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Mordanklage: Anonymes Schreiben entlastet Brüder – Aber ist es echt?

Bekennerbrief nach Bluttat

Hiddenhausen (WB). Überraschende Entwicklung nach der Bluttat in Eilshausen: In einem Brief gesteht ein Fremder, den 31-jährigen Raschad A. am Vatertag mit einem Messer getötet zu haben. Aber kann man dem anonymen Bekennerschreiben tatsächlich Glauben schenken?

Moritz Winde

An dieser Stelle verlor Raschad A. an Christi Himmelfahrt sein Leben. Blumen und Kerzen wurden niedergelegt. Foto: Kathrin Weege

Die ermittelnde Bielefelder Staatsanwältin Claudia Bosse sagt im Gespräch mit dieser Zeitung: »Der Brief ist handschriftlich verfasst, mehrere Seiten lang und über den Postweg gekommen. Welche Rolle er spielt, kann ich momentan nicht sagen.« Derzeit werde das Schreiben beim Landeskriminalamt in Düsseldorf untersucht. Kann die Handschrift jemandem zugeordnet werden? Finden sich sonstige Spuren auf dem Papier?

Inhaltlich will Bosse nicht näher auf das Schreiben eingehen. Nur so viel: »Es wird ein alternatives Szenario beschrieben. Die Tat soll nicht geplant gewesen sein.« Die Staatsanwältin geht bisher davon aus, zwei jesidische Kurden mit türkischer Staatsbürgerschaft hätten das Mordkomplott geschmiedet und ausgeführt – und zwar als Racheaktion.

Schreiben enthält Täterwissen

Die 30 und 32 Jahre alten Brüder sind wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt. Sie sollen ihr Opfer unter einem Vorwand nach draußen gelockt haben – angeblich, um sich nach einem Streit zu versöhnen. Dann wurde laut Obduktion 23 Mal auf den 31-Jährigen eingestochen. Der Deutsch-Libanese starb noch an Ort und Stelle auf dem Pflaster der Bünder Straße vor der Bäckerei Hensel.

Allerdings: Belastende Beweise haben die Behörden nicht gefunden – lediglich ein Feuerzeug, das am Tatort entdeckt wurde und einem Verdächtigen zugeordnet werden kann. Die Brüder, die kurz nach der Tat in U-Haft genommen wurden, schweigen zu den Vorwürfen. Zeugen gibt es nicht. Und auch das Messer bleibt bis heute verschwunden.

Nun, Monate nach dem Verbrechen, taucht plötzlich ein Bekennerbrief auf, der die Angeklagten entlastet und dessen Verfasser sämtliche Schuld auf sich nimmt. Zwar sagt Claudia Bosse, die Zeilen enthielten gewisses Täterwissen, »ich bin mir aber sicher, dass mehrere Leute darüber informiert sind, was in jener Nacht wirklich passiert ist«.

Die Staatsanwältin hatte jedoch mehrfach betont, es sei nicht auszuschließen, dass ein Dritter beteiligt gewesen sei. So oder so: Es läuft alles auf einen Indizienprozess hinaus.

Der Verteidigung spielt der Brief natürlich in die Karten: »Ich messe ihm eine erhebliche Bedeutung bei«, sagt Rechtsanwalt Tobias Diedrich.

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