1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Hiddenhausen
  6. >
  7. Dieser Mann holt Streithähne an einen Tisch

  8. >

Frank Horstmeier ist seit September Schiedsmann der Großgemeinde

Dieser Mann holt Streithähne an einen Tisch

Hiddenhausen (WB). Frank Horstmeier erzählt voll Enthusiasmus von seinem Amt. Seit September ist der Oetinghauser Schiedsmann der Großgemeinde. »Es ist einfach total spannend, immer wieder anders und jedes Mal eine neue Herausforderung.«

Daniela Dembert

»Ich bin angetreten, um zerstrittene Menschen wieder an einem Tisch zu versammeln«, sagt Frank Horstmeier. Seit September ist der Oetinghauser Schiedsmann der Großgemeinde. »Es ist einfach total spannend, immer wieder anders und jedes Mal eine neue Herausforderung.« Foto: Daniela Dembert

Zwei komplette Schlichtungsverfahren und bestimmt zehn Beratungsgespräche – so genannte Tür-und Angel-Fälle – hat der 56-Jährige schon hinter sich.

Bereits vor der Ausschreibung der Gemeinde hat er sich mit dem Schlichterwesen beschäftigt. »Ich hatte mit meiner Frau den Vortrag eines Schiedsmannes besucht, der von seiner ehrenamtlichen Tätigkeit erzählt hat und habe danach gedacht, dass ich mir diese Aufgabe auch gut vorstellen könnte«, blickt Horstmeier zurück.

Amtszeit beträgt fünf Jahre

Bevor er sich dem Rat der Gemeinde als Anwärter auf das Amt vorstellte, habe er sich lange und gründlich eingelesen und gewusst, was auf ihn zukomme. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre. Ein angemessener Zeitraum, wie er findet. »Denn man muss in so ein Amt erst reinwachsen.«

Seine Motivation? »Ich bin angetreten, um zerstrittene Menschen wieder an einem Tisch zu versammeln.« Bei seiner täglichen Arbeit als Integrationsberater beim Arbeitsamt sei er immer sehr nah am Menschen. Nicht selten müssten erst Hürden aus dem Weg geräumt werden, um die Integration vorantreiben zu können.

Als Schiedsmann sei er nicht derjenige, der Lösungsvorschläge mache oder gar Recht spreche, stellt Frank Horstmeier klar. »Ich bin ja kein Rechtsanwalt.« Er biete Beratung und zu allererst ein offenes Ohr an. »Die Fälle entstehen ja nicht von heute auf morgen. Da schwelen Dinge schon lange unterschwellig, bevor einer Partei dann der Kragen platzt«, meint der zweifache Vater. Da müssten die betroffenen Parteien einfach mal die Gelegenheit haben, laut zu werden und Dampf abzulassen. »Ich räume jedem der Betroffenen Redezeit ein, damit nicht die rhetorisch überlegene Seite im Vorteil ist«, so Horstmeier.

Seit September im Amt

So sieht es auch sein Stellvertreter Bernd Ehlebracht. Der 56-Jährige Kommunalbeamte ist ebenfalls seit September neu im Amt. Als Vater von fünf Kindern habe er im Streitschlichten durchaus schon etwas Erfahrung, meint er schmunzelnd. Jetzt, da die Kinder groß seien, bleibe Zeit für Ehrenamtliches.

Das Schiedswesen befürworte er sehr. »Ich gehe erst mal vom Guten in jedem Menschen aus und davon, dass man miteinander reden kann. Außerdem gibt es vor Gericht in der Regel nur einen Gewinner«, gibt Bernd Ehlebracht zu bedenken.

Im Schiedswesen seien auch Einigungen, die nicht der gültigen Gesetzeslage entsprechen, möglich. »Wenn beispielsweise das Gesetz besagt, eine Hecke darf nur zwei Meter hoch sein, die Streitparteien einigen sich aber auf eine Höhe von 2,50 Meter statt der vier Meter, die derzeit ein Ärgernis darstellen, so ist diese Einigung rechtens und 30 Jahre gültig«, erklärt Horstmeier.

In den Mediationsbereich der Schiedspersonen fallen strafrechtliche, bürgerlich-rechtliche und vermögensrechtliche Angelegenheiten. Häufig ist der Gang zu einer Schiedsperson die Voraussetzung für eine spätere Klage am Amtsgericht.

Frank Horstmeier

»Das reicht von Verletzung des Briefgeheimnisses über Hausfriedensbruch, leichte Körperverletzung und Bedrohung bis zu grundstücksrechtlichen Streitigkeiten«, zählt Horstmeier auf. Dementsprechend umfangreich seien auch die Gesetzesvorlagen, erklärt er.

Weil das Schiedswesen nicht jedem geläufig ist, hat die Gemeindeverwaltung sich etwas ausgedacht: Im Abfallkalender 2019 werden Frank Horstmeier, Bernd Ehlebracht und deren Zuständigkeitsbereich im Monat Juni kurz vorgestellt. »Das fand ich zunächst merkwürdig, dann aber richtig clever«, erzählt Frank Horstmeier.

Für das neue Jahr wünsche er sich, möglichst viele Menschen mögen das Schiedswesen als gute Alternative zum Gerichtsverfahren in Anspruch nehmen, denn der Gang zum Rechtsanwalt verhindere meist auch die gütliche Einigung der Zerstrittenen auf lange Zeit.

Startseite
ANZEIGE