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Hiddenhauser Feuerwehr alle zwei Tage ein Einsatz – Aktive gesucht – Haupt- und Finanzausschuss stimmt Brandschutzbedarfsplan zu

Tagesverfügbarkeit muss erhöht werden

Hiddenhausen (WB)

Immer weniger Aktive vor Ort, immer mehr Probleme mit der Freistellung für Einsätze durch den Arbeitgeber, Sanierungsbedarf bei Gerätehäusern – die Feuerwehr der Gemeinde steht vor großen Herausforderungen. Wie es um die Bedingungen für die freiwilligen Helfer bestellt ist, legt der Brandschutzbedarfsplan für Hiddenhausen offen.

Sonja Töbing

Hiddenhauser Feuerwehrleute sind im Schnitt jeden zweiten Tag im Einsatz. Das Foto zeigt die Retter bei einer Hausexplosion im April 2020. Foto: Moritz Winde

Der Haupt- und Finanzausschuss hat am Donnerstagabend die dritte Fortschreibung einstimmig beschlossen. Das fast 150 Seiten umfassende Konzept, das Gutachter Patrick Habeth von der Forplan Forschungs- und Planungsgesellschaft für Rettungswesen, Brand- und Katastrophenschutz in Bonn erstellt hat, liefert die Vorgaben für eine funktionierende Feuerwehr. Feuerwehrchef Mario Daume stellte es vor.

Ist-Zustand

Laut einer Simulation kann etwa 50,4 Prozent der Gesamtfläche Hiddenhausens innerhalb der vorgeschriebenen Fahrzeiten von der Freiwilligen Feuerwehr erreicht werden – wenn es nur um die bebauten Flächen geht, sogar 67,9 Prozent. Im Vergleich zum Brandschutzbedarfsplan 2014 ist eine Steigerung der Brandeinsätze um 56 Prozent zu verzeichnen, bei den Technischen Hilfeleistungen sogar um rund 70 Prozent. „Insgesamt kann festgestellt werden, dass in den Jahren 2014 bis 2018 durchschnittlich alle zwei Tage ein Einsatz im Gemeindegebiet stattgefunden hat. Dieser Wert ist für eine Freiwillige Feuerwehr hoch“, heißt es im Brandschutzbedarfsplan.

Der Zustand des Fuhrparks und der technischen Ausstattung wird als gut bewertet, das Gesamt-Durchschnittsalter der Fahrzeuge liegt bei rund elf Jahren. Die Tagesverfügbarkeit wird als schwierig bemängelt, hier gebe es Verbesserungsbedarf. Grundsätzlich stehen werktags deutlich weniger Einsatzkräfte zur Verfügung, da zahlreiche Mitglieder der einzelnen Löschgruppen ihre Arbeitsplätze außerhalb der Gemeinde haben. Dringenden Handlungsbedarf sieht Habeth bei den Gerätehäusern, hier besonders Eilshausen.

Mario Daume betonte, wie wichtig der Hiddenhauser Feuerwehr das Erreichen der Schutzziele sei. So soll die erste Einheit mit einer Stärke von neun Einsatzkräften innerhalb von acht Minuten nach Alarmierung vor Ort sein, weitere sieben Einsatzkräfte sollen innerhalb der folgenden fünf Minuten eintreffen. „In Hiddenhausen erreichen wir Schutzziel 1 zu 88 Prozent, Schutzziel 2 zu 100 Prozent“, so Daume. Bei den Hilfsfristen, vor allem im Bereich Oetinghausen, gelte es noch nachzusteuern.

Soll-Konzept

Ein besonders wichtiges Thema ist die Personalverfügbarkeit, diese müsse vor allem werktags tagsüber weiterhin erhöht werden. Eine Möglichkeit ist der Aufbau einer Tagesalarmeinheit. Weiterhin sollen Arbeitgeber stärker mit eingebunden sowie tageszeitverfügbare freiwillige Einsatzkräfte, die sich vor allem im Gemeindebereich aufhalten, gewonnen werden. Weitere mögliche Maßnahmen sind Aus- und Fortbildungen durch Feuerwehr oder Kreis, Wohnraumförderung sowie regelmäßige Werbung in den Medien.

Ablehnend standen die Ausschussmitglieder dem Konzept eines Einsatzleiters vom Dienst (EvD) gegenüber, der nach Ansicht Habeths die Führungskräfte im Notfall unterstützen könnte. Auch die damit verbundene Anschaffung eines eigenen Fahrzeugs für den EvD wurde von den Ausschussmitgliedern als unnötig erachtet. Da es sich nur um eine Empfehlung handelt, konnte dem Brandschutzbedarfsplan trotzdem in der jetzigen Form zugestimmt werden, allerdings wurden die Bedenken zu Protokoll genommen.

Das Feuerwehrgerätehaus Eilshausen steht im Fokus des Soll-Konzepts, da es nicht mehr den Anforderungen entspricht. Ob es saniert, erweitert wird oder ein Neubau entsteht, sei noch zu klären. Das Architekturbüro Flörke und Krys (Bünde), das auch den Neubau des Gerätehauses Schweicheln-Bermbeck betreut, will in den nächsten sechs Monaten eine Einschätzung abgeben. Das Gerätehaus Schweicheln-Bermbeck soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden.

Auch die Förderung des Ehrenamtes und die Mitgliederwerbung stehen im Fokus des Brandschutzbedarfsplans. Grundsätzlich sollen die Anreize verstärkt werden, der Freiwilligen Feuerwehr beizutreten, sei es durch die Unterstützung bei der Suche eines Arbeitsplatzes, kostenlose/vergünstigte Eintritte oder die Prüfung einer gesonderten Altersvorsorge für langjährige Mitglieder.

Perspektivisch soll geprüft werden, ob Kinderfeuerwehren gegründet werden könnten, um frühzeitig Interesse für die Feuerwehr zu wecken. Um die Jugendabteilung macht sich Mario Daume indes keine Sorgen: „75 Prozent aller Aktiven stammen aus den Jugendfeuerwehren.“

Eigentlich hätte die Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplans schon 2020 beschlossen werden sollen. Da sich der Beschluss verzögert hat, soll das in diesem Jahr beschlossene Konzept bis 2026 gelten.

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