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Tafel in Lippinghausen könnte mehr Kunden versorgen – Manche aber scheuen coronabedingt das Risiko

„Die Hemmschwelle ist noch zu groß“

Hiddenhausen (WB)

2015 eröffnete die Herforder Tafel eine Nebenstelle in Schweicheln. Doch mit der Zeit stellte man fest, dass das Gemeindehaus Am Kartel kein günstiger Ort für die Verteilung von Lebensmitteln an Bedürftige ist. Es kam zum Umzug ins Café Miteinander in Lippinghausen. Was zunächst nur als vorübergehende Lösung geplant war, soll jetzt eine langfristige Zukunft haben.

Karin Koteras-Pietsch

Das Team der Tafel versorgt die Menschen aus Hiddenhausen jeden Montag mit Lebensmitteln. Für den Verwaltungsaufwand wurde eigens ein Container für ein Büro angeschafft. Foto: Karin Koteras-Pietsch

„Wir dürfen in Lippinghausen bleiben“, sagt die Vorsitzende der Tafel, Barbara Beckmann. Die Zusage von Ordnungsamtsleiter Jörg Luttmann liege vor. Ob der Umzug mittelfristig auch zu mehr Kundschaft führen wird, ist allerdings noch nicht abzusehen.

„Bislang kommen nicht mehr Menschen als in Schweicheln hierher. Dort waren es bei jeder Ausgabe so um die 40, die für ihre Familien Lebensmittel holten – zumeist Flüchtlinge. Hier sind es etwas weniger“, erzählt Regina Schlaak, die die Hiddenhauser Tafel koordiniert. Und Barbara Beckmann ergänzt, dass dies vermutlich coronabedingt sei. „Viele Menschen trauen sich nicht, hierher zu kommen.“ Zudem biete die Tafel ja auch seit geraumer Zeit den Bringdienst für Senioren an. Wer den nutze komme nicht mehr zu Abholung.

Allerdings, so räumt Regina Schlaak ein, sei die Hemmschwelle, sich bei der Tafel mit Lebensmitteln zu versorgen, auch manchmal noch zu groß. Schlaak: „Ich höre immer mal wieder von Senioren, dass sie sich schämen.“ Dabei sei das überhaupt nicht nötig. Gerade für alleinstehende Rentnerinnen sei die Tafel ein tolles Angebot. Denn Altersarmut sei gerade unter ihnen ein Thema.

Barbara Beckmann hat aber auch andere Erfahrungen gemacht: „In Enger läuft die Tafel super. Hier kennen sich die Leute, sie kommen gerne, plaudern und freuen sich, Bekannte zu treffen. Sie und das Hiddenhauser Team gehen aber davon aus, dass der Zulauf „nach Corona“ auch in Lippinghausen besser wird.

Und der Gang zur Tafel lohnt sich für Menschen, die sich nicht immer einen Einkauf leisten können, allemal. „Wir geben nichts Verdorbenes weiter“, betont Beckmann, obwohl es hier um Lebensmittel geht, die die Supermärkte sonst wegwerfen würden.

Nun gibt es wie immer Obst und Gemüse, aber auch Bratwurst, oder jede Menge Knäckebrot. Draußen warten schon die Kunden mit ihren Einkaufstaschen. Hier wird streng darauf geachtet, dass die Menschen in der Warteschlange Abstand halten und nicht zu viele gleichzeitig im Café Miteinander sind. Sechs ehrenamtliche Mitarbeiter und vier Kunden sind erlaubt. Und das Team sorgt dafür, dass jeder genügend bekommt. Während in Herford wegen der großen Kundenzahl Tüten zu ausgemachten Terminen verteilt werden, dürfen die Kunden in Lippinghausen selbst wählen. „In dieser Größenordnung ist das noch machbar“, sagt Barbara Beckmann. Sie informiert auch darüber, dass die Tafel nicht nur einen neuen Container für Büroräume in Herford angeschafft hat, sondern auch einen weiteren Kühlwagen. Der wurde dringend für den Bringdienst gebraucht.

Alle Hiddenhauser Senioren, die nicht montags um 13 Uhr ins Café Miteinander kommen können, können auch den Bringdienst nutzen. Anmeldungen werden unter Telefon 05221/589453 entgegen genommen.

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