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In Bangladesch gibt es keine Tannenbäume zum Fest - wie Monas Familie den „großen Tag“ in Hiddenhausen erlebt

Kerze flackert daheim unter Bananenblättern

Hiddenhausen

Nein, einen Weihnachtsbaum gebe es in Bangladesch nicht. Aber jetzt, da hätten sie einen. In der Tat. Vor der Haustür der Familie von Mona (8) steht eine etwa zweieinhalb Meter hohe Tanne, geschmückt mit einer knallbunten Lichterkette.

Karin Koteras-Pietsch

Foto:

Und im Wohnzimmer? „Da soll keiner hin. Hier stellen wir nur ein bisschen Deko auf“, erzählt die Achtjährige.

Vor zwei Jahren kam das Mädchen mit ihren Eltern nach Deutschland. Ihre Heimat Bangladesch war für die Christen-Familie nicht mehr sicher. Nun ist Weihnachten. Bengalische Christen feiern den Tag als „Borodin“ (großer Tag). Und wenn Mona von den Bräuchen in ihrer Heimat erzählt, dann kommen viele Erinnerungen wieder hoch: „In Bangladesch feiern wir zu Weihnachten immer eine große Party. Freunde und Verwandte werden dazu eingeladen. Die Frauen tragen ganz schicke bunte Kleider, die sie extra neu kaufen. Die Männer ziehen Hemden und feine Hosen an, manchmal auch T-Shirts.“

Und einen Weihnachtsbaum? Den gibt es eben nicht. Da werden eher Bananenblätter zusammengebunden und darunter kleine Kerzen angezündet.

„In Bangladesch wird gern süß gegessen“, ergänzt Vater Masud Kazi (36). „Süßes oder Saures, so ein bisschen wie Halloween ist das. Nur das die Kleidung nicht so gruselig ist“, lacht Mona. „Bei uns gibt es dann Milchreis, süßen Yoghurt oder Pudding“, erzählt ihre Mutter Rumki Shayla (35). Und Gummibärchen. Die esse sie am liebsten, meint die Tochter.

Aber in Deutschland, da sei auch das anders. „Wir grillen“, sagt Masud Kazi und lacht seine Tochter an. Die habe sich das nämlich gewünscht. Und noch etwas habe sie sich gewünscht. Eine Kette. „Den Wunsch habe ich an den Weihnachtsmann geschrieben“, sagt das Mädchen und hofft, dass der ihr diesen Wunsch auch erfüllt. Denn sie ist davon überzeugt, dass der, der keinen Brief an den Weihnachtsmann schickt, auch nicht das bekommt, was er sich wünscht. Denn woher soll der Weihnachtsmann das sonst wissen?

Die bengalische Familie ist auch, was Weihnachtsbräuche angeht, schon ein bisschen in Deutschland angekommen. Vor zwei Jahren sind die Eltern mit ihrer damals sechsjährigen Tochter mit dem Flugzeug nach Deutschland geflüchtet. „Ich war politisch in der Opposition und außerdem sind wir Christen. Wir waren in der Heimat nicht mehr sicher, mussten um unser Leben fürchten. In Bangladesch werden sogar Kinder aus der Kita oder der Schule entführt“, erzählt der Vater.

Über Flüchtlingslager in Bochum, Rheine, Münster und Bielefeld ist die kleine Familie nach Hiddenhausen gekommen. In der Heimat war Masud Kazi als Diplom Ingenieur tätig, finanziell ging es der Familie richtig gut, sie hatten sogar Bedienstete. Und nun? Nun ist alles anders. Heute wohnen sie in einer Flüchtlingsunterkunft in Oetinghausen, Rumki Shayla muss selbst kochen und den Haushalt führen. Und dennoch. Die Familie ist zufrieden. Der Vater besucht täglich den Deutsch-Unterricht. „Und wenn ich die deutsche Sprache gut kann, dann kann ich eine Ausbildung machen“, ist er zuversichtlich. Er möchte Fachkraft in der Gastronomie werden – bei McDonalds. „Und wenn ich erst Arbeit habe und Geld verdiene, dann können wir uns auch eine eigene Wohnung suchen“, plant der 36-Jährige. Bei den Deutschkenntnissen ist Mona ihm weit voraus. Sie besucht die dritte Klasse und spricht inzwischen fast akzentfrei Deutsch. Und das ist gut so. So kann sie ihre Eltern prima unterstützen. In Deutschland wollen sie bleiben, da ist die Familie sich absolut einig. „Es ist so schön hier“, schwärmt Mona.

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