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Ulrich Rottschäfer geht nach 32 Jahren in den Vorruhestand

»Ich wollte immer Dorfpfarrer sein«

Hiddenhausen (WB). Ulrich Rottschäfer ist Dorfpfarrer mit Leib und Seele. Er schätzt den direkten Kontakt mit den Menschen. Nach 32 Jahren, in denen er sieben Tage die Woche im Einsatz war, wird er nun Anfang Juli in den Vorruhestand verabschiedet.

Ruth Matthes

Ulrich Rottschäfer an der Tür zur Sakristei der Hiddenhauser Gangolfkirche, die seit 32 Jahren sein zweites Zuhauses ist. Am Sonntag, 1. Juli, wird der evangelische Pfarrer von Superintendent Michael Krause im Gottesdienst um 10 Uhr verabschiedet. Foto: Ruth Matthes

»Wie lange ich schon hier bin, merke ich, wenn ich die Enkel derjenigen taufe, die ich schon getraut habe«, sagt Rottschäfer schmunzelnd. Für ihn ist Hiddenhausen die erste und letzte Pfarrstelle, was für einen evangelischen Geistlichen des Jahrgangs 1955 eher selten ist. »Bei der damaligen Theologenschwemme war es üblich zu wechseln. Doch in Westfalen konnte man bleiben, wenn Gemeinde und Pfarrer der Meinungen waren, dass es passt«, erklärt er.

Im Wandel der Zeit

Mit Rottschäfer und den Hiddenhausern passte es, seit der gebürtige Bad Oeynhausener 1986 – nach einem Jahr als Hilfspfarrer in Eils-hausen – an St. Gangolf als Pfarrer eingeführt wurde. Die Gemeinde war damals noch selbstständig, hatte einen eigenen Kindergarten und eine Gemeindeschwester. »Gerne erinnere ich mich an die viertägigen Gemeindefahrten, die wir von 1987 bis 2009 jährlich unternommen haben«, blickt Rottschäfer zurück. Sie führten nach Dresden, Weimar, Rotterdam oder Travemünde – »und sie ließen die Reisenden zusammenwachsen«.

Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen stark geändert. Aus der politischen Ortsgemeinde zogen viele junge Leute weg. Der demografische Wandel tat ein Übriges. Wegen des Rückgangs der Gemeindegliederzahlen wurde Rottschäfers ganze Stelle an St. Gangolf 2012 zu einer halben. Mit Lippinghausen erhielt er eine weitere halbe dazu. Die evangelischen Gemeinden hatten sich zur Stephanus-Gemeinde vereinigt.

In Freud und Leid

Seit einiger Zeit beobachtet der Pfarrer jedoch einen gegenläufigen Trend: »Eine ganze Reihe junger Leute kommt wieder in ihre Heimat zurück.« An der These von der Rückbesinnung auf Heimat und Familie als Halt in einer unübersichtlicher gewordenen Welt scheine etwas dran zu sein.

Rottschäfer kann das gut verstehen: »Mein Wunsch war immer, Dorfpfarrer zu sein, in die Großstadt hat mich nichts gezogen«, sagt der 62-Jährige. Seine Amtszeit war eine abwechslungsreiche Zeit mit vielen Festen, Renovierungen und Konzerten, auf die er gerne zurückblickt. »Ich durfte die Menschen in großer Freude und tiefem Leid begleiten – immer mit demselben Ziel: das Evangelium zu verkünden, die frohe Botschaft, dass da jemand ist, der einen hält im Leben und im Sterben«, sagt er.

Historisch interessiert

Trotz des Wandels blickt der Pfarrer zuversichtlich in die Zukunft: »Im Laufe der Jahrhunderte hat sich das Bild der Kirche stets geändert. Das ist kein Drama.« Doch die Gemeindearbeit werde sich ändern müssen. »Wir sind an einem Punkt angekommen, wo wir neue Wege gehen müssen«, so Rottschäfer. Unterschiedliche Gottesdienstformen und mehr offene Angebote seien nötig. Seine Nachfolgerin Vera Gronemann sei dafür bestimmt genau die Richtige.

Im Ruhestand zieht Rottschäfer mit seiner Frau Beate nach Leopoldshöhe, in ein Haus seiner Vorfahren. Hiddenhausen wird er als Mitglied des Heimatvereins verbunden bleiben. Und auch als Schatzmeister des Vereins für Westfälische Kirchengeschichte will er weiter aktiv sein.

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