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Renaturierungsarbeiten am Brandbach sollen im Spätsommer abgeschlossen sein

Eine Chance für Natur und Artenvielfalt

Hiddenhausen (WB)

Die Verbesserung der Struktur- und Artenvielfalt im Naturschutzgebiet Bustedter Wiesen ist das erklärte Ziel der Neu- und Umgestaltung des Brandbaches. Die Maßnahme, die 2014 begonnen wurde, ist Teil des Gewässerentwicklungsprojektes „Weser, Werre, Else“.

Karin Koteras-Pietsch

In den 60er Jahren ist der Brandbach künstlich begradigt worden. In diesem Jahr soll das Renaturierungsprojekt, dass den Bach in seinen ursprünglichen Verlauf zurückbringt, abgeschlossen werden. Foto:

Aktuell läuft der dritte und letzte Bauabschnitt zwischen Brücke und Autobahn. Im Spätsommer sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. „Allerdings macht uns gerade das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Es ist einfach zu nass“, sagt Umweltamtsleiter Volker Braun.

In den 1960er Jahren ist der Brandbach künstlich begradigt worden. Damals dachte man, dass das der richtige Weg sei. Heute weiß man, dass Tiere einen geschwungenen Verlauf, verschiedene Strukturen und unterschiedliche Wassertiefen benötigen, um dort leben zu können.

Anfang 2019 konnte Volker Braun berichten, dass die Maßnahmen, die von Mitarbeitern der Stiftung Maßarbeit für das Projekt Weser-Werre-Else durchgeführt werden, erste Früchte zeigten. Der Bach wurde in zwei Arme aufgeteilt, der alte, ruhige Bachlauf blieb erhalten, der neue wurde in einem vorhandenen Graben so angelegt, dass die Fließgeschwindigkeit höher wurde und sich die Wasserqualität verbesserte.

Ein Fischmonitoring hatte ergeben, dass sich die Artenvielfalt seit Beginn der Arbeiten erhöht hat: im Vergleich zu 2010 gab es in 2016 zehn statt sechs Arten.

Anfang vergangenen Jahres wurde mit den Vorarbeiten für den dritten Bauabschnitt begonnen. Gehölze wurden auf der neuen Bachtrasse gerodet, eine provisorische Baustraße wurde hergestellt.

Dann musste Totholz aus dem Gebiet entfernt werden, damit dies nicht vor ein Bauwerk des Werre-Wasserbandes am Hochwasserrückhaltebecken in der Bünder Straße gespült wird. Dort hätte dies zu großen Problemen führen können.

„Nun werden Baumwurzeln ausgebuddelt und an anderer Stelle wieder eingebettet“, erklärt der Umweltamtsleiter. Die derzeitigen Arbeiten, so Braun, können nur bis Ende Februar laufen. „Das sind die Auflagen des Naturschutzes. Im März beginnt die Krötenwanderung, es folgt die Brutzeit der Vögel und die Setzzeit junger Rehe“, nennt Braun einige Beispiele. Weiter gearbeitet werden kann erst im August. Dann soll ein Zulauf in das alte Bachbett gebaut werden, die Wurzelstubben werden weiter eingebaut, Flutmulden angelegt und Gehölze angepflanzt.

Die Baukosten für das Projekt liegen bei 165.000 Euro, 80 Prozent werden durch das Land NRW gefördert, 33.000 Euro muss die Gemeinde selbst aufbringen. Die vergleichsweise hohen Baukosten kämen schon allein deshalb zusammen, weil immerhin 120.000 Euro für die Abfuhr von 2.400 Kubikmeter (4800 Tonnen) Boden ausgegeben werden mussten, sagt Braun.

Er erläutert auch, dass das alles seine Zeit gebraucht habe, weil sehr viel von Hand erledigt worden sei. Für das Ausheben der Erde hätten nur kleine Bagger genutzt werden können, um so wenig Naturraum wie möglich zu beschädigen. „Und allein der Weg vom Bachlauf bis zur Verladestelle war 350 Meter lang.“

Der Umweltamtsleiter weist schon einmal darauf hin, dass Besucher in diesem Teil des Naturschutzgebietes nicht willkommen sind. Jogger, Wanderer oder Radler sollten sich weiterhin im Bereich um den Anglerteich aufhalten. Braun: „Östlich des Teiches wurde der ruhigste Raum des Naturschutzgebietes geschaffen, ein Rückzugsgebiet, in dem Tiere ihre Ruhe finden und Pflanzen eine Chance haben.“ Und: Hiddenhausen sei eines der am dichtesten besiedelten Gebiete in OWL. „Deshalb dient dieser Bereich in erster Linie nicht den Menschen, sondern dem Schutz der Natur.“

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