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Einige Hinterbliebene kritisieren Einordnung als Corona-Opfer

Zwei weitere Todesfälle: Wie entscheidend war das Virus?

Herford (WB). Der Kreis Herford hat am Donnerstag im Zusammenhang mit dem Coronavirus zwei weitere Todesfälle gemeldet: zwei Männer im Alter von 91 und 89 Jahren. „Beide hatten Vorerkrankungen und stammen aus Herford. Somit gibt es im Kreis insgesamt drei Todesfälle“, heißt es. Doch wie ursächlich war das Virus, zumal keiner der drei Verstorbenen auf der Intensivstation lag?

Bernd Bexte

Die Corona-Statistik von Donnerstag: Am Mittwoch und Donnerstag sind zwei infizierte Männer aus Herford verstorben, in der vergangenen Woche ein Senior aus Hiddenhausen.

Im Fall des 89-Jährigen handelt es sich um den Lungenkrebspatienten, der sich offenbar im Mathilden-Hospital infiziert hatte. „Mein Opa ist definitiv nicht an dem Virus gestorben. Er hat überhaupt keine Symptome gezeigt“, sagt Enkelin Desiree Barron (25). „Er ist einfach eingeschlafen. Man kann doch jetzt nicht von einem Corona-Toten sprechen. Ich habe dafür überhaupt kein Verständnis. Das macht anderen Menschen doch nur noch mehr Angst.“

Ähnlich sehen es Angehörige und Nahestehende eines 82-Jährigen Bad Salzuflers, der bereits am Samstag gestorben war. Er erscheint in der Statistik des Kreises Lippe als Corona-Opfer. Der Senior war zuvor im Mathilden-Hospital behandelt worden. Dort hatte er sich vermutlich mit dem Virus infiziert. Am Dienstag vergangener Woche war der Mann nach Hause entlassen worden.

„Er hatte nie Symptome“

Dort verstarb er an multiplem Organversagen, wie seine Pflegerin Anja Müller sagt, die sich zuletzt um ihn gekümmert hatte. „Ein weiterer 82-jähriger Patient, der zu den bestätigten Coronafällen zählt, ist zu Hause verstorben“, hieß es dazu Anfang der Woche in der täglichen Statistik des Kreises Lippe. „Er ist kein Corona-Toter, er hatte nie Symptome“, meint die Altenpflegehelferin.

Wonach wird also bemessen, wer in der Statistik als Corona-Opfer erscheint? „Stirbt ein Patient, der das Coronavirus in sich getragen hat, wird dies ebenfalls statistisch erfasst. Eine medizinische Bewertung wird an dieser Stelle ausdrücklich nicht vorgenommen, das heißt, es wird keine Aussage getroffen, ob das Virus ursächlich für den Tod war“, lautet die offizielle Sprachregelung.

Offenbar im Krankenhaus angesteckt

In der Öffentlichkeit erscheine er jedoch als Corona-Opfer. „Das verstehe ich nicht“, sagt der Bruder des verstorbenen Salzuflers. Was ihn zudem ärgert: „Als er im Mathilden-Hospital aufgenommen wurde, hieß es, hier sei niemand infiziert. Er wird sich dort aber angesteckt haben.“ Denn einen Tag, nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen worden sei, habe sich das Gesundheitsamt gemeldet, sagt Pflegerin Müller. Da der Senior möglicherweise im Hospital Kontakt zu einer infizierten Person gehabt habe, müsse der 82-Jährige auf das Virus getestet werden, habe es geheißen. Das Ergebnis war positiv.

Dr. Georg Rüter, Geschäftsführer des Mathilden-Hospitals, kennt den Fall. „Hoch betagte Menschen sterben meist nicht an dem Virus, sondern mit dem Virus.“ Im Krankenhaus hatten sich, wie berichtet, Patienten und Mitarbeiter infiziert. Stand Mittwoch waren es sechs Patienten und 14 Beschäftigte.

Statistik unscharf

Insgesamt bildet die Statistik des Kreises die Situation in den Krankenhäusern nicht umfänglich ab: So befanden sich am Donnerstag 19 infizierte Personen mit Wohnsitz im Kreis Herford in stationärer Behandlung. „Insgesamt sind es in den Kliniken im Kreis Herford aber knapp 30“, sagt Norbert Burmann, Leiter des Krisenstabes. Denn Patienten, die nicht im Kreis Herford wohnen, würden in der Kreis-Statistik nicht erfasst. Andererseits werden nicht alle 19 Patienten aus dem Kreis Herford auch in Krankenhäusern vor Ort behandelt. „Ein Patient liegt zum Beispiel in Osnabrück.“ Von den knapp 30 infizierten Krankenhauspatienten werden 17 im Klinikum versorgt, fünf davon auf der Intensivstation, drei werden beatmet. 13 Patienten wurden von dort inzwischen als gesund entlassen.

Neun Infizierte mehr

Im Kreis Herford gab es am Donnerstag insgesamt 267 bestätigte Corona-Fälle. Seit Mittwoch seien neun bestätigte Fälle hinzugekommen, teilt der Kreis mit. Inzwischen gelten allerdings 118 Personen wieder als gesund. Von aktuell 146 infizierten Personen aus dem Kreisgebiet stammen 62 aus Herford, die anderen Personen verteilen sich auf Bünde (26), Löhne (11), Kirchlengern (10), Enger (8), Hiddenhausen (9), Rödinghausen (5), Vlotho (5) und Spenge (10). 19 infizierte Personen mit Wohnsitz im Kreis Herford sind derzeit in stationärer Behandlung.

Ausreichend Kapazitäten

Das Klinikum hat angeboten, ebenso wie andere Krankenhäuser, Patienten aus den Niederlanden oder Belgien aufzunehmen. Es verfüge über 43 Intensivbetten, sei aber in der Lage, die Zahl innerhalb weniger Stunden auf 56 aufzustocken. In den vergangenen Wochen sind laut Geschäftsführer Peter Hutmacher 80 Mitarbeiter hinsichtlich der Intensivbetreuung geschult worden. Laut Kreis sind die 1200 Krankenhausbetten in der Region derzeit nur zur Hälfte belegt, ansonsten seien es durchschnittlich 70 bis 80 Prozent.

Verschärfte Kontrollen

Landrat Jürgen Müller hat für die Osterfeiertage verstärkte Kontrollen des Kontaktverbots angekündigt. „Ordnungsbehörden und Polizei werden konsequent und restriktiv durchgreifen.“ Gleichzeitig bedankt er sich bei den Bürgern, die die Vorschriften bis auf wenige Ausnahmen einhielten. Das Akutzentrum an der Oststraße 23 bleibt an den Feiertagen geöffnet. Dort können unter anderem täglich bis zu 200 Abstriche gemacht werden. Ausreichend Material sei vorhanden. Bislang sei knapp jedes zehnte Testergebnis positiv.

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