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Hans-Hasso Kleina hat sich intensiv mit der Barrierefreiheit in Hiddenhausen beschäftigt

„Immer den Finger in die offene Wunde legen“

Hiddenhausen

Das Jahr 2014 veränderte das Leben von Hans-Hasso Kleina für immer. Der damals 67-Jährige erlitt innerhalb kürzester Zeit zwei Schlaganfälle und kämpft sich danach zurück ins Leben. Als Mitglied des Senioren- und Behindertenbeirats kämpft er für Barrierefreiheit und behindertengerecht ausgestattete Räume – sowohl öffentlich als auch privat.

Von Sonja Töbing

Zum Gemeindebüro Eilshausen führt zwar eine Rampe hinauf, doch die Tür lässt sich nur nach außen öffnen, sodass der Weg hinein für Rollstuhlfahrer wie Hans-Hasso Kleina versperrt ist. Foto: Sonja Töbing

Das Jahr 2014 veränderte das Leben von Hans-Hasso Kleina für immer. Der damals 67-Jährige erlitt innerhalb kürzester Zeit zwei Schlaganfälle, die rechte Halsschlagader war komplett verstopft, ein Teil des Blutgerinnsels gelangte ins Gehirn und richtete dort schwere Schäden an. Heute, sieben Jahre danach, ist die linke Körperhälfte des Hiddenhausers gelähmt, er ist auf Rollstuhl, Stock und Elektro-Dreirad angewiesen. Als Mitglied des Senioren- und Behindertenbeirats kämpft er für Barrierefreiheit und behindertengerecht ausgestattete Räume – sowohl öffentlich als auch privat.

In der jüngsten Sitzung des Beirats Anfang September stellte Hans-Hasso Kleina seinen Mitstreitern eine detailliert ausgearbeitete Power-Point-Präsentation vor. „Ich habe mit meinem Dreirad eine Rundtour durch die einzelnen Ortsteile gemacht und mich vor allem auf Kirchen, Gemeindehäuser und Friedhöfe sowie die dazu gehörigen Parkplätze konzentriert“, berichtet der Rentner, der durch die Beiratsarbeit eine neue Passion und einen neuen Lebenssinn für sich entdeckt hat. Denn, so der ehemalige Konrektor der Realschule Bünde-Mitte: „Während der ersten Monate nach dem Schlaganfall habe ich schon mit mir gehadert.“ Jeden Morgen mit dem Rad zur Arbeit, regelmäßige Zehn-Kilometer-Läufe – alles das war plötzlich nicht mehr möglich. „Zum Glück wurde mein Sprachzentrum nicht in Mitleidenschaft gezogen. Geistig bin ich fit“, sagt Kleina dankbar.

Das sind die Schwachstellen

Beim Treffen vor dem Gemeindehaus Eilshausen fallen erste Schwachstellen auf: „Es gibt zwar eine Rampe vor dem Eingang zum Gemeindebüro, allerdings öffnet sich die Tür zur falschen Seite und blockiert somit den Weg“, erklärt der Rentner. Und wenn dann noch ein Fahrrad auf der Rampe abgestellt sei, gebe es für Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Rollator kein Weiterkommen mehr. „Und auch die Eingangstür zum Gemeindehaus öffnet sich nach außen – für mich ist es ohne Hilfe unmöglich, hineinzukommen“, betont Kleina.

Immerhin gebe es vor dem Gemeindehaus einen Behindertenparkplatz: „Das ist in anderen Ortsteilen wie Sundern und Schweicheln nicht der Fall, auch an der Eilshauser Kirche nicht.“ Die um das Rathaus hinaufführende Rampe sei zu schmal und zu steil, das solle sich aber bald ändern.

Mittlerweile seien etliche Baumaßnahmen und Veränderungen in Angriff genommen worden, wofür Kleina sehr dankbar ist: „Man muss immer wieder den Finger in die Wunde legen und nachhaken, um etwas zu erreichen.“ Die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Andreas Hüffmann, der Verwaltung und den Kirchengemeinden funktioniere hervorragend und sei äußerst produktiv. So weiche in Kürze das Kopfsteinpflaster auf dem Rathausplatz und mache Platz für einen „huckelfreien“ Belag. Im Gemeindehaus Lippinghausen sei eine behindertengerechte Toilettenanlage installiert worden, in Hiddenhausen und Eilshausen gebe es sie bereits seit längerem.

Auch die umfassende Sanierung des Mittelstufenhauses der Olof-Palme-Gesamtschule mit barrierefreien Zugängen zu Aula, Bühne und Lehrküche im ersten Obergeschoss sei zu nennen. „Es tut sich auf jeden Fall etwas, unser Bürgermeister zeigt großes Interesse an unserer Arbeit“, freut sich Kleina. Hinsichtlich der zu beantragenden möglichen Fördermittel gebe es sicherlich noch „Luft nach oben“, auch so manche bürokratische Hürde müsse genommen werden.

Einsatz für Schlaganfallhilfe

Dank der Unterstützung durch den Vorsitzenden des Senioren- und Behindertenbeirats, Axel Grothe, sowie Andrea Stroba von der Verwaltung gebe es jedoch immer kompetente Ansprechpartner. „Besonders Herr Grothe ist ein echter Gewinn für unsere Gruppe“, lobt Kleina den Schulleiter des Johannes-Falk-Hauses.

Der engagierte Hiddenhauser weist in diesem Zusammenhang auch auf die Schlaganfall-Selbsthilfegruppe Herford hin, deren Sprecher er ist: „Viele Betroffene haben Angst, sich Hilfe zu holen oder auf Missstände aufmerksam zu machen. Wer Interesse hat, die Gruppe zu besuchen oder hier in Hiddenhausen für mehr Barrierefreiheit zu kämpfen, darf sich gerne bei mir melden.“ Hans-Hasso Kleina ist unter der Rufnummer 05223/85826 erreichbar.

Weitere Informationen gibt es auch hier im Netz

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