27 Hennen und ein Hahn: Erwin Steffens Zucht im eigenen Garten in Hiddenhausen

„Meinen Hühnern soll es gut gehen“

Hiddenhausen (WB)

Er lebe auf der Insel der Glückseligkeit, sagt Erwin Steffen Oetinghauser und stellvertretender Bürgermeister. Er lebt in Oetinghausen am Ende einer Straße fast mitten im Wald, jeden Donnerstag um 7 Uhr geht er mit Ehefrau Brundhilde für die Woche einkaufen.

Karin Koteras-Pietsch

Mit Hühnerzucht auf Bio-Basis beschäftigt sich Erwin Steffen seit 2018. Dazu gehört das Wissen um die Zucht und das richtige Futter. Foto: Karin Koteras-Pietsch

Ansonsten bleibt er zu Hause. Und in den Einkaufswagen müssen noch nicht einmal Eier rein. Dank seiner erfolgreichen Hühnerzucht, kann Steffen die nämlich täglich im eigenen Garten einsammeln. Besser kann‘s zu Corona-Zeiten kaum laufen, meint der 69-Jährige. Dabei hat er seine Hühnerzucht nicht einmal wegen Corona aufgebaut, er weiß aber, dass das Interesse daran im vergangenen Jahr gestiegen ist. Steffen weiß aber auch, dass Hühner sich nicht einfach so halten lassen. Da muss man sich schon genau informieren. Eben das hat er getan. 2018 kam er auf die Idee der Hühnerhaltung. „Zwei Tiere hat meine Frau mir genehmigt.“ Steffenkam mit vier Junghühnern nach Hause – zwei schwedischen Blumenhühnern und zwei Araucaner-Mischlingen. „Aber die wollte ich nicht einfach so halten“, meint Steffen. Alles Bio sollte es sein. „Ich wollte, dass es den Hühnern gut geht und mir die Eier gut schmecken“, erzählt er.

Der Rentner absolvierte drei Seminare bei der Landwirtschaftskammer, darunter natürlich eins zum Thema Hühnerhaltung allgemein und eins zum Thema Einsatz der Naturheilkunde und Homöopathie bei Hühnern. Nun war nun fit für die Zucht auf Bio-Basis. Sein erster Stall war ein kleiner aus Plastik. Keine gute Entscheidung, weiß er heute. Holz ist die deutlich bessere Wahl, weil Holz atme.

Inzwischen hat Steffen 27 Hühner. Gehege und Ställe nehmen fast seinen ganzen Garten ein. „Ich betreibe die Mehr-Gehege-Wirtschaft, so dass die Hühner alle zwei bis drei Wochen auf ein anderes Stück Garten wechseln können“, erklärt er. Aktuell muss er regelmäßig die Käfige versetzten, damit die Hühner mal auf einem anderen Stück Rasen laufen können, denn wegen der Geflügelpest muss Geflügel im Stall bleiben.

Mitten zwischen den Ställen und Gehegen steht die Gartenhütte von Erwin Steffen. Unzählige Papiersäcke lagern hier – alles Biofutter aus dem Fachhandel für die Hühner: Nudeln, Kräuter, Erbsen, Mischfutter mit hohem mehligen Anteil, Reis, Pellets, Petersilie, Mais, Weizen, Brennessel, Rote Beete und Grip (Steinchen und Vitamine, damit dass Futter geöffnet wird). Und donnerstags gibt es immer frischen Salat. Steffen demonstriert, wie sehr die Hühner den lieben. „Wie die Hyänen stürzen die sich darauf“, erzählt er. Und tatsächlich. In wenigen Minuten sind die Salatköpfe aufgepickt.

Wenn Steffen durch seinen Garten geht, wird die Leidenschaft deutlich, mit der er dieses Hobby betreibt. „Hier ein Araucaner, das legt grüne Eier, die Marans legen dunkelbraune Eier, die kleineren hellen sind von den Vorwerkhühner und die etwas größeren von den Bielefelder Kennhühnern “, beschreibt er seine Zucht. Besonders stolz ist er auch auf seinen Hahn. „Ein wahres Prachtexemplar“, schwärmt er. Aber der brauche natürlich auch tolerante Nachbarn.

Dass alles gut läuft, danach schaut regelmäßig eine Tierärztin. „Wenn man Hühner so züchtet wie ich, dann ist das schon sehr aufwendig“, erzählt der Oetinghauser weiter. Ein bis eineinhalb Stunden am Tag sei er damit beschäftigt. Da muss man Gehege und Käfige sauber machen, Futter und Wasser nachfüllen und natürlich die Eier einsammeln. Wenn er mal ein paar Tage unterwegs sei, helfe die Futtermaschine.

Professionelle Hühnerzüchter würden seine Arten nicht bevorzugen, meint Steffen, weil sie nicht so viele Eier legen. Zu Hochzeiten legen seine 27 Hühner 17 Eier am Tag. Die Art der Zucht, wie der Oetinghauser sie betreibt, ist nicht nur aufwendig, sondern auch kostspielig, allein durch das Biofutter. Aber die Eier schmecken natürlich auch erstklassig. Würde er sie verkaufen, so hat Steffen mal ausgerechnet, müsste ein Ei einen Euro kosten. Aber verkaufen kommt für ihn gar nicht in Frage. Hat er mal Eier übrig, werden die zur Freude von Freunden und Familie verschenkt. Weitere Infos gibt‘s hier.

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