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36-Jähriger hat Hang zum „Toucheurismus“ - erst nach langer Suche findet er Therapeutin

Herforder Kindergrapscher zum dritten Mal vor Gericht

Herford

Sein Fall hatte die selbst erfahrenen Juristen unbekannten Neigungen des „Toucheurismus“ und „Frotteurismus“ nahegebracht. Der 36-jährige Rumäne war bereits 2021 angeklagt worden, in Herforder Geschäften kleine Mädchen angefasst zu haben. Weil er aber eine vom Gericht auferlegte Therapie noch nicht begonnen hatte, stand er wegen dieser Vorwürfe am Montag noch einmal vor Gericht.

Von Bernd Bexte

Im Herbst 2019 soll der heute 36-Jährige in der Herforder H&M-Filiale ein kleines Mädchen begrapscht haben. Im Marktkauf am Deichkamp soll er eine fast Siebenjährige angefasst haben.  Foto: Moritz Winde

Es war der dritte Anlauf: Anfang September 2021 und im März 2022 hatte sich das Jugendschöffengericht mit dem übergriffigen Verhalten des Herforders befasst. Er soll sich im Herbst 2019 im Marktkauf am Deichkamp sowie bei H&M am Gehrenberg Mädchen im Grundschulalter angefasst haben, im zweiten Fall sogar im Intimbereich. Die Staatsanwaltschaft warf ihm sexuellen Kindesmissbrauch und Körperverletzung vor.

Der strafrechtlich bislang Unbescholtene hat laut Gutachten einen Hang zum „Toucheurismus“, dem Verlangen, andere Menschen zu berühren, mit einer Neigung zum „Frotteurismus“, dem Wunsch, sich an ihnen zu reiben. So soll er sich am 5. Oktober 2019 in der Spielzeugabteilung des Marktkaufs einer knapp Siebenjährigen von hinten genähert haben – so nah, dass sie fast stolperte, als sie rückwärts ging. Der Mann soll das Kind dann fest ergriffen und hochgehoben haben.

Das Kind hatte gegenüber der Polizei jedoch angegeben: „Das tat nicht weh.“ Und nach Aussage der Mutter in der Verhandlung im März 2022  könne sich ihre Tochter nach so langer Zeit gar nicht mehr daran erinnern. Den von einer Überwachungskamera aufgezeichneten Übergriff räumte der Herforder am Montag allerdings ein.

Verkäuferin meldet Übergriff

Einen Monat später soll der Rumäne, der damals zurückgezogen lebte, ohne Freundeskreis und Deutschkenntnisse war, bei H&M einem etwa neun Jahre alten Mädchen zwischen die Beine gefasst haben. So hatte es zumindest eine Verkäuferin beobachtet. Das Kind, das sich gerade einen Pullover über den Kopf zog, habe aber wohl gar nichts gemerkt und die danebenstehende Mutter habe nichts gesehen, gab sie an. „Wir wissen bis heute nicht, wer Mutter und Tochter sind. Sie haben nie eine Anzeige gestellt“, erläuterte Richterin Tanja Schwöppe-Funk am Montag. Der Rumäne selbst machte dazu keine Angaben.

Das Jugendschöffengericht hatte deshalb bereits im März vergangenen Jahres das Verfahren eingestellt - allerdings mit der Auflage, dass sich der ledige Rumäne innerhalb eines halben Jahres in Therapie begebe. Weil er das nicht tat, stand er jetzt noch einmal vor Gericht.

Er habe schlichtweg keinen Therapieplatz gefunden, erklärte sein Verteidiger Christian Thüner. Die Familie - der Rumäne erschien mit Mutter und Schwester vor Gericht - habe es bis Hamburg und München versucht - vergeblich. „Es gibt ja nicht nur zu wenige Therapeuten, bei ihm kommt die Sprachbarriere hinzu“, sagte Thüner. Auch am Montag war der Angeklagte erneut auf eine Dolmetscherin angewiesen.

Therapeutin gefunden

Nach langer Suche sei es nun gelungen, in Lehrte bei Hannover eine Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie zu finden, die auch des Rumänischen mächtig sei. Am 10. Januar habe sein Mandant dort erstmals ein Therapiegespräch geführt, im Februar folge ein zweites.

Da der Mann - laut Gutachten mit eingeschränkter Intelligenz und mittlerweile unter Aufsicht seiner Familie -  sich keine weiteren Straftaten hatte zuschulden kommen lassen, stellte das Gericht mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft das Verfahren auf Kosten der Landeskasse erneut ein.

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