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Lehrer Schnücke dokumentiert Ereignisse in Schweicheln von 1914 bis 1926

Ein Gefangenenlager in der Schule

Hiddenhausen (WB). Das Schulleben hat in Schweicheln eine bewegte Geschichte. In einer Kriegschronik beschreibt Lehrer Johannes Schnücke die Ereignisse von 1914 bis 1926 – vom Ausbruch des ersten Weltkriegs bis in die Nachkriegsjahre. In einer Serie stellt das HERFORDER KREISBLATT einige Passagen aus der Chronik vor. Teil 1 berichtet aus den Jahren 1914 und 1915.

Karin Koteras-Pietsch

Dieses Foto zeigt Kriegsgefangene aus dem Lager in der Schweichelner Schule. Die Gefangenen sind Franzosen, Belgier, Engländer und Russen. Das Bild ist am Waldesrand des Schualplatzes aufgenommen worden. Über die Zeit, als der Schulneubau als Gefangenenlager genutzt wurde, berichtet Lehrer Johannes Schnücke in seiner Chronik. Foto: Gemeinde Hiddenhausen

Die ehemalige Dorfschule in Schweicheln (heute Museumsschule) war bis 1904 Schulgebäude. Von diesem Jahr an wurden in einem Nebengebäude (heute Privathaus) zwei Klassen unterrichtet. Im Schulgebäude wohnte Schulmeister Johannes Schnücke mit seiner Frau. 1913 wurde mit dem Bau eines weiteren Schulgebäudes an der Friedrich-Ebert-Straße in Schweicheln (heute Asylbewerber-Unterkunft) begonnen.

Lazarett in Eickhofschule

Aus dem Jahr 1914 berichtet Schnücke, dass in der Eickhofschule (Diakoniegelände) ein Vereinslazarett für Leichtverwundete eingerichtet wurde. In der Chronik heißt es: »Aus allen Schichten der Bevölkerung flossen Gaben für dasselbe zusammen. Im Herforder Vereinshause befindet sich eine Leibesgabensammelstelle des Roten Kreuzes für das Amt Herford-Hiddenhausen. Die ganze Einrichtung des Lazaretts war aus freiwilligen Gaben gestiftet. Kartoffeln, Gemüse, Wurst, Schinken, Eier, Geflügel usw. wurden reichlich aus den Dörfern herangebracht, auch fehlte es nicht an Geldspenden.

Im Winter versammelten sich alle 14 Tage die Frauen und Jungfrauen unseres Schulbezirks im 1. Klassenzimmer, um für unsere tapferen Feldgrauen zu stricken und zu nähen. Besonders galt es die erste Kriegsnot zu mildern, als die staatlichen Unterstützungen noch nicht geregelt waren und ausgezahlt werden konnten. Ich hab in den ersten Wochen 119 Mark an bedürftige Familien ausgezahlt, die ich gesammelt hatte. Nachträglich erhielten diese vom Kreis Mietzuschüsse, die häufig höher waren, als die zu zahlende Miete.«

240 Schüler

Während die Eickhofschule als Lazarett genutzt wurde, ging das Schulleben in Schweicheln weiter. Im Jahr 1915 besuchten am 1. Mai 236 Schüler die Klassen 1 bis 4, am 1. November waren 240 Schüler in den Klassen 1 bis 3, die von zwei Lehrern in drei aufsteigenden Unterrichtsklassen in zwei Räumen unterrichtet wurden. In der Kriegszeit wurde nach den Sommerferien die dreiklassige Schule eingerichtet.

1915 lag der wegen der steigenden Schülerzahlen erforderliche Schulneubau fast völlig still. Gearbeitet wurde laut Schnücke nur an den Bahnunterführungen. Schnücke: »Anfangs hieß es, daß in der neuen Schule ein Lazarett eingerichtet werden sollte. Dann wieder, die Schulräume sollten als Kornspeicher für das Kriegsgetreide des Amtes Herford-Hiddenhausen dienen... Da aber die Wege noch die Schule noch nicht in Ordnung waren, musste man davon Abstand halten.«

Besuch im Schützengraben

Die Kornvorräte wurden schließlich im Saal von Generotzky untergebracht. Die Schule an der Friedrich-Ebert-Straße wurde als Kriegsgefangenenlager eingerichtet. Die neue Schule wurde mit einem vier Meter hohen Stacheldrahtzaun umgeben, auch die Fenster wurden mit Stacheldraht vergittert. Schnücke schreibt: »Bei der Besichtigung des Lagers soll der Kommandant gesagt haben, es sei das Beste von den 70 Lagern, die er gesehen habe.«

In der alten Schule wurde weiterhin unterrichtet. Allerdings mussten die Schüler nebenbei auch auf den Feldern arbeiten. Und das Kriegsgeschehen war natürlich auch immer Thema. So besuchten die Schüler Schützengräben in Herford oder sangen bei Siegesfeiern. Ende 1915 besuchten immer noch 236 Schüler die Schule in Schweicheln.

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