1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Hiddenhausen
  6. >
  7. Gemeinde nimmt mehr Flüchtlinge auf

  8. >

2019 schon 23 Zuweisungen – Wohnraum und Kita-Plätze werden knapp

Gemeinde nimmt mehr Flüchtlinge auf

Hiddenhausen (WB). Die Zeiten, in denen die Gemeinde in einem Jahr mehr als 300 Geflüchtete unterbringen musste, sind vorbei. Doch auch heute noch stellt die Flüchtlingsbetreuung die Verwaltung vor Herausforderungen. Ordnungsamtsleiter Jörg Luttmann, gibt einen Überblick.

Ruth Matthes

Für alle Migranten, die keinen offiziellen Sprachkurs erhalten, bietet die VHS einen Kursus im Café Miteinander am Rathausplatz an. Derzeit hat der VHS-Kurs Pause. In der Übergangszeit finanziert die Gemeinde Lehrerin Zeinab Kaawar (Mitte). Über die Kontinuität freuen sich (von links) Falak Chek Al Hadadin, Samar Alsafra, Noura Jadouf und Hanan Hadad. Fotos: Ruth Matthes Foto:

Die Zahl der Neuzuweisungen ist in den vergangenen Wochen wieder gestiegen. Bis zum 5. März nimmt die Gemeinde in diesem Jahr bereits 23 Flüchtlinge auf. Seit September 2018 sind es insgesamt 47. Dabei handelt es sich nicht um Familiennachzug. Der ruhe derzeit, so Luttmann. Insgesamt leben in der Großgemeinde 125 Menschen, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen, die also einen Asylantrag gestellt haben oder geduldet werden. 13 Flüchtlinge absolvieren eine Ausbildung. 31 haben eine sozialversicherungspflichtige Arbeitstelle.

Wohnungsmangel

»Diese Zuweisungen sind angesichts der angespannten Wohnungssituation in Hiddenhausen eine Herausforderung«, sagt Jörg Luttmann. Insbesondere für Einzelpersonen und große Familien sei die Anmietung einer eigenen Wohnung faktisch unmöglich. So sei es derzeit schwierig, dem Leitsatz »Jeder Familie eine Wohnung – jedem Flüchtling ein Zimmer« zu folgen.

Ein zusätzliches Problem ergibt sich daraus, dass immer häufiger alleinerziehende oder alleinstehende Frauen kommen. »Die können wir nicht in die Unterkünfte stecken, in denen nur Männer wohnen«, so Luttmann. Deshalb würden nun andere Familien in ein leer stehendes Haus umziehen, damit die Neuzugänge in der fremden Umgebung nicht völlig allein sind.

Herkunft

Herkunftsland ist neben den bekannten Staaten, wie Syrien, Irak, Albanien und Afghanistan, auch die Türkei. Ob dies mit der Politik Erdogans zusammen hängt, kann Luttmann nur vermuten. Die Mitarbeiterin der Jugendhilfe Schweicheln, die sich im Rathaus um die Flüchtlingsberatung kümmert, betreut auch Osteuropäer. Dabei handelt es sich um EU-Arbeitsmigranten. »Sie müssen wir ebenfalls im Blick haben«, so Luttmann. »Dieser Personenkreis lebt bisweilen in recht prekären Verhältnissen.«

Arbeitsmigranten könnten auch an dem Sprachkurs von VHS und Gemeinde teilnehmen, der im Café Miteinander angeboten wird. Er spricht alle an, die (noch) keinen offiziellen Kursus besuchen. Hier geht es um Sprachkompetenz, den Erhalt der Tagesstruktur und die gegenseitige Unterstützung.

Dublin-Fälle

Auf wenig Verständnis stößt bei Luttmann die Politik des Landes, dass Flüchtlinge, die in einem anderen EU-Land bereits einen Asylantrag gestellt haben, so genannte Dublin-Fälle, nun doch auf die Gemeinden verteilt werden, statt sie aus den Aufnahmeeinrichtungen zurückzuschicken. »Die Zahl wird nicht auf unsere Quote angerechnet, da sie schon abgewiesen sind, unterbringen müssen wir sie aber trotzdem«, stellt er kopfschüttelnd fest. »Hinzu kommt, dass die Menschen wissen, dass sie nicht bleiben können und so in den Untergrund gedrängt werden.« Um diese Menschen zu beschäftigen, setzt Luttmann dennoch auf Förderung.

Die Versorgung mit Kita-Plätzen wird schwieriger und gelingt nicht immer. Vorwiegend werden Kinder versorgt, die bald eingeschult werden. Eine Erweiterung des Angebots werde erwogen.

Startseite