs ein besonderes Geschenk – und zwar ein T-Shirt mit folgender Aufschrift: „Rentner 2021 – eine Legende geht in Rente“. Das streifte sich der Herforder sofort über.

Uwe Friedrich war dieser Trubel um seine Person gar nicht recht, fast sogar schon ein bisschen unangenehm. Das Gesicht der SWK – insgesamt war er 43 Jahre und sechs Monate beim städtischen Bauhof angestellt – ist bescheiden, steht lieber in zweiter Reihe. Dennoch freute er sich sichtlich über so viel Anerkennung. Immer wieder kullerten Tränen über seine Wangen. „Ich bin nun mal nah am Wasser gebaut.“

Im August 1977 startete Uwe Friedrich im Alter von 20 Jahren seine Karriere bei der Stadt. „Ich bin als Malocher angefangen, habe jahrelang Müll eingesammelt“, sagt er. Damals habe es eine Tonne für alles gegeben, ans Trennen habe man gar nicht gedacht. Später dann habe es mal eine Tonne für Papier und Glas gegeben. „Das hat man dann aber schnell wieder sein gelassen.“

Er weiß also, wie es sich anfühlt, an vorderster Front zu kämpfen. Als Vorgesetzter – er war jahrzehntelang Bereichsleiter für Müll, Straßenreinigung und Winterdienst – konnte er aber nicht ständig der Kumpeltyp sein. Er habe schließlich auch unangenehme Entscheidungen treffen müssen.

„Natürlich kannst du jemandem einen Elfmeter geben. Wichtig ist nur, in welcher Art und Weise du das machst. Da hilft ein gewisses Fingerspitzengefühl.“ Wohl auch, weil Uwe Friedrichs Führungsstil offen und fair war, schätzen ihn seine 120 Kollegen, die ihn allesamt duzen. Das „Du“ sei auch bei schwierigen Gesprächen kein Problem gewesen. „Es hat vielmehr für Vertrauen gesorgt.“

„Schade, der Graue geht“: Dieses großformatige Plakat klebte am Freitag an fast allen Fahrzeugen der SWK. Foto: Moritz Winde

Uwe Friedrich hatte zuletzt die Verantwortung für 32 Müllwerker und Straßenreiniger. Um so bedauerlicher sei es, dass er keine große Abschiedsparty schmeißen darf. „Aber wenn Corona vorbei ist, wird das nachgeholt. Dann werfen wir auf dem Betriebshof den Grill an und trinken gemeinsam ein Bier.“

Nicht nur die Menschen sind Uwe Friedrich ans Herz gewachsen. Mit dem Bauhof an der Goebenstraße – hier war vom ersten bis zum letzten Tag seine Arbeitsstelle – verbindet er schöne Erinnerungen. „Ich habe hier ja jeden Stein umgedreht. Für mich war es so, als ob es meine eigene Firma gewesen wäre“, sagt der Elverdisser.

Deshalb kann und will der städtische Angestellte auch noch nicht ganz loslassen – zumal er ja noch gebraucht wird. Uwe Friedrich wird der SWK als 450-Euro-Kraft erhalten bleiben. So wird er unter anderem seinen Nachfolger, Michael Trnobransky (50), weiter einarbeiten.

Trotz aller Wehmut: Uwe Friedrich freut sich auf die Rente. Die Familie habe lange genug zurückstecken müssen. Vor allem Enkel Henri (7) könne es kaum erwarten, dass Opa endlich mehr Zeit habe. Und mit Ehefrau Mirjana, mit der er fast 45 Jahre verheiratet ist, gibt es ja noch so viele Städte zu bereisen. Den Gutschein dafür haben dem „Grauen“ die frisch gebackenen Ex-Kollegen am Freitag überreicht. Was für ein perfektes Abschiedsgeschenk.

Ein Bild aus den 80ern: Uwe Friedrich – damals noch mit blondem Haar – mit Ehefrau Mirjana. Foto:
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