1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Herford
  6. >
  7. Zwei Fraktionsvorsitzende nehmen Abschied

  8. >

Wolfgang Rußkamp (CDU) und Horst Heining (SPD) bestreiten ihre letzte Ratssitzung

Zwei Fraktionsvorsitzende nehmen Abschied

Herford (WB). Sie waren über viele Jahre Sprachrohr ihrer Parteien, sind in so mancher Ratssitzung verbal aneinandergeraten, jetzt verlassen nun beide die kommunalpolitische Bühne. Wolfgang Rußkamp (64), Fraktionsvorsitzender der CDU, und Horst Heining (71), Fraktionschef der SPD, gehören dem nächsten Rat nicht mehr an. Trotz aller Unterschiede sei der Umgang fast immer fair gewesen, betonen beide. Heute ist ihre letzte Ratssitzung.

Ralf Meistes

Wolfgang Rußkamp mit Ehefrau Marion im Kroatien-Urlaub 2018. Damals besuchten die beiden Elverdisser die Krka-Wasserfälle. Rußkamp ist leidenschaftlicher Wanderer. Foto: privat

Horst Heining

Aufgedrängt hat er sich nie. Vielmehr war es so, dass ihn seine Fraktionskollegen dazu gedrängt haben, den SPD-Fraktionsvorsitz zu übernehmen. Das blieb Horst Heining dann neun Jahre lang. Mit 71 Jahren tritt er nicht erneut zur Kommunalwahl an. „Eigentlich wollte ich schon 2014 das Amt des Fraktionsvorsitzenden zur Verfügung stellen und nicht erneut für den Stadtrat kandidieren. Aber dann kam der Plan mit Jens Steinmann und ich blieb“, sagt Heining.

Der „Plan mit Jens Steinmann“ lautete, dass Heining noch bis 2016 Fraktionsvorsitzender bleibt und der jüngere Steinmann dann von ihm den Posten übernimmt. Nur ging der Plan nicht auf. Steinmann zog nach Hiddenhausen, verlor daher sein Ratsmandat in Herford und Horst Heining blieb Fraktionsvorsitzender.

Viele Jahre als Lehrer aktiv

Eines seiner Steckenpferde in der Kommunalpolitik war die Schulpolitik. Kein Wunder, war er von 1976 bis 2011 Lehrer in Hiddenhausen. Zunächst an der dortigen Hauptschule, später dann an der Olof-Palme-Gesamtschule. Als Heining 1976 seine Stelle in Hiddenhausen antrat, zog er mit seiner Frau nach Herford. Das erste von drei Kindern wurde geboren. 1982 trat Heining in die SPD ein.

Fair im Umgang

Fairness ist ein Begriff, mit dem Vertreter anderer Parteien Heinings Wirken in Verbindung bringen. Der Herringhauser war nie jemand, der in politischen Debatten die Beherrschung verlor. Respekt gegenüber allen, die sich in ihrer Freizeit in der Kommunalpolitik engagieren, lautete sein oberstes Gebot. 1994 wurde er erstmals für die SPD in den Stadtrat gewählt. Als schwierigste Phase in seiner kommunalpolitischen Arbeit sieht er die Jahre 1999 bis 2004 an, als die CDU im Stadtrat über eine absolute Mehrheit verfügt hat. „Die brauchten uns nicht für irgendwelche Beschlüsse und das haben sie uns auch deutlich spüren lassen.“

Als besonders erfolgreich für die Stadt sieht der die Rekommunalisierung des Stromnetzbetriebs unter dem ehemaligen SPD-Bürgermeister Bruno Wollbrink. „Das hat uns finanzielle Spielräume verschafft, von denen wir heute profitieren.“ Und er blickt mit Spannung auf die weitere Entwicklung am Bildungscampus. „Da hat unser Bürgermeister Tim Kähler viel angeschoben. Ich bin überzeugt davon, dass die Stadt in Zukunft noch mehr von dem Campus profitieren wird.“

Mitglied beim MSC

Jenseits der Kommunalpolitik beschäftigt sich Heining viel mit Computern. Auch fährt er als Mitglied des Motorrad-Veteranen Sport-Clubs Herford gerne mit seiner alten BMW durch die Gegend rund um Herford, wenn das Wetter mitspielt.

Wolfgang Rußkamp

Nachdem die CDU 2005 nicht nur die Bürgermeisterwahl, sondern auch die absolute Mehrheit im Stadtrat verloren hatte, musste ein Neuanfang her. Die Partei, aufgrund des Marta-Neubaus und der damals explodierenden Baukosten innerlich zerrissen, benötigte jemanden an der Fraktionsspitze, der moderiert und die Reihen in der CDU schließt. Das hat Wolfgang Rußkamp geschafft.

Es spricht für den 64-Jährigen, dass er nicht etwa sagt: „Das ist mir gelungen“ Nein, wenn es um Erfolge geht, spricht er immer von „wir“. Und explizit nennt er die beiden langjährigen CDU-Ratsmitglieder Bärbel Müller und Werner Seeger.

Kam als Quereinsteiger

Als Quereinsteiger kam er 1999 zur CDU. Der langjährige Leiter des Amtes für Jugendarbeit beim Kirchenkreis Herford war schon immer politisch interessiert, aber in keiner Partei organisiert. „Bürgermeister Thomas Gabriel hat mich damals gefragt, ob ich nicht bei der CDU mitmachen möchte“, erinnert sich Rußkamp. Er wollte und wurde sofort in den Stadtrat gewählt.

Als besondere Bewährungsprobe, aber auch als eine äußerst spannende Zeit empfand der Elverdisser seine Kandidatur für den Bundestag 2009. Nur äußerst knapp unterlag er damals gegen Stefan Schwartze (SPD). In guter Erinnerung geblieben sind ihm die unzähligen Begegnungen mit den Menschen im Kreis Herford.

„Bin für das offene Wort“

In den zurückliegenden Jahren gab es im Stadtrat wechselnde Mehrheiten. „Wir als CDU waren immer die stärkste Fraktion im Herforder Rathaus. Das wird auch nach dieser Wahl so sein. Wenn es um die Gestaltung der Stadt geht, hat meine Fraktion immer ein gewichtiges Wort gehabt“, so Rußkamp. Worauf der 64-Jährige geradezu allergisch reagiert, ist, wenn jemand sich nicht an Absprachen hält. „Ich bin für das offene Wort. Man kann mir auch sagen, dass man gewisse Dinge anders sieht. Aber wenn man sich in der Politik einmal auf einen Weg geeinigt hat, dann muss man den auch zu Ende gehen.“

Sozialausschuss, Jugendhilfeausschuss, Schulausschusses – hier war Rußkamp in den vergangenen 21 Jahren aktiv. Darüber hinaus war er Vorsitzender des Aufsichtsrats der städtischen Wohnungsbaugesellschaft WWS. „Gerade in der WWS und mit der WWS ist in den vergangenen Jahren viel bewegt worden. Das sieht man am Stadtbild, an den verbesserten Fassaden der WWS-Häuser und an der deutlich verbesserten Wohnqualität“, erklärt er. Die Sanierung der Otto-Hahn-Schule und die Einrichtung eines Treffpunkts in der Nordstadt seien zwei Beschlüsse gewesen, über deren Umsetzung er sich besonders gefreut habe.

Schalke 04 war kein Thema

Und jetzt? Was kommt nach der Politik? Wolfgang Rußkamp will mit seiner Frau Marion ab und zu verreisen. Der gemeinsame Sohn ist längst aus dem Haus. Zu den Hobbys des 64-Jährigen zählen Wandern, Ski-Fahren, Lesen und Schach spielen. Worüber Wolfgang Rußkamp in dem gut einstündigen Gespräch in der Redaktion übrigens kein Wort verloren hat, war Fußball. Das mag mit dem dürftigen Abschneiden seines Vereins in der zurückliegenden Saison zusammenhängen. Rußkamp ist Schalke-04-Fan.

Startseite
ANZEIGE