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Kontaktbüro Pflegeselbsthilfe Demenz bietet Gespräche für Frühbetroffene an

„Ich bin vergesslich, aber nicht blöd“

Hiddenhausen (WB). „Jetzt hab ich das schon wieder vergessen.“ Menschen mit einer beginnenden Demenz sagen diesen Satz immer häufiger, manchmal laut, manchmal leise. Die Vertreter des Kontaktbüros Pflegeselbsthilfe Demenz sind seit Jahren Ansprechpartner für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.

Karin Koteras-Pietsch

Günter Niermann, Karin Alex und Traugott Pfaff (von links) bieten Gespräche für Demenz-Frühbetroffene an. Foto: Koteras-Pietsch

Nun wollen sie sich einer neuen Gruppe zuwenden: den Frühbetroffenen. Gemeint sind damit Menschen, die mit 50 oder früher an Demenz erkranken. Karin Alex, die Demenzsprechstunden im Haus Stephanus anbietet, sowie Günter Niermann und Traugott Pfaff aus Enger wissen, dass „die Sehnsucht nach Gesprächen“ gerade nach den langen Monaten coronabedingt ohne Gruppentreffen enorm ist. „Wir starten wieder durch“, sagt Günter Niermann. Das bedeutet, alle bekannten Demenz-Gruppen des Kontaktbüros sind selbstverständlich unter Beachtung aller Hygienevorschriften wieder angelaufen.

Was wird sein?

Und nun sind auch die Frühbetroffenen angesprochen. „Manche von ihnen verdrängen die Symptome, manche setzen sich damit auseinander, fragen sich ‚Was wird sein?‘“, sagt Günter Niermann. Die Persönlichkeit der Menschen verändere sich, sie hätten bislang Gesprächen folgen können, das gehe nun nicht mehr, ergänzt Traugott Pfaff, der bereits eine Gruppe für Frühbetroffene in Enger anbietet.

Günter Niermann vom Generationentreff hat die Erfahrung gemacht, dass mit Frühbetroffenen ganz differenziert gearbeitet werden kann. „Sie haben noch eine gewisse Erwartung, sie sprechen für sich: ‚Ich bin vergesslich, aber nicht blöd.‘“ Entscheidend sei, dass man da behilflich sei, wo die Menschen es wollen.

Krankheit nicht totschweigen

Ganz wichtig sei, so Karin Alex, dass man darüber rede, die Krankheit nicht totschweige. Sie empfiehlt, die Gespräche geschlechterspezifisch zu führen. Für ebenso wichtig erachtet sie, dass die Angehörigen während der Gruppentreffen in einem anderen Raum Kaffee trinken. „In gemischten Gruppen geraten die Betroffenen sonst schnell ins Hintertreffen, sie reden dann nicht so viel“, weiß Alex aus Erfahrung.

Im frühen Stadium der Demenz, das wissen die drei Vertreter des Kontaktbüros, nehmen die Menschen die Beeinträchtigung ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit und die damit einhergehenden Verluste sehr bewusst war. Dieses führt neben seelischen Belastungen und depressiven Verstimmungen häufig zu einem sozialen Rückzug. Diese besondere Lebens- und Krisensituation von Betroffenen im Frühstadium stellt deshalb eine neue Herausforderung dar.

Erster Kontakt per Telefon

Betroffene und Angehörige sollten anfangs telefonisch Kontakt zu einem der drei Vertreter aufnehmen. Zunächst werden dann Einzelgespräche mit den Menschen mit der beginnenden Demenz geführt. In einer Sicherheit vermittelnden Atmosphäre können die Menschen sich mitteilen und mit anderen über ihre Erfahrungen sprechen. Hier wird besonders auf eine feinfühlige Interviewtechnik geachtet. Durch ausreichend Zeit wird das Vertrauen der Menschen gewonnen. Karin Alex: „Geplant sind erst einmal Gespräche. Es können sich aber auch Aktivitäten mit mehreren Betroffenen ergeben. Immer nach dem Wunsch der Betroffenen.“

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