1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Hiddenhausen
  6. >
  7. Wo ist der Angeklagte?

  8. >

Hiddenhauser (43) lässt Kinderporno-Prozess platzen

Wo ist der Angeklagte?

Hiddenhausen (WB). Die Vorwürfe wiegen schwer: Einem Hiddenhauser (43) sollte am Freitag der Prozess wegen Besitzes von Kinderpornografie gemacht werden. Doch der Mann ließ sich nicht im Herforder Amtsgericht blicken.

Moritz Winde

Der Kinderporno-Prozess wird vor dem Amtsgericht Herford verhandelt. Foto: Winde

»Ich weiß auch nicht, wo er ist«, sagte sein Pflichtverteidiger Sven Peters, zuckte mit den Schultern und deutete auf den leeren Stuhl neben ihm. Pünktlich um 9 Uhr sollte die Hauptverhandlung in Saal 309 beginnen: Richterin, zwei Schöffen, Protokollantin und Staatsanwältin waren startklar. Zwei Polizisten – einer davon extra vom Landeskriminalamt aus Düsseldorf angereist – sollten als Zeugen gehört werden. Wer fehlte, war der Angeklagte. Doch keine Hauptverhandlung ohne den Angeklagten.

Dabei geht es in dem Verfahren um nichts weniger als um die Zukunft des 43-Jährigen. Laut Staatsanwaltschaft soll er insgesamt 690 Dateien kinder- und jugendpornografischen Inhalts gehabt haben. Am 8. August 2018 wurden bei der Durchsuchung seiner Wohnung in Hiddenhausen zwei Laptops beschlagnahmt. Darauf soll sich das strafbare Material befunden haben.

Videos sind mehrere Minuten lang

»Die Ermittler haben allein 603 Kinderpornos gefunden, auf denen etwa 200 unterschiedliche Opfer zu sehen sind. Es handelt sich dabei größtenteils um Mädchen zwischen vier und zwölf Jahren«, sagte Richterin Alea Blöbaum. Viele Videos sind mehrere Minuten lang. Experten des LKA waren mithilfe spezieller Software auf die Daten gestoßen.

Parallel zu dem Strafprozess läuft derzeit ein Familienverfahren. Auch zu dieser Verhandlung erschien der 43-Jährige nicht. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte das Jugendamt des Kreises die beiden Kinder des Mannes in Obhut genommen.

Das Schöffengericht hat einen neuen Termin im Dezember festgelegt. Zu diesem soll der Angeklagte dann mit der Polizei vorgeführt werden. Falls er zu Hause nicht angetroffen wird, will die Vorsitzende Richterin einen Haftbefehl erlassen – und zwar wegen Nicht-Erscheinens.

Startseite