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Rhodesian Ridgeback Leo ist der ruhende Pol im Unterricht der Eickhofschule

Eine Spürnase für gestresste Kinder

Hiddenhausen (WB). Leo gehört fest zum Kollegium der Eickhofschule. Auch ohne pädagogische Ausbildung ist der Rhodesian Ridgeback ein Experte dafür, Kinder zu beruhigen und zum Lernen zu animieren. Da er bald »in Rente« geht, hat Lehrerin Britta Oltmanns schon für einen Nachfolger gesorgt.

Ruth Matthes

Lehrerin Britta Oltmanns hat erstmals den kleinen Jamali mit in die Eickhofschule gebracht. Er soll in einem Jahr die Nachfolge von Schulhund Leo antreten, der dann »in Rente geht«. Die Schüler Anna, Dustin, Florian, Leonie und Stefan (von links) und Schulleiter Andreas Neifer haben beide in ihr Herz geschlossen. Foto: Ruth Matthes

»Vor achteinhalb Jahren war Leo, der damals ein Jahr alt war, zum ersten Mal mit mir im Unterricht«, erzählt Oltmanns. Sie hatte zuvor eine Ausbildung gemacht, in der sie lernte, wie man einen Hund so einsetzen kann, dass er den Kindern und Lehrern an der Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung eine Hilfe sein kann. »Außerdem haben wir gemeinsam Einzelstunden bei einem Hundetrainer genommen, damit Leo aufs Wort gehorcht«, erzählt sie. Dasselbe wird sie auch mit dem 14 Wochen alten Jamali machen, der in einem Jahr die Nachfolge von Leo antreten soll.

Soziales Wesen

»Die südafrikanische Hunderasse Rhodesian Ridgeback ist vom Wesen her sehr gut als Schulhund geeignet, weil die Tiere ein feines Gespür für den Menschen und seine Stimmungen haben und sehr geduldig sind«, so Oltmanns. Die Züchterin hat ihr bei der Auswahl des neuen Schulhundes geholfen und einen Welpen ausgesucht, der keine Scheu vor Menschen zeigt, nicht ängstlich und stressfest ist.

Dass ein Schulhund einiges an Tumult aushalten können muss, wurde bei Jamalis erstem Besuch in der Schule nur zu deutlich. Die Kinder waren ganz begeistert von dem süßen Hund, wollten ihn streicheln und mit ihm kuscheln. »Im täglichen Zusammensein haben wir deshalb klare Regeln«, sagt Schulleiter Andreas Neifer, der selbst auch mit Leo in den Unterricht der Unterstufe geht. »Die Kinder dürfen nur einzeln auf ihn zugehen, müssen ihn erst mal an ihrer Hand schnuppern lassen und dürfen ihn in der Klasse nicht rufen. Außerdem bekommt er regelmäßig seine Auszeiten.«

Positive Wirkung

Die Wirkung des Hundes auf die Kinder sei erstaunlich positiv. »Wir hatten zum Beispiel ein autistisches Kind in der 5. Klasse. Wenn es unter Stress stand, durfte es mit dem Hund schmusen. Das gab dem Kind viel Halt«, erzählt der Schulleiter.

In der Klasse sucht der Hund automatisch das Kind, das den meisten Stress ausstrahlt. »Leo kann das erspüren und geht dann zu ihm«, berichtet Oltmanns. »Der Hund setzt sich dann neben den Schüler und legt den Kopf auf dessen Bein. Viele kommen so wieder zur Ruhe.« Bemerkenswert sei auch die Tatsache, dass Leo der Einzige ist, für den die Kinder mit dem Stuhl-Kippeln aufhören. »Wenn ich sage, der Hund könnte sich sonst seine Pfoten unter den Stuhlbeinen einklemmen, halten auch die Hibbeligsten inne«, berichtet Neifer. Die Stimmung in der Klasse sei einfach eine andere, wenn der Hund da ist. Die Schüler sind ruhiger, denn sie wissen: Der Hund erträgt Lautstärke nicht.

Eisbrecher

Auch in zahlreichen Einzelsituationen sei Leo eine große Hilfe. »Es kommt bisweilen vor, dass Schüler, die zum ersten Mal zu uns kommen, keine guten Erfahrungen mit Schule gemacht haben, und gar nicht aus dem Auto der Eltern aussteigen wollen«, erzählt der Pädagoge. »Leo ist da ein hervorragender Türöffner, der uns einen Zugang zu den Kindern ermöglicht.« Der Hund ist bei der Begrüßung dabei oder geht, wenn nötig, auch allein zum Auto, um das Eis zu brechen. »Wir hatten einen Jungen mit einer regelrechten Schulphobie. Auch den hat Leo überzeugen können, uns eine Chance zu geben«, freut sich der Schulleiter.

Auch mit den Förderschülern an der Olof-Palme-Gesamtschule arbeiten Leo und Britta Oltmanns. »Wir machen dann Übungen zu Nähe und Distanz, zur Körperwahrnehmung oder auch Konzentrationsübungen«, erklärt sie. »Wenn die Gedanken des Schülers abschweifen, bleibt der Hund nicht bei Fuß, also üben die Kinder, sich länger auf etwas zu konzentrieren, weil sie möchten, dass Leo bei ihnen bleibt.«

Nun hat Leo bald eine weitere Aufgabe: Er muss Jamali anlernen, der zunächst gemeinsam mit seinem großen Verwandten die Klassen besuchen wird. »Dann geht Leo in Altersteilzeit«, sagt Oltmanns, »bis sich Jamali alles von ihm abgeschaut hat.«

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