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Interview mit der Schauspielerin und Kabarettistin Nadja Kruse – Auftritt in der OPG

»Improvisation ist heilsam«

Hiddenhausen (WB). Schauspiel, Kurzfilm, Theaterpädagogik, Kabarett: Nadja Kruse liebt die Abwechslung. Mit ihrem ersten Kabarett-Programm »Bombenerfolg« gastiert die gebürtige Schweichelnerin am Freitag, 1. März, auf der Kleinkunstbühne. Ruth Matthes sprach mit ihr über ihren Auftritt in der alten Heimat und aktuelle Projekte.

Kabarettistin Nadja Kruse hat am Freitag, 1. März, ein Heimspiel. Die gebürtige Schweichelnerin kehrt in die Heimat zurück, um auf der Kleinkunstbühne der Olof-Palme-Gesamtschule ihr erstes Solo-Programm »Bombenerfolg« zu präsentieren. Foto: Melissa Wagner

Sie haben nach Ihrer Ausbildung in Hamburg viel Theater gespielt, Filme gedreht und waren auch hinter der Kamera aktiv. Wie kam es nun dazu, dass Sie ein eigenes Kabarettprogramm geschrieben haben?

Nadja Kruse: Alles fing damit an, dass ich vor zweieinhalb Jahren einen Comedy-Kurs in Köln besucht habe. Dort habe ich mir spontan das Thema Waffen ausgesucht, weil ich es wichtig finde, dass man sich mit den globalen Folgen der deutschen Waffenexporte beschäftigt. Das Totschlagsargument Arbeitsplatzsicherung ist meiner Ansicht nach sehr kurz gedacht. Ich sammelte also Informationen und dabei kristallisierte sich eine Figur heraus, mit deren Hilfe ich das ernste Thema witzig rüberbringen kann: Karin, die als Waffenkontrolleurin arbeitet und ihren Job so richtig liebt. Aber auch der Russe Nicolai darf mal auftreten – verhinderter Poet mit Beziehungsproblemen.

Das klingt, als ob die Hiddenhauser ziemlich schwarzer Humor erwartet.

Kruse: Das stimmt. Bisweilen bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Aber damit es auch eine entspanntere Ebene gibt, habe ich dem Ganzen einen Rahmen gegeben und ergänze es um Improvisation. Ich stehe als Gastgeberin Nana Sturm auf der Bühne, die die anderen Figuren einführt und auf Anregungen des Publikums hin auch improvisiert. Aber keine Angst: Ich ziehe niemanden auf die Bühne, der nicht möchte. Es passiert aber durchaus, dass Zuschauer spontan mitspielen.

Wie kamen Sie auf den Namen Nana Sturm?

Kruse: Nana war der Spitzname, den mir meine beste Freundin gegeben hat, und Sturm ist der Mädchenname meiner Großmutter. Der passt zum Kabarett.

Sie haben bereits zuvor Improvisationstheater gespielt. Was reizt Sie daran?

Kruse: Damit habe ich schon 1998 angefangen. Später hatte ich es auch in der Schauspielausbildung und habe auch mal einen Kurs beim Improvisations-Papst Keith Johnstone besucht. Das Besondere ist, dass man über sich selbst lachen können muss. Man braucht den Mut, das Scheitern zu riskieren, denn es gelingt nicht immer alles. Man muss die Antennen ausfahren und offen sein für die Impulse der anderen und des Publikums. Ich empfinde Improvisation als sehr heilsam. Die Gesellschaft braucht Menschen, die Mut haben, etwas auszuprobieren und aufeinander eingehen.

Glauben Sie, dass politisches Kabarett etwas bewirken kann?

Kruse: Ich träume schon von einer besseren, friedlichen Welt, aber ich weiß auch, dass ich mit meinem Auftritt nur einen Impuls geben kann. Wenn die Leute ins Nachdenken kommen, habe ich schon was erreicht.

Wenn Sie nicht gerade auf der Kabarettbühne stehen, was treibt Sie sonst noch um?

Kruse: Momentan schreibe ich bereits an dem zweiten Kabarett-Programm. Ich habe damit etwas gefunden, was ich auf jeden Fall weitermachen möchte. Das gilt auch für die Kurzfilmerei. Da habe ich schon alles gemacht: Regie, Schnitt, Kamera. Bei meinem aktuellen Kurzfilm stehe ich auch vor der Kamera. Der Arbeitstitel ist ›Superposition‹, ein Begriff aus der Quantenphysik. Darin geht es um eine Frau, die sich in einem Moment der extremen Achtsamkeit aus dem starren Zeit-Raum-Konstrukt löst und wie ein unbeobachtetes Elektron bewegt. Die Idee, dass die Welt nicht so ist, wie wir sie uns konstruieren und sie wahrnehmen, fasziniert mich.

Sie leben abwechselnd in der Oberlausitz und in Belgien. Das liegt nicht gerade die Ecke herum und auch nicht nah beieinander. Wie kam’s?

Kruse: Die Männer sind schuld (lacht). Zunächst bin ich der Liebe wegen in den Kreis Görlitz gezogen. Die Beziehung hatte sich bald erledigt, aber ich habe mich in die Gegend verliebt und bin geblieben. Nach Hamburg und Berlin habe ich dort die Ruhe gefunden, die ich zum Schreiben brauche. Dann habe ich mich in einen Belgier verliebt. Nun pendele ich.

Machen Sie dabei auch Abstecher nach Hiddenhausen?

Kruse: Klar. Ich mache auf meinen Reisen gerne Zwischenstationen: beim Bruder in Frankfurt oder meiner Mutter in Oetinghausen.

Hat sich für ihren Auftritt in der OPG schon Besuch angesagt?

Von einigen Verwandten und Bekannten weiß ich, dass sie kommen. Ich freue mich, viele Gesichter aus alten Zeiten wiederzusehen. Wenn mein Deutschlehrer, Herr Brönhorst, käme – das würde mich freuen!

Kartenvorverkauf

Karten für das Programm »Bombenerfolg«, das am 1. März um 20 Uhr beginnt, gibt es bei der Gemeindebücherei und im Bürgerbüro in Hiddenhausen (Telefon 05221/964-120 und -200), in der Buchhandlung Auslese in Herford, bei Schultz-Bürosysteme in Enger, bei der Werbeagentur Anker & Naber in Bünde, der Buchhandlung Dehne in Löhne und in Schildesche bei Christian Wolf Musikinstrumente.

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