1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Hiddenhausen
  6. >
  7. Anfang und Ende der Kultur gestaltet

  8. >

Christian Grube holt 34 Jahre lang Künstler nach Hiddenhausen – Jetzt geht er in Rente

Anfang und Ende der Kultur gestaltet

Hiddenhausen (WB). Wenn Christian Grube über seine Arbeit bei der Gemeinde erzählen will, weiß er gar nicht, wo er anfangen soll. Zu viel habe er erlebt. Meist nur Schönes, das ist seinem Gesichtsausdruck deutlich zu entnehmen.

Karin Koteras-Pietsch

Christian Grube hat 34 Jahre lang Veranstaltungen und Ereignisse mit der Kamera festgehalten. Bis zum Ende seiner Laufbahn bei der Gemeinde am 30. April muss er noch tausende Fotos und hunderte Filme sortieren. Foto: Koteras-Pietsch

34 Jahre lang hat der 65-Jährige sich in Sachen Kultur und Öffentlichkeitsarbeit für die Gemeinde engagiert. Ende April ist Schluss, dann geht er in den Ruhestand.

Aktuell ist Grube damit beschäftigt, sein Material zu sortieren. Er möchte alles für die Zeit nach ihm übersichtlich hinterlassen. Und mit alles meint er unter anderem die 40.000 Fotos, zumeist von Kulturveranstaltungen, und 300 Stunden Film-Material, die es noch zu ordnen gibt.

Eigentlich wollte Christian Grube, der gebürtiger und heute noch mit Leib und Seele Bielefelder ist, Lehrer werden. Er studierte Kunst, Bio, Deutsch und Medienpädagogik, absolvierte Referendariat und zwei Staatsexamen, fand aber anschließend keine Anstellung.

Arbeitsbeschaffungsmaßnahme im Jahr 1986

„Meine Fächer waren damals nicht gefragt. Eher Musik und katholische Religion“, schmunzelt Grube, der während seines Studiums schon sehr gerne in der Jugendarbeit medienpädagogisch tätig war. „Ich drehte Filme mit Jugendlichen. Ich habe die praktische Arbeit geliebt.“

So war es wohl schlussendlich ein Glücksfall, dass er 1986 bei der Gemeinde Hiddenhausen eine so genannte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme im Bereich Medien starten konnte. Er wurde mit Videokamera, Fotoapparat und Schnittplatz ausgestattet und sollte fortan Ereignisse in Hiddenhausen dokumentierten. Grube: „Das war toll. Ich konnte meinen Arbeitsplatz selbst gestalten.“

Grube erinnert sich daran, dass er Filme über Zigarrenarbeiter oder den Bau eines Backofens drehte. Sogar die Städtepartnerschaft mit dem polnischen Czechowice-Dziedzice sei über Videobotschaften, auch eines seiner erstellten Videos, entstanden. Zudem holte er Künstler aus Polen für Auftritte nach Hiddenhausen. So fing auch seine Kulturarbeit für die Gemeinde an.

Vier Jahre dauerte die ABM, inzwischen hatte Grube sich dank seiner guten Kontakte zur lokalen Presse auch mit der Öffentlichkeitsarbeit für die Gemeinde ein zweites Standbein aufgebaut. Persönliche Kontakte waren es schließlich aber auch, dank derer er die Kulturarbeit weit nach vorn brachte. „Damals rief ich die Künstler persönlich an und machte mit ihnen Termine aus. Heute unvorstellbar.“

Bruno Krenz als Gast

1987 starteten die ersten Kulturveranstaltungen. „Bruno Krenz war der erste bekannte Künstler, den ich für eine Ausstellung nach Hiddenhausen geholt habe“, erzählt der 65-Jährige. Ein Jahr später zeigte unter anderem Jürgen Escher seine Bilder im Rathaus.

Nur ein Jahr nach der ersten Ausstellung gestaltete Grube den Flyer „Kultur in der Provinz“. Der Name war seine Idee, sagt er heute mit Stolz. Optisch hat sich das Programmheft kaum verändert. „Zweimal im Jahr ist es seit 1988 erschienen. Und nun ist Schluss. Das letzte Heft ist zum zweiten Halbjahr 2019 erschienen. „Kultur in der Provinz ist hier kaum noch angesagt. Die Konkurrenz ist einfach zu groß“, meint der Kulturexperte. Kinder-Veranstaltungen und Ausstellungen werde es aber weiter geben.

In den 34 Jahren im Hiddenhauser Rathaus standen für Christian Grube häufig Überstunden an. „Ich habe mich in die Kulturarbeit voll reingesteigert. Ich hatte nie ein anderes Hobby.“ Das Reisen sei ein bisschen zu kurz gekommen. Da gebe es im Ruhestand gemeinsam mit Ehefrau Heike einiges aufzuholen.

Außerdem engagiert sich der Vater dreier Töchter und Großvater zweier Enkel auch noch im Lokalrundfunk. Der 30. April ist für Christian Grube der letzte Arbeitstag. Und bis dahin werde er auch bleiben. „Schließlich habe ich noch einiges zu ordnen.“ Einen Teil seiner Arbeit wird es in Hiddenhausen danach nicht mehr geben, den anderen Teil wird seine Kollegin Christine Zingler übernehmen.

Startseite