Kooperation von Paul-Maar-Grundschule, Wittekindschule und Integrationsrat soll Kindern helfen

Wenn Corona die Bildungschancen hemmt

Hiddenhausen (WB)

Sprachprobleme, geringes Einkommen, prekäre Wohnverhältnisse – Kinder aus sozial schwachen Familien haben es im Schulalltag nicht leicht. Und die Corona-Pandemie hat diese Problematik verschärft.

Sonja Töbing

Viele Eltern könnten ihre Kinder aufgrund ihrer sozialen Lage leider nicht so unterstützen, wie sie es gerne täten, sagt Schulsozialarbeiter Markus Mildner. Foto: Uwe Anspach/dpa

Seit Mitte vergangenen Jahres gibt es die Zusammenarbeit zwischen dem Integrationsrat der Gemeinde, der Paul-Maar-Grundschule mit ihren Teilstandorten Eilshausen, Hiddenhausen und Oetinghausen sowie der Wittekindschule (Förderschule).

Diplom-Sozialpädagoge und Schulsozialarbeiter Markus Mildner wird die Kooperation am kommenden Montag bei der Sitzung des Integrationsrates vorstellen. Im Gespräch mit dem HERFORDER KREISBLATT spricht er bereits vorab über die Schwierigkeiten, Hoffnungen und Schwerpunkte der Zusammenarbeit.

„Auf die Hilfe des Integrationsrates greifen die Hiddenhauser Grundschulen schon seit ein paar Jahren zurück, mehr oder weniger ,ehrenamtlich‘. Weiter entwickelt hat sich die Kooperation seit Mitte vergangenen Jahres, als uns der Integrationsrat während des Lockdowns seine Mithilfe anbot. Die Arbeit ist jetzt effizienter geworden, weil Probleme im Vorfeld durch die Schulsozialarbeit konkreter benannt werden können“, betont Mildner.

Die Zusammenarbeit sei aus zwei „Grundproblemen“ entstanden: „Viele Eltern können ihre Kinder aufgrund ihrer sozialen Lage leider nicht so unterstützen, wie sie es gerne täten. Des Weiteren werden Elternbriefe nicht verstanden, weil sie nicht übersetzt werden können oder Sinn und Zusammenhang nicht nachvollziehbar sind.“

Diese „Grundprobleme“ seien für die Lehrkräfte eine zusätzliche und alleine nicht zu bewältigende Herausforderung. „Sie sehen die Potenziale der Kinder, aber auch die in vielen Familien nicht leistbare Unterstützung. Die daraus folgende notwendige Beantragung und Vermittlung von Unterstützung durch das Bildungs- und Teilhabepaket erfordert ein nicht zu unterschätzendes Maß an Mehrarbeit“, erklärt der Schulsozialarbeiter. Am Ende dieses bürokratischen Prozesses stehe dann aber nicht unbedingt das gewünschte Ergebnis – oder aber es vergehe zu viel Zeit. „Die Hilfe bleibt aus. Ein Kind muss dann möglicherweise die Klasse wiederholen, was unter anderen Umständen nicht nötig gewesen wäre.“

Auch die Wittekindschule soll künftig stärker von der Kooperation mit dem Integrationsrat profitieren. Foto: Sonja Töbing

Der Integrationsrat habe hier die Möglichkeit, die notwendige Unterstützung der Beratung durch die Schule bis zum Ende einer Förderung konstruktiv zu begleiten und so auch zur Entlastung des Schulsystems beizutragen.

Alle Kinder profitierten durch einen regelmäßigen Schulbesuch vom Zusammensein mit anderen Kindern. „Dieser ,kulturelle‘ Lernprozess ist derzeit aufgrund der Pandemie massiv eingeschränkt.“ Zwar hätten einige Kinder die Option, in die Notbetreuung zu kommen, aber die darüber hinaus notwendige Unterstützung beim Distanzlernen bleibe im Regelfall aus. „Hier wäre es denkbar, in der Schule Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, um Kindern eine geeignete Lernatmosphäre im Distanzunterricht zu ermöglichen“, sagt Markus Mildner. Auch sei das Ermöglichen einer gezielten Lernförderung in der Schule wünschenswert.

Grundsätzlich erhoffe man sich durch die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Integrationsrat mehr Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit durch optimales Ausschöpfen der Bildungschancen trotz Sprachbarrieren und kultureller Unterschiede sowie ein „Voneinander lernen“. „Derzeit bezieht sich die Kooperation in erster Linie auf die Paul-Maar-Grundschulen.

Die Wittekindschule ist als Sprachförderschule des Kreises auch über die Ortsgrenzen hinaus für Kinder zugänglich, die nicht in Hiddenhausen wohnen“, erklärt Markus Mildner. Langfristig sollen jedoch alle in Hiddenhausen lebenden Familien von der Zusammenarbeit des Integrationsrates mit den Schulen profitieren. „Verbindungen der Integrationsräte im Kreis untereinander wären für alle Schülerinnen und Schüler der Wittekindschule sowie deren Familien ein Gewinn.“

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