1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Hiddenhausen
  6. >
  7. Den Blues im Blut

  8. >

Große Resonanz: Bad Temper Joe spielt vor etwa 100 Konzertgängern

Den Blues im Blut

Hiddenhausen (WB/dd). Er ist halt immer etwas mürrisch. Aber was soll der Mann machen? Er hat halt den Blues, und zwar durch und durch. Am Sonntagnachmittag begeisterte Bad Temper Joe gut 100 Konzertbesucher auf Gut Hiddenhausen mit gefühlvollem Gitarrenspiel und rauchiger Stimme.

Bad Temper Joe beweist sein Können an der Gitarre und begeistert mit einer ganzen Bandbreite vertonter Emotionen. Foto: Daniela Dembert

Solokünstler sind gefragt

„Nachdem der Auftakt zur Konzertreihe vergangene Woche eher gemütlich war, wurden wir heute überrannt“, lautet Anna von Consbruchs zufriedenes Fazit. Die Gutsherrin und ihre Helfer hatten alle Hände voll zu tun, die Gäste, die sich ordnungsgemäß weit über die Schattenplätzchen des kleinen Parks verteilt hatten, zu bewirten.

Bad Temper Joe ist „Musiker aus Berufung. Und ja, auch Berufsmusiker“. Die Corona-Krise habe ihn noch vergleichsweise glimpflich getroffen. Solokünstler seien für Freiluftveranstaltungen derzeit wieder gefragt. Das sehe am Ende der Saison vermutlich wieder anders aus.

„Vielleicht ist Corona auch eine Chance für einheimische Künstler“, meint der Bielefelder, der als Bluesmusiker derzeit ersatzweise für amerikanische Künstler des Genres gebucht wird. Zwar seien die Bedingungen für Konzerte momentan gewöhnungsbedürftig, „auf der anderen Seite erlebe ich ein sehr dankbares, aufmerksames Publikum“.

Viele Lieder handeln von Frauen

Gerne spickt der Sänger und Gitarrist seine Songs – er spielt nur eigene „weil ich die sehr gut finde“ – mit Einflüssen aus dem Countrysektor. Mal laut angeschlagen, mal leise gezupft oder impulsiv geslidet, entlockt er seiner Weissenborn Lap Steel Guitar die volle Bandbreite der Emotionen. Die Songs handeln nicht selten von Frauen, auch von solchen, „die man besser nicht seinen Eltern vorstellt“, so Joe, wie jene im „Nighthawk Women Blues No 9“ besungenen.

Ein Coverstück hatte er dann doch dabei „von einer mäßig begabten Band, deren Drummer Ginger Baker hieß“, kokettiert der Blueser, bevor er seine Version von „Spoonful“ zum Besten gibt. Gern lanciert Bad Temper Joe ein paar Klischees: „Ihr wisst ja, im Country singt man von der Hoffnung, dass die Frau zurück kommt, auch wenn das Pferd mal stirbt“, kommt aber immer authentisch daher.

Bester Europäer in Memphis

Sein musikalisches Können hat der Mann mit dem Hut erst jüngst als Finalist der diesjährigen International Blues Challenge im Memphis unter Beweis gestellt, aus der er als bester europäischer Act hervorgegangen ist. Von seiner Reise über den großen Teich hat Joe nicht nur Inspiration, sondern auch gleich ein neues Album mitgebracht, das den schlichten Titel "The Memphis Tapes" trägt.

Am kommenden Sonntag erwartet das Publikum auf Gut Hiddenhausen ein gänzlich anderes musikalisches Genre: Andres Düker spielt Erzlaute und Barockgitarre.

Startseite