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Asylantrag zunächst abgelehnt – jetzt besteht er Malerprüfung mit Traumnote 1,7

Wie ein Flüchtling zu seinem Job kam

Hiddenhausen (WB). Als Narek Manuhyan 2015 als Flüchtling nach Deutschland kam, kannte er hier niemanden. Er fühlte sich einsam, sprach kein Wort Deutsch. Heute hat er eine Freundin, beide erwarten ihr zweites Kind und Manuhyan hat seine Prüfung zum Maler bestanden.

Karin Koteras-Pietsch

Ordnungsamtsleiter Jörg Luttmann und Flüchtlingsbetreuer Shperim Kaludra freuen sich über den Erfolg von Narek Manuhyan (von rechts). Der armenische Flüchtling hat seine Malerprüfung mit der Note 1,7 bestanden. Der 24-Jährige erwartet mit seiner Freundin bald das zweite gemeinsame Kind. Foto: Koteras-Pietsch

Der heute 24-Jährige studierte in seiner Heimat Armenien Meteorologie. Nach zwei Jahren brach er das Studium ab, er sollte zum Militär eingezogen werden. Da Kriegsdienstverweigerung in Armenien gesellschaftlich kaum akzeptiert wird und bis vor ein paar Jahren gar nicht möglich war, machte er es, wie viele junge Männer in seinem Land: Er floh. Nach Deutschland. Allein. Seinen Bruder ließ er zurück, seine Eltern waren schon in Russland.

Manuhyan war zunächst in Trier, dann in Bielefeld und später in einer Unterkunft in Oerlinghausen, bevor er nach Hiddenhausen kam. Und hier hatte er in zweierlei Hinsicht etwas Glück. Er lernte eine armenische Familie kennen, mit der er noch heute freundschaftlich verbunden ist, und er hatte einen Betreuer in der Ausländerbehörde, der ihm auf seinem Weg zum Maler half: Shperim Kaludra.

Zunächst keine Bleibeperspektive

„Der Asylantrag, den Narek Manuhyan gestellt hatte, ist abgelehnt worden. Seine einzige Chance war eine Ausbildungs-Duldung“, erinnert sich Kaludra, der sich als Angestellter der Jugendhilfe Schweicheln bei der Gemeinde um die Flüchtlinge kümmert. Allerdings sei der junge Mann damals von einer Ausbildungsreife weit entfernt gewesen. „Aber es musste schnell gehen, weil er keine gute Bleibeperspektive hatte.“ Die Ausreisepflicht hätte dem Flüchtling die ganze Zeit im Nacken gesessen.

Vor seiner Ausbildung absolviert Narek Manuhyan eine einjährige Einstiegsqualifikation, um für die Lehre fit zu werden. Er absolvierte Deutschkurse und „hängte sich so richtig rein“, erzählt Shperim Kaludra. Manuhyan habe die Kurse mehr als manch anderer vor- und nachbereitet. Und dennoch. „In meiner ersten Stunde an der Berufsschule habe ich kein Wort verstanden“, erzählt der Flüchtling.

Die Ausbildung begann er dann am 18. August 2017 bei Malermeister Ivan Pavlovski. Die bürokratischen Hürden seien nicht einfach gewesen, weiß Kaludra. Aber er habe hier an vielen Stellen helfen können, bei Problemen bei der Arbeit, insbesondere aber bei behördlichen Angelegenheiten auf beiden Seiten. Schließlich ist Kaludra auch Ansprechpartner für die Arbeitgeber der Flüchtlinge. Es war offenbar eine Win-Win-Situation: Pavlovski war froh, dass er den Azubi hatte, und der, dass er einen Ausbildungsplatz hatte.

Wegen guter Leistung Ausbildung verkürzt

Manuhyan lernte und lernte, sowohl die Theorie als auch die Praxis. „In der Schule lief es gut, mein Deutsch wurde immer besser“, erzählt er. Und die Arbeit machte und mache ihm Spaß. Zu 90 Prozent arbeite er draußen, der Schwerpunkt seines Jobs liege auf Fassadenanstrichen.

Der junge Armenier hängte sich weiter rein. Als einziger Schüler seiner Klasse konnte er wegen guter Leistungen die Ausbildung verkürzen. Vor wenigen Tagen wurde im Wilhelm-Normann-Berufskolleg seine Prüfungsnote bekannt gegeben: 1,7. Narek Manuhyan strahlt immer noch vor Stolz, wenn er davon erzählt. Und auch privat läuft es für ihn gut. Fast jedenfalls. Der 24-Jährige wohnt inzwischen mit seiner Freundin und seinem Sohn Marc in Lippinghausen. Gerne würde er heiraten, aber dazu fehlen ihm die Papiere. Er benötigt aus Armenien einen Nachweis, dass er dort nicht verheiratet war.

„Möchte mein Studium beenden“

„Doch alle Versuche, die zu bekommen, auch über die armenische Botschaft, waren erfolglos“, ärgert er sich. Dabei sei das eigentlich Quatsch. Er sei mit 19 Jahren nach Deutschland geflüchtet und in Armenien dürfe man erste mit 20 heiraten. Etwas Hoffnung vermittelt ihm Ordnungsamtsleiter Jörg Luttmann: „Nachdem sein Sohn geboren war, hat Narek Manuhyan im Oktober 2018 zunächst eine Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr bekommen. Die wurde dann um weitere drei Jahre verlängert. Nun hat er aufgrund seiner Situation gute Chancen, eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis zu bekommen.“

Und obwohl er sich aktuell als Familienvater und Maler sehr wohl fühlt, verfolgt Narek Manuhyan einen Traum: „Ich möchte mein Studium beenden – sobald meine Deutschkenntnisse dafür ausreichen.“

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