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Anwohner entsetzt über Baumfällungen in der Nähe des neuen Feuerwehrhauses Auf dem Fienberge

Alte Eichen mussten weichen

Kirchlengern (WB).

Mindestens 100 Jahre konnten sie wachsen. Innerhalb von nicht einmal einer Stunde sind sie gefällt worden – zwei Eichen, die in der Nähe des Feuerwehrhauses Auf dem Fienberge in Kirchlengern stehen.

Hilko Raske

Foto:

„Warum?! Herr Meier, der Baum war gesund“ steht auf einem Schild, das an einem der gefällten Bäume befestigt wurde und sich an den Bürgermeister richtet. Davor sind Gläser mit Teelichtern zu sehen, die Anwohner dort aufgestellt haben. „Wir sind entsetzt“, sagt Kerstin Renz, die in der Nachbarschaft wohnt. Die Bäume seien von der Gemeinde gefällt worden, obwohl den Anwohnern noch vor zwei Wochen gesagt worden sei, dass sie in Ordnung seien beziehungsweise eine Eiche vielleicht mit Efeu befallen wäre.

Anrufe von besorgten und wütenden Anwohnern haben nach der Fällaktion auch den Ortsverband der Grünen erreicht. „Da uns keine Gründe bekannt sind oder mitgeteilt wurden, haben wir eine Anfrage an die Verwaltung gestellt“, sagt Burkhard Scheiding, der für die Grünen im Gemeinderat sitzt. Dieser Fall zeige einmal mehr, wie nötig die Wiedereinführung einer Baumschutzsatzung für Kirchlengern sei, die vor Jahren auf Initiative des Bürgermeisters abgeschafft worden war. „Die „rostige Heckenschere“ als negative Auszeichnung vom BUND für diese Aktion liegt heute noch in einer Vitrine im Rathaus“, sagt Scheiding.

Die Gemeinde sieht das naturgemäß anders. „Die Baumfällungen waren nicht vermeidbar“, heißt es in einer Stellungnahme. Dass sie Fragen aufwerfen, sei aber nachvollziehbar.

Bereits Ende 2019 habe der Rat einstimmig den Neubau eines Feuerwehrhauses „Auf dem Fienberge“ beschlossen. Inzwischen seien die Planungen so weit fortgeschritten, dass das dafür erworbene Grundstück für die spätere Bauausführung vorbereitet werde. Bei der Planung galt es, eine optimale Position für das Feuerwehrgerätehaus zu finden und sowohl flächensparend zu planen als auch die Nutzbarkeit der restlichen Grundstücksfläche zu gewährleisten.

Das betreffende Grundstück müsse mit etwa der Hälfte der Fläche für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Anspruch genommen werden. Natürlich sei dabei auch versucht worden, die Bäume möglichst zu erhalten, teilt die Gemeindeverwaltung mit. Das sei allerdings aufgrund der benötigten Zufahrtsbreiten für die Feuerwehrfahrzeuge und die Erschließung der Parkplätze für die Einsatzkräfte nicht möglich gewesen. Einer der Bäume hätte in der zukünftigen Zufahrt des neuen Feuerwehrgerätehauses gestanden, der andere in dem Bereich, der für die Erreichbarkeit der Parkplätze für die Einsatzkräfte benötigt werde.

Selbstverständlich seien die Bäume vor dem Fällen daraufhin kontrolliert worden, ob sich Tiere in den Kronen eingenistet hätten. Nachdem festgestellt worden sei, dass dies nicht der Fall war, sei der Auftrag für ein zeitgerechtes Fällen nach den Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes erteilt worden.

„Für die notwendigen Fällungen werden, ohne dass dazu eine rechtliche Verpflichtung besteht, von der Gemeinde zeitnah zehn neue Eichen angepflanzt. Außerdem wurden bereits weitere Baumspenden aus der Bevölkerung zugesagt“, heißt es weiter.

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