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Christian Meinhold erinnert an die Gründung der Grünen im Jahr 1984

Am Anfang stand ein Familiengeburtstag

Hiddenhausen (WB). Exakt 40 Jahre ist es her, dass in Deutschland die Grünen gegründet wurden. Nur ein paar Jahre später gab es die Partei auch in Hiddenhausen. Hier feiern die Politiker in diesem Jahr das 35-jährige Bestehen. „Genau betrachtet sind es eigentlich schon 36 Jahre“, bemerkt Gründungsmitglied Christian Meinhold beim Blick auf die Anfänge der Hiddenhauser Grünen im Jahr 1984.

Karin Koteras-Pietsch

Christian Meinhold hob die Hiddenhauser Grünen 1984 mit aus der Taufe. Foto: Koteras-Pietsch

Seine eigene Geschichte bei der Öko-Partei geht auf eine persönliche Geschichte zurück. Beim Geburtstag seiner Schwägerin im Februar 1984 gab es nur ein Gesprächsthema. Am nächsten Tag sollte die Firma MeyLip, die Margarinefabrik, die von seinem Urgroßvater gegründet und von seinem Großvater Jahrzehnte geleitet worden war, abgerissen werden. Eine Kommission mit Vertretern aller Parteien hatte sich von einem Experten überzeugen lassen, dass das Gebäude in Lippinghausen nicht unter Denkmalschutz gestellt werden sollte. Der Abriss erfolgte unter dem Protest Lippinghauser Bürger. Zeit für Christian Meinhold, sich abseits der etablierten Parteien politisch zu engagieren.

Erstes Treffen bei Generotzky

Im Gasthaus Generotzky kam eine Handvoll höchst individueller Persönlichkeiten beim Kopfschütteln über die undurchschaubare Kommunalpolitik zusammen: neben Christian Meinhold waren das Manfred Schröder aus Oetinghausen, Klaus Möcker, ebenfalls aus Oetinghausen, damals noch sachkundiger Bürger bei der SPD in Enger, und Franz-Peter Bogler. Umweltthemen standen damals noch nicht im Vordergrund. Vor allem in der Kulturpolitik fanden sie ein gemeinsames Interesse.

Bei der Kommunalwahl im Herbst 1984 holten die Grünen vier Sitze im Hiddenhauser Rat, auf Kreisebene schafften die Grünen sogar das Spitzenergebnis von mehr als 10 Prozent.

Mit den vier Sitzen erhielten die Hiddenhauser Grünen sogar einen Ausschuss-Vorsitz. „Ich sollte das übernehmen. Den Kultur-Ausschuss gab es damals noch nicht“, erinnert sich Meinhold. Aufgabe dieses Ausschusses war es, die Kultur zu verankern. Damals habe es nur einen Etat von 5000 Mark für den Chor Freundschaft gegeben. „Wir haben erreicht, dass für 25.000 Mark Kunstwerke angeschafft wurden. Später wurde dann von der Gemeinde aus jeder Ausstellung ein Werk herausgekauft“, erzählt der heute 74-Jährige. Der arbeitslose Lehrer Christian Grube sei eingestellt worden, um sich hauptamtlich um die Kultur in Hiddenhausen zu kümmern.

„Anfangs war es auch frustrierend“

Daneben gab es zahlreiche weitere Themen, die die Grünen umtrieben. „Doch es war häufig frustrierend. Im Rat gab es stets das übliche Spiel: Die Grünen brachten pausenlos Anträge ein. Und immer wurde alles abgelehnt.“ So denkt Meinhold zum Beispiel an die Idee der Grünen, die dem späteren Projekt „Jung kauft Alt“ zugrunde liegt. „Wir hatten seinerzeit vorgeschlagen, dass ältere Menschen Hilfe bekommen sollten. Jüngere Menschen sollten helfen und im Gegenzug die Möglichkeit bekommen, günstig bei den Älteren zu wohnen.“ Damals sei das Projekt abgeschmettert worden.

„Jung kauft Alt“ ist heute ein erfolgreiches, bereits ausgezeichnetes Modell, dass deutschlandweit Nachahmer gefunden hat. „Leider wird nie erwähnt, wer die Grundidee hatte. Das ist schade“, meint Meinhold. Letztlich sei aber der Erfolg wichtig. Er erinnert daran, dass dank der Grünen Hobby-Künstler und Berufskünstler wie Bruno Krenz nach Hiddenhausen kamen oder an das Engagement seiner Partei, als es um die Einrichtung der Gesamtschule ging.

Im Laufe der Jahre seien dann Umweltthemen in den Vordergrund gerückt. Meinhold wünschte sich manchmal mehr Einfluss. Aber: „Bei den Wahlergebnissen sind immer die Bundes- und Landespolitik ausschlaggebend. Da kann man machen, was man will.“ Chancen auf mehr Einfluss haben die Grünen ab November im neuen Rat. Denn die Zahl der Sitze steigt von aktuell zwei auf fünf.

Christian Meinhold hat sich längst aus der aktiven Politik zurück gezogen. An seinem 60. Geburtstag sei er in der Ratssitzung pompös verabschiedet worden. Und dennoch: Stammtische und Fraktionssitzungen besucht er immer noch gern.

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